Teure Handyrechnung Die Tariffallen im Ausland

An Stränden in der EU kein Problem, doch in fernen Regionen sehr teuer: Der Anruf nach Hause. (Foto)
An Stränden in der EU kein Problem, doch in fernen Regionen sehr teuer: Der Anruf nach Hause. Bild: ddp

Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Verzichten auf das Mobiltelefon mag keiner mehr so richtig, auch im Auslandsurlaub nicht. Innerhalb der EU haben neue Regelungen die Kosten eingedämmt. Doch Vorsicht: Wer sich außerhalb der EU erholt, muss weiterhin mit hohen Minutenpreisen rechnen.

Einmal Mailbox abrufen sieben Euro? Durchaus möglich, wenn man in Ägypten Urlaub macht. «Grundsätzlich ist es ratsam, die Mailbox vor dem Urlaub immer auszuschalten», rät Rafaela Möhl vom Onlineportal teltarif.de. «Insgesamt fallen durch die Mailbox drei kostenpflichtige Telefonate an», erklärt die Tarifexpertin.

Das Problem: Die Mailboxtechnologie funktioniert in Deutschland weitgehend kostenlos, woran der Handybesitzer gewöhnt ist. Im Ausland fallen aber Gebühren an, die sich summieren. Die drei Anrufe kommen folgendermaßen zustande: Weil sich die Mailbox einschaltet, muss der Handybesitzer für den verpassten Anruf aus Deutschland zahlen. Für die Umleitung auf die Mailbox, die sich in Deutschland befindet, wird ein ausgehender Anruf abgerechnet. Das Abrufen der Nachricht ist das dritte kostenpflichtige Gespräch. Also selbst, wenn man die Nachricht nicht abruft, muss man für zwei Anrufe bezahlen.

Die Kosten fallen auch innerhalb der EU an, nur sind sie dort weitaus geringer: EU-Verordnungen haben in den vergangenen Jahren die Preise für SMS und Handygespräche gedeckelt. So darf eine SMS maximal 13 Cent kosten, für eingehende Anrufe gilt die Obergrenze von 22 Cent pro Minute, ausgehende Gespräche dürfen nur noch mit 51 Cent in Rechnung gestellt werden.

Achtung: mobiles Internet

Die derzeit akuteste Kostenfalle ist laut Angaben der teltarif-Expertin das mobile Internet. «Durch die EU-Verordnungen sind zwar die Preise für SMS und Handygespräche gedeckelt worden, das mobile Surfen ist jedoch noch nicht reguliert.» Hier würden teilweise Preise von bis zu 20 Euro pro Megabyte verlangt. «Allein das Aufrufen einer Nachrichtenseite mit vielen Bildern kann schon ein bis zwei Megabyte an Daten verbrauchen», warnt Möhl. Wer dennoch nicht auf das mobile Internet im Ausland verzichten möchte, sollte sich unbedingt über seine Vertragsmodalitäten erkundigen.

Außerdem sei es ratsam, nur auf handyoptimierten Seiten zu surfen und keine E-Mails mit großen Bildern zu senden. Leider eröffnen die Sonderpakete der Mobilfunkanbieter keine großen Sparpotenziale: Für täglich 15 Euro könne man bei den meisten Betreibern ein Guthaben von 50 Megabyte erwerben. «Besser ist es, sich in einen WLAN-Hotspot einzuwählen - die gibt es in Hotels, Flughäfen oder an öffentlichen Plätzen», so die Tarifexpertin. Ansonsten bleibe immer noch die Möglichkeit, in ein Internetcafé zu gehen.

SMS ist am günstigsten

«Wer nur kurz Bescheid sagen will, dass er gut angekommen ist, sollte das per SMS tun», rät die Tarifexpertin Mühl. Innerhalb der EU koste das 13 Cent, außerhalb ab 39 Cent aufwärts. «Das ist jedoch immer noch vergleichsweise günstig, bedenkt man, dass eine Gesprächsminute einen Euro und mehr kosten kann», so Mühl.

Zwar böten die Netzbetreiber Auslandspakete an, jedoch müsse man hier im Voraus ein Kontingent kaufen. «Bei T-Mobile bekommt man zum Beispiel für 10 Euro 30 Exklusivminuten. Dennoch sollte man genau überlegen, ob sich das lohnt», rät Mühl. Denn werden die Minuten nicht aufgebraucht, verfallen sie.

Alternativ besteht natürlich noch die Möglichkeit, sich eine ausländische Prepaidkarte zu organisieren. «Das lohnt sich jedoch nur, wenn man viel telefoniert und häufiger das Land bereist», sagt die teltarif-Sprecherin. So muss man zunächst für die Karte zahlen, dann einen Mindestbetrag aufladen, der irgendwann verfällt, wenn er nicht aufgebraucht wird.


Weiterführende Links:

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Günstige Tarife im Vergleich: So wird mobiles Internet richtig billig
Mehr Wettbewerb: Telefonieren ist billiger geworden
Verbraucherschutz: Abo-Abzocke beim SMS-Versand im Web
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Aus dem Netz:

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sgo/news.de

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