Google greift Windows an
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Von Christoph Dernbach
Artikel vom 08.07.2009Die Giganten prallen einmal mehr frontal aufeinander. Während Microsoft seine vom PC ins Internet drängt, stürmt Google mit aller Kraft aus dem Netz auf den Heim-PC. Was das Google-Betriebssystem Chrome OS kann, erklärt news.de.
Das Versprechen von Google klingt verlockend: Internet-Anwender sollen künftig nach dem Einschalten des Computers sofort auf ihre E-Mails zugreifen oder im Web surfen können, ohne erst minutenlang darauf zu warten, dass der Rechner vollständig hochgefahren ist.
Um die Abwehr von Angriffen durch Computerviren oder anderen Attacken sollen sich die PC-Nutzer künftig auch nicht mehr kümmern müssen, wenn sie das Betriebssystem Google Chrome OS statt Windows verwenden. Mit der Ankündigung der neuen Systemsoftware greift der Suchmaschinengigant erstmals das Kerngeschäft seines Konkurrenten Microsoft direkt an.
Das neue Google-Betriebssystem soll von der zweiten Jahreshälfte 2010 an zunächst auf Netbooks zum Einsatz kommen. Es baut auf dem Webbrowser Chrome auf, der laut Google derzeit von mehr als 30 Millionen Menschen regelmäßig genutzt wird, um sich im Internet zu bewegen. 30 Millionen - das klingt viel. Aber mit einem niedrigen einstelligen Marktanteil weltweit liegt Chrome im Wettstreit gegen den Internet Explorer, Firefox und den Safari von Apple weit abgeschlagen zurück.
Gleichwohl glauben manche Beobachter, dass Google die Strukturen der PC-Industrie durcheinanderbringen kann. «Es besteht die Möglichkeit, dass das neue Betriebssystem das Paradigma brechen kann, das Microsoft und Intel in den vergangenen 20 Jahren geschaffen haben», sagte Yukihiko Shimada, Analyst von Mitsubishi UFJ Securities in Tokio. Der Experte spielt darauf an, dass sich Windows von Microsoft und die Mikroprozessoren von Intel seit den 80er Jahren als Quasistandard in der Computerbranche durchgesetzt haben. «Es gibt viele Geschäftsmöglichkeiten für Google in diesem Markt.»
Google wird bei seiner Attacke auf Microsoft aber nicht auf einen unflexiblen und innovationsfeindlichen Widersacher stoßen, wie der Softwaregigant von manchen Akteuren im kalifornischen Silicon Valley eingeschätzt wird. Seit dem Amtsantritt von Ray Ozzie als Nachfolger von Chief Software Architect Bill Gates hat sich bei Microsoft einiges verändert. Das kann man auch am neuen Microsoftbetriebssystem Windows 7 sehen. Es hat schon in der Vorabversion im Gegensatz zum aufgeblasenen Vorgänger Windows Vista gute Noten in den Testberichten erhalten.
Punkten konnte Google dagegen in den vergangenen Monaten im Mobilfunkbereich mit seinem Spezialsystem Android, das inzwischen von mehreren Smartphoneherstellern erfolgreich eingesetzt wird. Die Microsoftpartner im Mobilfunkmarkt plagen sich dagegen noch immer mit einem inzwischen technisch überholten Windowssystem herum. Und der von Microsoftchef Steve Ballmer mehrfach versprochene Neuanfang mit Windows Mobile 7 lässt noch immer auf sich warten.
Google greift beim Chrome OS ein Erfolgsrezept von Android auf und veröffentlicht die Software ebenfalls als Open Source. Damit entfallen die Lizenzgebühren für die PC-Hersteller und Microsoft wird in seinen Preisverhandlungen mit den Hardwarepartnern weiter unter Druck gesetzt - denn Windows ist nicht kostenlos zu haben. Außerdem haben die PC-Produzenten die Möglichkeit, das Googlesystem frei nach ihren Vorstellungen anzupassen und zu erweitern. Das ist bei Windows nur bedingt möglich.
Da der Marktstart von Google Chrome OS erst in einem Jahr ansteht, hat Microsoft nun noch viel Zeit, sich auf den neuen Konkurrenten einzustellen. Mit dem Marktstart von Windows 7 am 22. Oktober und anderen Produkteinführungen gibt es für Microsoft in den kommenden Monaten etliche Anlässe, die Aufmerksamkeit der Kunden auf eigene Produkte zu lenken.
Es wird auch kein Zufall gewesen sein, dass Microsoft einen Tag vor der Ankündigung von Google Chrome OS in den USA die Gerüchte streuen ließ, dass Softwareentwickler in der Microsoftzentrale in Redmond an einem ganz neuartigen Browser mit dem Codenamen Gazelle arbeiten, der etliche Funktionen eines Betriebssystems übernehmen könne.
Weiterführende Links:
Kommentar zum Google-Betriebssystem: Kampf gegen die Windowsmühlen
Angriff auf Microsoft: Google kündigt Betriebssystem an