25.09.2019, 14.26 Uhr

Uli Hoeneß: Bayern-Präsident rudert nach DFB-Boykott-Drohung zurück

Die Torwartdebatte um Manuel Neuer und Marc ter Stegen wird durch eine neue Enthüllung weiter aufgeputscht. Denn bei Uli Hoeneß' Kritik gegenüber Medien blieb es nicht. Abseits des Spielfelds soll der Bayern-Präsident mit einem Boykott gedroht haben.

Uli Hoeneß tobte gegen Jogi Löws Torwart-Frage. Bild: picture alliance/Marc Müller/dpa

Die Torwartdebatte beim DFB um Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen geht in die nächste Runde. Nach Uli Hoeneß Kritik an Jogi Löw, hat "Sport Bild" jetzt enthüllt, dass der Bayern-Präsident dem DFB sogar mit Boykott droht.

Uli Hoeneß: "Keine Nationalspieler mehr abstellen"

Uli Hoeneß (67) drohte dem DFB hinter den Kulissen, keine Bayern-Spieler mehr aufzustellen, wenn Marc ter Stegen im Tor der deutschen Nationalmannschaft stehen wird. "Bevor das stattfindet, werden wir keine Nationalspieler mehr abstellen", zitiert ihn "Sport Bild". Die Bayern müssten im Boykott-Fall alle Spieler krankmelden. Sollten die Atteste einer Überprüfung nicht standhalten, würden bei einer Eskalation des Konflikts Strafen bis hin zu Spielersperren drohen.

Auf die Frage, ob ihn die Situation zwischen Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen an die Ablösung des damaligen Stammtorwarts Oliver Kahn vor der WM 2006 durch Jens Lehmann erinnere, antwortete Hoeneß nach Angaben des Magazins in der Vorwoche: "Nein. Aber wir werden das nie akzeptieren, dass hier ein Wechsel stattfindet."

Die Drohung von Uli Hoeneß scheint seine Wut gegenüber Jogi Löw noch nicht gedämpft zu haben. Ein klärendes Gespräch über die Situation und die Torwart-Frage steht offenbar momentan nicht an. "Der wird jetzt schon hören, was wir alles gesagt haben, dem werden schon die Ohren klingeln."

Wie realistisch ist ein DFB-Boykott?

Hoeneß schildert damit ein auf den ersten Blick spektakuläres Szenario. Allerdings müsste der deutsche Rekordmeister bewusst gegen die vom Weltverband FIFA verordnete Abstellungspflicht für Nationalspieler in den Länderspielpausen verstoßen. Rein theoretisch müssten die Bayern im Boykott-Fall alle Spieler krankmelden. Sollten die Atteste einer Überprüfung nicht standhalten, würden bei einer Eskalation des Konflikts Strafen bis hin zu Spielersperren drohen.

Fraglich ist sowieso, ob die Stars überhaupt mitmachen würden. Die sportlichen Erfolge im Nationalteam sind den aktuellen Leistungsträgern Neuer, Niklas Süle, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Joshua Kimmich persönlich wichtig. Dazu geht es um Ansehen und Marktwert.

Dass der Wert der Spieler gerade durch Auswahleinsätze gesteigert werden, betont auch der Verband gerne. Der DFB wollte sich am Mittwoch nicht zu den nächsten Hoeneß-Aussagen äußern. Diese sollen beim Verband aber mit Unverständnis und Kopfschütteln aufgenommen worden sein.

Hoeneß relativiert Aussagen: Würde es "heute nicht mehr so machen"

Mittlerweile hat Hoeneß seine Boykott-Drohung im Zuge des Torwart-Streits relativiert. Es seien Aussagen gewesen, "die er mit etwas Abstand heute nicht mehr so machen würde", ließ der 67-Jährige am Mittwoch auf Anfrage mehrerer Medien, darunter "Spiegel Online" und RTL, über sein Büro mitteilen. "Das Thema ist für ihn längst erledigt und es gibt dazu auch keine weiteren Aussagen von ihm." Hoeneß bestätigte den Wortlaut. Ein Boykott wäre aber ohnehin aussichtslos, der FC Bayern müsste gegen die FIFA-Statuten verstoßen.

Was sagt Bundestrainer Jogi Löw zum Boykott?

Und wie äußert sich Jogi Löw zu der Hoeneß-Kritik? Die aufgeregte Debatte um das Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft lässt Bundestrainer Joachim Löw kalt. "Von so was lasse ich mich nicht beeinflussen. Das lässt mich völlig entspannt in die Zukunft blicken", sagte der 59-Jährige der "Bild am Sonntag". Für die DFB-Auswahl geht es am 9. Oktober mit einem Freundschaftsspiel gegen Argentinien weiter, am 13. Oktober steht die nächste Partie in der EM-Qualifikation in Estland an.

Löw, der am Wochenende beim 1:1 des Freiburg gegen den FC Augsburg weilte, wird seine persönliche T-Frage ungeachtet der Diskussion um DFB-Kapitän Manuel Neuer vom FC Bayern und dessen Stellvertreter Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona beantworten. Ter Stegen hatte sich über seine Reservistenrolle beklagt. Neuer kritisierte die Äußerungen seines Nationalelf-Kollegen, ter Stegen wiederum fand dies "unpassend".

Keine neue Kritik von Uli Hoeneß

Nachdem die Diskussion nach dem verbalen Rundumschlag von Uli Hoeneß noch mehr Tempo aufgenommen hatte, äußerte sich der Bayern-Präsident am Wochenende nicht weiter. Sein Bedarf sei erstmal wieder "für eine Zeit lang gedeckt", sagte der 67-Jährige. Wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge beklagte er mangelnde Rückendeckung für Neuer bei der deutschen Auswahl, was DFB-Direktor Oliver Bierhoff schon zurückgewiesen hatte.

Joshua Kimmich zu Torwart-Debatte um Manuel Neuer und Marc ter Stegen

Neuers Club- und DFB-Kollege Joshua Kimmich sieht die Rückendeckung für den Bayern-Torhüter im Nationalteam ebenfalls als gegeben an. Löw habe in einer schwierigen Phase zum lange verletzten Neuer gehalten und diesen bei der WM 2018 ins Tor gestellt, erinnerte Kimmich im ZDF-Sportstudio.

"Er ist aus DFB-Sicht ganz klar die unangefochtene Nummer eins", sagte der 24-Jährige. "So wie Manu momentan hält, gibt es keine Frage, wer im Tor steht. Er ist zurecht die Nummer 1, obwohl der Marc auch über Jahre hinweg Weltklasseleistungen gebracht hat." Kimmich störten die Aussagen von Barcelona-Keeper ter Stegen nicht. "Das, was der Marc gesagt hat, war ja jetzt nichts Schlimmes. Er hat ja nicht den Manu angegriffen", sagte der Defensivspieler. "Er hat nur gesagt, dass er enttäuscht ist. Natürlich kann ich das verstehen."

Manuel Neuer: "Das sind meine Aufgaben und nicht das andere"

An Neuers Einschätzung hat auch das wortgewaltige Hoeneß-Plädoyer nichts geändert. "Für mich ist es eh durch gewesen", sagte der 33-Jährige am Samstag. "Ich habe ja andere Aufgaben. Ich muss mich um mein Spiel kümmern, um die Trainingsarbeit, um die Vorbereitung auf Belgrad, um die Vorbereitung auf Köln. Das sind meine Aufgaben und nicht das andere."

Ob es ein Gespräch mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff gegeben hatte, ließ der Bayern-Torhüter offen. "Nichts, was für die Öffentlichkeit ist", sagte er. Sportdirektor Hasan Salihamidzic berichtete derweil von einem "sehr guten" Gespräch mit Bierhoff. "Die Inhalte bleiben unter uns beiden", sagte Salihamidzic bei Sky.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook und YouTube? Hier finden Sie brandheiße News, aktuelle Videos, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

bos/kum/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser