Gezerre um Frequenzen für DSL-Alternative
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Von Peter Lessmann
Artikel vom 16.10.2008Schnelles Internet nicht verfügbar? Damit ländliche Regionen nicht länger im Schneckentempo surfen müssend, soll das Funkinternet ausgebaut werden. So weit so gut - nur ist ein Streit um die notwendigen Frequenzen ausgebrochen.
Die einen wollen sie nicht hergeben, die anderen beanspruchen sie für sich: Es geht um leistungsstarke Frequenzen, die derzeit noch TV-Sender und Radiostationen nutzen. Zukünftig könnten Sie das Internet in entlegene Regionen bringen.
Rund 800 000 Haushalte, schätzt die Bundesregierung, seien derzeit noch vom schnellen Internet abgekoppelt. Über 600 Gemeinden, insbesondere in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, könnten von der Informationsgesellschaft auf Dauer abgehängt werden. Nach Angaben des Telekom-Verbandes VATM verfügen in Deutschland derzeit 5 Millionen Menschen in 2200 Gemeinden über kein Breitband-Internet. Es droht die digitale Spaltung des Landes.
Da wäre Funkinternet das probate Mittel. Denn in ländlichen Gebieten mit wenigen Einwohnern lohnt es sich für die Deutsche Telekom oder die Kabelnetzbetreiber finanziell nicht, Internet über die Telefonleitung (DSL) beziehungsweise das TV-Kabel anzubieten. «Wir werden bis Ende 2008 rund 96 Prozent aller Haushalte mit DSL versorgen», sagt Telekom-Festnetzchef Timotheus Höttges. Den Rest erreicht man aber deutlich kostengünstiger über Funk. Die dafür notwendigen Frequenzen dürften auch bald frei werden - zumindest theoretisch.
Bis zum Jahr 2012, so die Vorgabe der Europäischen Union, sollen alle europäischen Länder dafür gesorgt haben, dass ihre TV- und Radioprogramme nur noch digital ausgestrahlt werden. Damit werden Funkwellen frei, die bislang von analogen Sendern belegt werden. In Deutschland ist die Umstellung bereits in vollem Gang. Ende dieses Jahres werden die analogen TV-Signale deutschlandweit abgeschaltet sein, dann gibt es Fernsehen über die Antenne nur noch digital im DVB-T-Standard. Der große Vorteil: Ein Sender braucht danach viel weniger Platz bei der Übertragung.
Diesen Überschuss nennt man etwas sperrig auch die digitale Dividende. ARD, ZDF und die privaten Sender würden mit einem Bruchteil der jetzigen Frequenzen auskommen. Wie hoch genau die Einsparungen sind, darüber streiten sich die Beteiligten. Die EU geht davon aus, dass die Anstalten dann nur noch ein Sechstel bis ein Fühnzehntel des derzeitigen Sendeplatzes benötigen. Der Telekom-Verband VATM beruft sich auf Zahlen der Bundesnetzagentur, die bei geschickter Anpassung Einsparungen von 80 Prozent in Aussicht stellen. Bisher ist es so, dass auf einen alten analogen Sendeplatz vier digitale Sender aufgeschaltet werden.
Doch so einfach wollen die Sender die wertvollen Rundfunkwellen nicht hergeben. Ihr Argument: Man braucht die Kapazitäten selbst. «Überall werden höhere Ansprüche gestellt: Bessere Bild- und Tonqualität, Ausbau des Digitalfernsehens, mehr Regionalangebote, digital-terrestrisches Radio, HDTV, mobile Angebote», sagte der Chef der europäischen Rundfunkunion und frühere WDR-Intendant Fritz Pleitgen vor einiger Zeit der Wirtschaftswoche. Bei der Liberalisierung der Frequenzen dürfe der Rundfunk nicht abgehängt werden.
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