Games Convention Online Eine Freundschaft in der Virtual Reality

Es ist das gemeinsame Zocken, dass hinter Monitoren und unter dicken Kopfhörern begeistert. (Foto)
Es ist das gemeinsame Zocken, dass hinter Monitoren und unter dicken Kopfhörern begeistert. Bild: news.de

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Die Games Convention Online widmet sich nicht nur den Onlinespielen, sondern auch ihren Spielern. Ein großes Community-Event soll es werden, auf dem sich Clans und Gilden tummeln. Doch was sind das für Menschen, die hinter diesen Zusammenschlüssen stecken?

Für Nichtspieler mag es seltsam anmuten, wenn junge Menschen sich vor ihren Bildschirmen und unter dicken Kopfhörern verkrümeln, statt sich auf dem Fußballplatz zu tummeln. Die wenigsten können sich vorstellen, dass daraus bisweilen auch dicke Freundschaften entstehen.

Es ist die Gemeinschaft Gleichgesinnter, die soziale Beziehungen auf eine virtuelle Ebene verlagert - hinein in Gilden und Clans, eine Art digitale Clubs. «Bei uns steckt dahinter allerdings keine virtuelle Freundschaft. Angefangen hat unser Gildenleben mit einer ganz realen Freundschaft und dabei ist es auch geblieben», verrät Phyjack. Hinter dem Spitznamen steckt Philipp Schmidt, 23 Jahre jung, Student und Mitglied der Gilde «die lustige bande» (dlb).

«Unsere Freundschaft nutzt einfach eine andere Ebene, die elektronische. Und über die Zeit sind neue Freunde hinzugekommen, zunächst digital und dann auch außerhalb der eigenen vier Wände», verrät der Gamer.

Mittlerweile ist das Team viele Jahre spielend unterwegs. «Früher haben wir in der gleichen Stadt, ja sogar im gleichen Haus gewohnt. Heute sind wir über ganz Deutschland verstreut», wirft Gildenbruder Tobias «Desperado» Proß ein. Auch der 24-jährige ist Student und Mitglied der ersten Gildenstunde.

Angefangen hat es mit dem Strategiespiel StarCraft. «Das haben wir anfangs nur gegen Computergegner gespielt, dann auch gegeneinander und schließlich im Internet», erzählt Desperado. Zu der Zeit hätten sie aber nicht mehr im gleichen Haus gewohnt. «Das hat dann zur virtuellen Gemeinschaft geführt und dem Gedanken, wenn wir uns über ein Audiokommunikationsprogramm unterhalten können, sind wir besser als unsere Gegner.»

Und mit der Entfernung zueinander sei so die Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben, gewachsen. Die Chance, beim Spielen miteinander reden zu können, sei ohnehin das wichtigste. «Wenn ich im Spiel weiß, dahinten läuft mein Kumpel, macht das nur halb soviel Spaß, als ihm zurufen zu können, dass uns ein Gegner von einem Leuchtturm aus ins Visier genommen hat», erklärt Proß.

Es sei wie telefonieren, nur irgendwie näher. «Rumbrüllen tue ich deswegen nicht weniger, als wenn die Jungs neben mir säßen und etwas schief läuft», witzelt Phyjack. «Aber es gibt bei uns im Teamspeak auch ein Etikette und die halten wir alle ein.» Trotzdem sei es ein gewisser Reiz am Spiel, sich auch mal zu raufen. «Klar ärgert sich der am anderen Ende der Leitung mal, wenn man selbst schneller ist. Aber deswegen bekriegen wir uns online nicht mehr, als bei einer Runde Mensch ärgere dich nicht

Doch «die lustige bande» ist nur ein Beispiel. Gilden und Clans lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Deren Zusammensetzung ist weitaus heterogener als sich mancher Nichtspieler vorstellen kann. Einige der Onlinegemeinschaften haben mehrere hundert Mitglieder, sind straff organisiert und treffen sich immer zu festgelegten Zeiten in ihren Spielen. «Wir sind aber kein generalstabsmäßig organisierten Clan», betont Desperado. «Bei uns kommt jeder online, wenn er Zeit hat.»

So kommt es, dass «die lustige bande» mal ein paar Wochen gar nicht zusammentrifft und dann wieder sechs bis sieben Stunden hinter ihren Rechnern hängt. «Aber vor allem achten wir darauf, uns möglichst oft real zu treffen. Denn vorrangig sind wir auf dieser Ebene befreundet», betont Phyjack. Und deshalb versuchen die Gamer, sich im realen Leben so oft wie möglich zu treffen – manchmal sogar, um Brettspiele zu spielen. «Das ist aber gar nicht so leicht, wenn man zwischen Berlin und Stuttgart verstreut ist. Die Fahrtkosten sind heftig», klärt Proß auf.

Andererseits unterscheidet sich die Gamergruppe auch in der Spielauswahl. «Manche spielen eines, vielleicht zwei Spiele. Es gibt beispielsweise reine World of Warcraft-Gilden oder Counterstrike-Clans. Bei uns ist die Auswahl durchaus größer. Mal Fantasy, mal Shooter, mal Strategie, eben alles was einen gewissen Teamreiz bietet.» Nur Sportspiele nicht. «Die sind bei uns ein wenig verpönt», meint Proß grinsend. «Da könnte ich auch gleich auf den Fußballplatz gehen.»

Auch wenn sie mal ein bisschen länger zocken, vom häufig gemachten Vorwurf, Videospiele machten süchtig, sind die Clanmitglieder weit entfernt. Mit ihrer Arbeit oder dem Studium seien sie genug beschäftigt. Zudem wisse jeder, was beim anderen privat gerade anliegt. So achtet jeder auf den anderen: «Da ist unsere Gemeinschaft kein Handicap, sondern eher ein echter Bonus», meint Schmidt.

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fme/news.de

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