Das Fernsehen lädt zum Zocken ein
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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Artikel vom 20.08.2009
Im Haifischbecken Gamesbranche wird es immer enger. Nicht nur spezialisierte Publisher und Entwicklerstudios ringen mit Spielen um die Aufmerksamkeit der Kunden. Immer häufiger bauen sich TV-Unternehmen ein Games-Standbein auf.
Vom Zocken hat sie keine Ahnung. Das räumt Sonya Kraus auf der Gamescom freimütig ein. Für Arbeitgeber ProSiebenSat.1 war das weniger von Belang. Hauptsache die Aufmerksamkeit stimmt. Dafür ist Sonya Kraus allemal probates Mittel.
Und genau das will das Medienunternehmen auch: Aufmerksamkeit. Ausnahmsweise nur nicht von den TV-Zuschauern, sondern von den Gamern. Bereits seit einiger Zeit mischt ProSiebenSat.1 beim Kampf um die Spielefans mit. Auf der Plattform SevenGames.de, dort tummeln sich laut eigenen Angaben seit Anfang 2007 monatlich eine halbe Million Spieler, darf fleißig gezockt werden.
Der Medienkonzern plant nun, künftig noch mehr klickbare Unterhaltung anzubieten. Nach 18 Monaten Entwicklungszeit bekommt SevenGames.de eine völlig neue Optik. SevenOne Intermedia, die Multimediatochter von ProSiebenSat.1, plant für die Spieleplattform den Strategiewechsel. Statt in Fremdspielen können sich Gamer in 20 hauseigenen Produktionen - alles Flashgames - tummeln.
Die sollen nicht nur alle Altersgruppen ansprechen, sondern per individueller Avatare auch die Bindung der Nutzer an die Spieleplattform stärken. Ende August startet die Open-Beta der Social-Gaming-Plattform.
ProSiebenSat.1 springt damit auf einen Trend auf, der in der Branche schon seit längerem zu beobachten ist. Gerade weil Online-Spieler hoch kommunikativ sind, sind sie für Medienunternehmen interessant, heißt es seitens des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom). Wer als Spieler einmal hängen bleibt, der bringt über kurz oder lang Freunde mit.
Und das trifft nicht nur auf eingefleischte Gamer zu. «Auch Frauen und ältere Spieler über die kollektive Spielerfahrung erreichbar», sagt Achim Berg, Bitkom-Vizepräsident und Vorsitzender der Geschäftsführung Microsoft Deutschlands. Zudem sind gerade diese Zielgruppen begeistert von kurzen, mobilen Spielen - etwa unterwegs im Bus oder der Straßenbahn. Casual Games, also inhaltlich weniger aufwändige Spiele wie Kreuzworträtsel oder Gehirntrainer, erleichtern den Einstieg der Nicht-Spieler in die Welt der virtuellen Unterhaltung.
Nicht zuletzt deshalb setzt SevenOne Intermedia auf den kostenlosen Einstieg. Trotzdem muss am Ende das Geld stimmen. Und das will das Medienunternehmen über Zusatzangebote einnehmen, wie sie auch von Onlinespiele-Publishern geboten werden. So genannte Power ups (Erweiterungen für einen Spielercharakter) sollen Geld einbringen. Die will SevenOne in Paketen anbieten. Was der Spieler letztlich dafür zahlen soll, steht bislang noch nicht fest.
Zudem zeigt sich am Beispiel ProSiebenSat.1, dass die Medienbranche enger zusammenrückt. Das Unternehmen setzt nicht nur auf Online-Spieler, sondern auch auf die Offline-Spiele. SevenOne Intermedia mischt somit als Publisher im Haifischbecken der Gamesbranche mit. Nach zwei Spielen 2008 sind es in diesem Jahr gleich 23 Titel, die der Konzern den Spielern offeriert.
Die enge Verzahnung mit dem Hauptgeschäft bleibt dabei immer im Blick. «Was zählt sind gute, starke Marken», hieß es bei der eigens organisierten Gamescom-Präsentation. Galileo Mystery, die Topmodels oder das singende TV-Sternchen Jeannette Biedermann sind Zugpferde.
Der geneigte Fan darf sich daher künftig selbst in Anna und die Liebe tummeln, mit Topmodel Gina Lisa virtuell «schoppen gehen, bis die Visitenkarte glüht», wie David More verlauten ließ, oder sich in ein mysteriöses Abenteuer namens Die Krone des Midas stürzen. Der PC und der Handheld Nintendo DS stehen dabei als Spieleplattformen im Mittelpunkt.
Dass ein TV-Unternehmen auf den Spielemarkt drängt, ist inzwischen keine Seltenheit mehr. Die Umsätze, die die Spielebranche einfährt, haben etwas von einer dicken, gehaltvollen Sahnetorte. Und ein möglichst großes Kuchenstück davon will nicht nur ProSiebenSat.1 abbekommen.
Viele Medienunternehmen sind inzwischen auf den Zug aufgesprungen.
Denn mit Games lässt sich eine Zielgruppe erreichen, die bei ihren Unterhaltungsvorlieben launisch sein kann: die 14- bis 29-Jährigen. Mit fernsehorientierten Themen - etwa den Topmodels - kann ProSiebenSat.1 die Zuschauer enger an sich binden. Ähnlich praktiziert es auch die RTL-Gruppe, sie seit einigen Jahren mit Spielen präsent ist, die als TV-Formate durchaus erfolgreich liefen - etwa Alarm für Cobra 11.
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