Amazon löscht heimlich Bücher
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Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach
Artikel vom 21.07.2009Datenschützer reiben sich die Augen: Amazon hat sich ungefragt Zugriff auf einige Lesegeräte seiner Kunden verschafft, um zwei Bücher zu löschen. Zwar erhielten die Kindle-Besitzer ihr Geld zurück, doch der Eingriff in die Privatsphäre bleibt.
US-amerikanische Kindle-Besitzer, die vergangenen Donnerstag ihre George-Orwell-Lektüre fortsetzen wollten, wurden böse überrascht. Die Texte waren nicht mehr auf ihrem Lesegerät zu finden - Amazon hatte sie ohne nachzufragen gelöscht. In einer E-Mail wies der Buchhändler kurz darauf hin, dass eine Rückerstattung für die betroffenen Werke gebucht wurde.
Wie das Wall Street Journal berichtet, handelte es sich dabei um die Klassiker Farm der Tiere und den Zukunftsroman 1984. Laut Amazon gab es ein Problem mit den digitalen Rechten: Die Bücher seien von einem Drittunternehmen gekommen. Wie sich nun herausstellte, hatte der Anbieter gar nicht die US-Rechte an den Werken.
Eine absichtliche Täuschung habe wohl nicht vorgelegen, sondern eher ein Missverständnis. Das Urheberrecht, welches den Autoren oder deren Erben die Einnahmen sichert, unterscheidet sich von Land zu Land. Vor allem geht es dabei um die Länge des Schutzes: In Deutschland erlischt das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers. In den USA ist dies ähnlich, allerdings spielen hier noch das Veröffentlichungsdatum und der Zeitpunkt, wann die Rechte eingetragen wurden, eine Rolle.
Wenig Verständnis für dieses Rechtegezerre zeigten die betroffenen Amazonkunden. Zwar erhielten sie ihr Geld zurück, doch die Empörung über Amazons Vorgehen, ungefragt auf ihre privaten Geräte zuzugreifen und Daten zu löschen, war groß. Möglich wurde der Zugriff durch die Funkverbindung, über die Kindle-Besitzer ihre Bücher oder Zeitungen bei Amazon kaufen.
Amazon hat gegenüber dem Wirtschaftsblatt angekündigt, die Abläufe neu zu strukturieren, damit derartige Löschungen nicht mehr vorkommen. Ein klares Nein zu weiteren Löschungen gab der Konzern jedoch nicht. Damit hat Amazon bereits das zweite Mal Ärger mit dem Kindle, nachdem die Vorleserfunktion im März eingeschränkt wurde.
Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen. Amazon-Rivale Sony meldete sich zu Wort und wies ausdrücklich darauf hin, dass die Bücher auf ihrem Reader nicht gelöscht werden. Dabei verschwieg der Rivale aus Japan allerdings, dass der externe Zugriff auf sein Lesegerät deutlich schwieriger ist. Denn der Reader ist nicht über ein Handynetz mit dem Sony-Bücherladen verbunden, sondern muss über althergebrachte Art an den Computer gestöpselt werden.
Weiterführende Links:
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