Mehr als 100 neue Spiele werden auf der Gamescom vorgestellt. Einige davon sind alte Bekannte. News.de spricht mit Jan Sturm von 2k Games über die Strategie «Aus Alt mach Neu», die Rolle der Fans und die Begeisterung für düstere Spielszenarien.
Herr Sturm, die Wirtschaftskrise zeigt sich jetzt auch in der Gamesbranche. Das Umsatzwachstum liegt nur noch bei einem Prozent. Worauf konzentriert sich 2k Games in diesen Zeiten?
Sturm: Um die Zahlen kümmern sich die Kollegen in den USA. Wir schauen in Deutschland vor allem auf die Spiele. Und dazu gehören in der nächsten Zeit Mafia II, Bioshock II und unser neues Spiel Borderlands.
Spiele mit Zahlen im Titel sieht man in der Branche in diesem Jahr öfter. Gehen den Entwicklern und Publishern die Ideen aus?
Sturm: Mit Ideenmangel hat das nichts zu tun. Es ist eher eine Wertschätzung für die Vorgänger. Bioshock und Mafia waren gerade in Deutschland sehr erfolgreich. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung erscheint.
Die Kritik, die unter manchen Spielern laut wird, dass das alles nur Abklatsch sei, ist also nicht berechtigt?
Sturm: Es ist nicht verwerflich, eine erfolgreiche Marke wieder aufzugreifen. Zudem ist gerade der zweite Teil von Bioshock keine Kopie des Vorgängers. Die Geschichte von Rapture (Anm. d. Redaktion: Rapture ist eine verwüstete Stadt und Schauplatz der Handlung) ist noch längst nicht bis zum Schluss erzählt. Zudem zeigt das Spiel, wie es vor der Verwüstung aussah. Außerdem haben die Entwickler zahlreiche Hinweise der Fans bei der Fortsetzung berücksichtigt.
Und was konkret?
Sturm: Unter anderem wird es künftig einen Multiplayermodus geben, den sich viele Spieler gewünscht haben.
Die Strategie, auf die Hinweise der Fans Rücksicht zu nehmen, fahren inzwischen viele Publisher. Wie wichtig wird dieses Element in der Spieleentwicklung künftig sein?
Sturm: Auf die Fans zu hören, ist Pflicht. Sie sind die Spielkäufer. Aber es sind natürlich auch wahnsinnig viele Stimmen, die uns über die Communities erreichen. Letztlich kann man nicht alle Wünsche berücksichtigen.
Und wer entscheidet, was der richtige Weg ist?
Sturm: Das liegt in den Händen der Entwickler. Die haben die Ideen und müssen abwägen, ob eine Idee zum Spielkonzept, zur Geschichte passt. Die Producer reden da auch ein Wörtchen mit, schließlich müssen sie die Spiele auch verkaufen.
Sie sagten, die ersten Teile von Mafia und Bioshock waren gerade in Deutschland beliebt. Beide inszenieren düstere Szenarien. Sind deutsche Spieler düstere Zocker?
Sturm: Das würde ich nicht sagen. Es liegt eher daran, dass Deutschland ein PC-getriebenes Land ist. Und beide Titel waren PC-Spiele. Andererseits war Mafia auch deshalb genial, weil es eine gute Geschichte erzählt hat. Deshalb sind die deutschen Spieler so darin vernarrt.
Wird man das auch von Borderlands sagen können?
Sturm: Hier geht es nicht so sehr um die Geschichte, eher um den Genremix von First-Person-Shooter und Rollenspiel. Das ist übrigens der erste Versuch dieser Art bei 2k Games. Ich glaube, diese Mischung aus individuellen Charakteren, aus dem Levelaufstieg, dem Sammeln von Gegenständen und auch die Vielzahl der Waffen, die gespielt werden können, wird den Geschmack der Zielgruppe, also der Hardcore-Gamer, treffen.
Was hat das neue Spiel noch zu bieten?
Sturm: Neben dem Multiplayermodus, auf den die deutschen Spieler stehen, gibt es die Chance, an jedem Punkt allein weiterzuspielen. Es kann jederzeit aber auch ein Freund dazustoßen und mitzocken.
Eine bequeme Lösung. Wird diese Bequemlichkeit auch beim Zugang zu den Spielen eröffnet? Sprich: Wird es die Spiele auch als Download geben?
Sturm: Online-Distribution wird tatsächlich immer wichtiger. Und bei älteren Titeln oder bei Spielen etwa für das iPhone fahren wir schon die Download-Strategie. Bei großen Spielen, wie den drei genannten bleiben wir vorerst allerdings bei der Strategie, dass man die Spiele im Laden kauft, also die DVD in die Hand nehmen und solche Besonderheiten wie Special-Editions ins Regal stellen kann. Das ist auch eine Form der Wertschätzung für ein Spiel.
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