Gestensteuerung Per Anhalter durch den Desktop

Toshiba Qosmio G50 (Foto)
Toshibas Qosmio G50: Weg von Tastatur und Maus - zumindest einen kleinen Schritt. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Mit Daumenschwenks den Computer steuern, Filme starten oder die Lautstärke einstellen – Toshiba hat zwei Notebooks im Angebot, die die Zukunft ein Stück näher an die Gegenwart rücken.

Intuitiver, einfacher und greifbarer – so sollen sich Computer in Zukunft bedienen lassen. Dass es an innovativen Konzepten ein großes Interesse gibt, hat Apple zuletzt mit dem iPhone eindrucksvoll bewiesen. Eine noch revolutionärere Vision präsentiert Toshiba mit seinen zwei neuen Notebooks Qosmio F50 und G50.

Das Gerät sieht aus, wie ein Notebook heutzutage so aussieht. Schwarzes Gehäuse, Display, Tastatur und Touchpad zur Navigation. Doch Toshibas G50 kann mehr: Öffnet man, natürlich noch per Mausklick, ein spezielles Programm, dann schaltet sich die Web-Kamera im Displayrahmen ein. Nun lässt sich das Gerät mit dem hochgestreckten Daumen steuern. Wie von Geisterhand geführt folgt ein grüner Kreis auf dem Display den Bewegungen des Daumens. Um eine Funktion zu starten, drückt man dann den Daumen nach unten – ähnlich wie die Mine beim Kugelschreiber. So zumindest die Theorie.

«Das funktioniert bei bis zu zwei Meter Entfernung», verspricht Jens Böcking von Toshiba. Und tatsächlich, bei dem smarten Mann sieht das ganze einigermaßen praktisch aus, auch wenn man mit der Maus oder einer Fernbedienung ähnlich schnell wäre. Doch im Selbsttest zeigt sich, wie weit die Zukunft leider noch in der Zukunft liegt. Zuerst will der Computer meinen Daumen nicht erkennen, man fühlt sich wie ein Anhalter an der Straße, der nicht mitgenommen wird.

Lesen Sie auf Seite 2, woran es noch hapert

Erst im vierten Versuch nimmt der Rechner meinen Daumen wahr. «Bei Bewegungen im Hintergrund hat die Software ihre Probleme», räumt der junge Toshiba-Produktmanager entschuldigend ein. «Dann erkennt er auch mal gern einen Kopf als Daumen.» Etwas später, als der Saal sich geleert hat, funktioniert das System deutlich besser. Das Problem: Die Bedienung ist kompliziert. Den grünen Kreis gezielt zu steuern braucht einiges an Geduld und Übung. Flüssige Bewegungen sind kaum möglich. Gleichzeitig muss man aufpassen, nicht den kleinen Scan-Bereich der Kamera zu verlassen. Dann bricht die Software sofort ab und man muss völlig frustriert von vorn beginnen.

Wenig hilfreich ist dabei, dass sich die wichtigen Funktionen in den vier Ecken des Displays befinden. Das nächste Problem ist das genaue Zielen: Es gleicht schon einer koordinativen Meisterleistung, den Cursor überhaupt in die richtige Ecke zu manövrieren. Das gezielte Anklicken eines der kleinen Knöpfe wird dann zur Geduldsprobe. Da diese Probleme bereits bei der größeren 18,4-Zoll-Variante auftreten, ist der kleinere 15,4-Zoll-Toshiba für die Daumensteuerung überhaupt nicht zu empfehlen. Ein Feature funktioniert allerdings erstaunlich gut: Mit der erhobenen Handfläche stoppt die Wiedergabe, wiederholt man die Geste läuft der Film wieder an.

Grund für den zu kleinen Scanbereich ist sicherlich, dass die Funktion enorm viel Rechenleistung braucht. Selbst der leistungsfähige Quad-Core-Prozessor, der bei der Daumennavigation zugeschaltet wird, stößt hier an seine Grenzen. Mit der Vision aus dem Science-Fiction-Film «Minority Report», in dem Tom Cruise einen Computer blitzschnell über Handbewegungen steuert, haben der F50 und der G50 daher nur wenig zu tun.

Dass die Gestensteuerung noch keine Konkurrenz zu Maus und Tastatur ist, scheint auch den Toshiba-Verantwortlichen klar zu sein. Während der Präsentation noch groß angepriesen, wird die Funktion in der Pressemitteilung schon nur noch am Rande abgehandelt. Im persönlichen Gespräch heißt es dann, dass die Steuerung sich vor allem als Ersatz für die Fernbedienung eignet - die es aber weiterhin dazu gibt. Also, leider alles noch nicht wirklich massentauglich.

Dennoch muss man die Toshiba-Ingenieure für ihre Kreativität loben, endlich die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Träumen muss nicht nur erlaubt bleiben – in einem Markt, wo sich die Billiggeräte kaum noch von den Top-Produkten unterscheiden, sind Innovationen bitter nötig. Und hier legt Toshiba mutig vor, andere Notebook-Hersteller verkaufen derzeit bereits ein neues Design als Durchbruch.

Der Qosmio F50 mit einem 15,4-Zoll-Display ist für 1 199 Euro zu haben, die größere Variante G50 mit 18,4 Zoll kostet 1 699 Euro.

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Marta
  • Kommentar 1
  • 22.01.2010 17:31

Toshiba rules!

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