Von news.de-Redakteur Jan Ludwig - 09.07.2019, 19.56 Uhr

Michael Schumacher: Die filmreife Karriere der Formel-1-Legende

Der Name Michael Schumacher ist ein Synonym für die Formel 1. Der Nordrhein-Westfale war eine der ersten Größen im Sport, dessen Aufstieg in der Formel 1 das damals frisch wiedervereinigte Deutschland beobachten konnte. Doch die Erfolgsgeschichte des außergewöhnlichen Spitzenfahrers Schumi schrieb sich nicht über Nacht.

So kannten und liebten die Fans ihren Michael Schumacher. Bild: imago images/imaginechina/spot on news

1973 fand Schumacher zum Rennsport. Damals war er noch unendlich weit von den roten Rennmaschinen entfernt, die später nicht mehr von ihm wegzudenken sein sollten. Mit vier Jahren jedoch stand ihm die Kartbahn offen.

Michael Schumacher: Mit Schweiß und Blut und Vatis Hilfe

Der Eigenbau den er mit seinem Vater konstruiert hatte, konnte dort auf der Kartbahn getestet werden und das Gespann aus Vater und Sohn verbesserten das Gefährt weiter, das lange Zeit auf der Basis eines Kettcars mit einem 5-PS-Mofamotor funktionierte. Auch der weitere Werdegang Michael Schumachers liest sich wie eine Underdog-Story.

Schumi war jüngster Kartfahrer Deutschlands

Im vollen Bewusstsein über die technische Unterlegenheit seines Eigenbaus intensivierte Schumi sein Training. So fuhr er auch bei ungeeignetem Wetter seine Runden und verbesserte seine Kontrolle über das Gefährt immer weiter. Schnell begann er Rennen zu gewinnen und bald war er als der jüngste Kartfahrer der Bundesrepublik bekannt. Auch der Umzug des Vereins bietet der Familie Schumacher eine Chance und Michael die Möglichkeit sein Hobby zu vertiefen.

Schumachers Eltern brachten jedes Opfer für seinen Erfolg

Die Eltern förderten Ihren Sohn, so gut es ging, und taten alles Menschenmögliche, um ihrem Sohn die Rennsportkarriere zu ermöglichen. Doch trotz der Position des Platzwarts, die sein Vater am neuen Standort einnehmen konnte, und der Möglichkeit für die Mutter, die Gastronomie an der Rennstrecke zu leiten, brauchte es finanzstarke Sponsoren. Der erste Unterstützer dieser Art war ein lokaler Karthändler, der die Siege Schumachers als willkommene Werbung sah. Er rüstete Schumi, wie Michael Schumacher später liebevoll von seinen Fans genannt werden sollte, mit seinem ersten regelkonformen Rennkart aus.

Schon in dieser Zeit trifft Michael Schumacher auf Rivalen, mit denen er sich auch später in den höheren Leistungsklassen messen soll. So lernt er auf der Kartbahn zum ersten Mal auf Heinz-Harald Frentzen, Mika Häkkinen und Nick Heidfeld kennen. Später zeigte sich auch, dass Schumi seiner ersten Liebe, dem Kartrennen, nie ganz Lebwohl sagen konnte und sich im Laufe seiner Karriere immer wieder zu Rennen anmeldete.

Der Aufstieg bis an die Formel-1-Spitze

Nach den Erfolgen beim Kartrennen stieg Schumacher 1987 in die Formel König auf. Danach wurde er Vizemeister in der Formel Ford und stieg in die Formel 3 auf. Dort belegte er mit Heinz-Harald Frenzen punktgleich den zweiten Platz. Es dauerte bis 1991, dass Schumi eine Chance bekommen sollte, sich in einem Formel-1-Wagen zu beweisen. Grund dafür war eine Gefängnisstrafe, die der damalige Formel-1-Pilot Bertrand Gachot verbüßte, weil er einen Taxifahrer im Streit mit Pfefferspray attackiert hatte.

Dies war der Startschuss für Schumachers Karriere, zuerst startete er zwar für das Jordan-Team. Nach nur einem Rennen in Spa-Francorchamps wechselte er zu Benetton. Der Einstieg in das Team war allerdings mit verschiedenen juristischen Hürden gespickt. So wollte einerseits sein altes Team nicht, dass er für die Konkurrenz startet, und auch der Fahrer, den Schumi ersetzen sollte, Roberto Moreno wehrte sich gerichtlich gegen die Entscheidung. Erst wenige Minuten vor dem Trainingsstart zum Großen Preis von Italien erklärte ein Gericht, dass Schumi für Benetton starten darf und Moreno verzichtete, nachdem er eine Abfindung einstreichen konnte.

Trotz dieser Verhinderungen konnte Schumacher 1991 erfolgreich in seinen ersten Grad Prix starten und erlangte seine ersten WM-Punkte als Fünfter im Rennen. Bereits im darauf folgenden Jahr erreichte Schumi den dritten Platz in der Fahrergesamtwertung. Es sollte noch bis 1994 dauern, dass in der Formel 1 die Ära Schumacher anbrechen sollte.

Schumachers Wechsel zu Ferrari mit Hürden

Nachdem Schumi 1994 seinen ersten Weltmeistertitel mit dem Team Benetton gewonnen hatte, sollte der Wechsel zu Ferrari stattfinden. Trotz strengen Geheimhaltung hatte Schumis Manager Wind davon bekommen, dass es einen bemerkenswerten Gehaltsunterschied zwischen den Fahrern gab. Mit diesem Druckmittel konnte er die Dauer des Dreijahresvertrag halbieren und den Weg zu Ferrari ebenen. Trotzdem gewann Schumi auch 1995 die Weltmeisterschaft für Team Benetton. In einer selten gesehenen sportlichen Geste applaudierte sein Erzrivale Damon Hill, der für dieses Rennen ausgefallen war.

Die folgende Saison 1996 begann Schumi seinen Vertrag bei Ferarri. Zwar fuhr er nicht sofort einen weiteren Weltmeistertitel ein, konnte aber für Ferrari die besten Ergebnisse seit 1990 einfahren. Die Erwartungen waren groß, so sagte der Ferrari-Chef einmal, dass Ferrari entweder mit Schumacher oder nie wieder Weltmeister würde. In der Saison schafften es Damon Hill und Teamkollege Jacques Villeneuve vor ihm aufs Podest.

1997 schied Schumacher nach einer erfolgreichen Saison vorzeitig aus. Er hatte beim Großen Preis von Europa einen Zusammenstoß provoziert und wurde wegen Unsportlichkeit ausgeschlossen. Im darauffolgenden Jahr konnte Schumi jedoch den Titel des Vize-Weltmeisters für sich beanspruchen.

Mit über 100 Sachen ins Aus

1999 kam es dann zu einem dramatischen technischen Fehler. Beim Großen Preis von Großbritannien versagt die Bremsen am Ferrari. Die Überwachungsgeräte in der Box zeigten eine Geschwindigkeit von 107 km/h an, kurz bevor Schumi in die aufgetürmten Reifen fuhr, die die Rennstrecke begrenzen. Die Verletzungsunterbrechung wegen einem gebrochenen rechten Unterschenkel dauerte sechs Rennen an.

Bei seinem Comeback glänzte Schumi wieder. Aber trotz hervorragender Fahrleistungen reichte es in diesem Jahr bei Ferrari nur für den Titel in der Konstrukteursmeisterschaft. Diesen hatte der Rennstall damals seit 16 Jahren nicht mehr errungen.

Schumi ist nicht zu stoppen

Mit einer spannenden Saison 2000 fährt Michael Schumacher den ersten Sieg in einer Reihe von Erfolgen. Die Umstellung der Reifen auf Bridgestone verbesserte die Konkurrenzfähigkeit bei Ferrari weiter. Dadurch kann Schumi seinen dritten Weltmeistertitel sichern und mit Teamkollegen Rubens Barrichello den Sieg für Ferrari einheimsen.

Der Einstieg in die Saison 2001 begannt mit einem Schock. Im Training brach bei 280 km/h das Heck seines Fahrzeugs aus und er überschlug sich zweimal. Wie durch ein Wunder blieb er dabei unverletzt. Als wäre er von dem Erlebnis angestachelt, ist er bereits fünf Rennen vor dem Ende der Saison unangefochtener Weltmeister. Sein Punktevorsprung nicht mehr einzuholen.

Bei der Siegerehrung Trauer tragen

Auch in der folgenden Saison ist das Team Ferrari kaum zu schlagen. Doch beim Grand Prix von Österreich muss Barrichello Schumacher aus punktstrategischen Gründen vorbeilassen. Bei der Siegerehrung zeigt sich Schumacher ganz als Sportsmann und drängt seinen Kollegen auf das Podest und würdigt dessen bessere Leistung. Die ganze Situation entwickelte sich zum handfesten Skandal, als Ferrari zu einer hohen Geldstrafe wegen verurteilt wurde, da Schumi Barrichello den ersten Platz frei machte. Für viele Beobachter fühlte sich die Situation nach einer Strafe für die gegebene Team-Order an. Trotzdem verlief die Saison insgesamt blendend für Schumi und Ferrari. Wieder hatte der Formel-1-Star sechs Rennen vor Saisonende einen Vorsprung der ihm den WM-Titel vorzeitig sicherte.

2003 sollte für die Familie Schumacher eines der schwersten Jahre werden. Nicht nur sorgten Pannen und Fehler zum Saisonbeginn für einen Rückstand von 18 Punkten in der Gesamtwertung. Den Großen Preis von San Marino gewann er wieder, doch sollte das Rennen vom Tod seiner Mutter Elisabeth Schumacher überschattet werden. Auf dem Siegerpodest trug er am Ärmel seines Piloten-Overalls ein schwarzes Trauerband und konnte keine echte Freude zeigen.

Mit Ach und Krach zum Titel

Nach der Trauerphase sahen die Fans Schumi zu gewohnter Größe aufsteigen. Beim Grand Prix in Österreich konnte ihn nicht mal ein Feuer, das in seinem Fahrzeug bei einem Boxenstopp ausbrach, aus der Ruhe bringen. Das Feuer wurde gelöscht, die defekte Tankdichtung gewechselt und Schumi konnte einen weiteren Sieg einfahren. Doch einfach sollte der Weg zum sechsten WM-Titel nicht werden und zwischendurch lies Ferrari die gewohnte Fahrqualität vermissen.

So wurde Schumacher in Ungarn von seinem Konkurrenten Fernando Alonso überrundet. Beim Saisonfinale startete er nur an 14. Position und konnte das Rennen mit einem Platten als Achter beenden. Diese Poirtionierung reichte gerade so für einen Punkt Vorsprung und den Sieg. Mit diesem Titel wurde Michael Schumacher zum erfolgreichsten Rennfahrer der Formel-1-Geschichte.

Schumi selbst sah seinen Erfolg eher kritisch. Er sei es gewöhnt durch Siege und nicht durch knappe Punktentscheidungen zum Gewinner gekürt zu werden. Ein solcher Sieg verursache bei ihm gemischte Gefühle. Den Titel als erfolgreichster Fahrer ,den er mit dem sechsten Titel eingefahren hat, soll ihm aber so schnell niemand streitig machen.

Das Ende der Ära Schumacher

2005 sollte die Siegesserie von Schumi im roten Ferrari vorerst enden. In der gesamten Saison schaffe es weder Schumi noch das Team Ferrari sich durchzusetzen. Im Rückblick werden meistens die Reifen als ursächlich angegeben, die im Verlauf des Rennens stark abnutzten und so die Fahrleistung litt. In beinahe jedem Rennen wurde sichtbar, dass die Reifen nicht schnell genug die optimale Temperatur erreichten, um in schnellen Kurven ausreichend Bodenhaftung zu gewähren.

Besonders auf kurzen Strecken war das Team Ferrari also im Sprint unterlegen. Aber auch bei lange andauernden Rennen zeigte sich das Nachlassen der Reifen. So auch auf dem Hockenheimring in Deutschland. Hier wurde Schumi von einer stabilen zweiten Position bis auf den fünften Platz durchgereicht, da er in den Kurven stärker abbremsen musste, um nicht aus der Kurve geschleudert zu werden.

So ging der Titel des Weltmeisters 2005 nicht an Michael Schumacher und das Team Ferrari, sondern Fernado Alonso steht mit seinem Team Renault oben auf dem Siegertreppchen. Mit 24 Jahren wird der Spanier der jüngste Formel-1-Meister der Geschichte und setzt der Siegesserie von Schumi damit nach sechs Weltmeistertiteln ein Ende. Im darauffolgenden Jahr sollte dann die Rascasse-Affäre über Schumacher hereinbrechen.

Schumacher sei ein Drecksack

Ein weiterer Schattenfleck in Schumachers Karriere entstand 2006. Zum Schluss eines Qualifikationsrennens verlor er augenscheinlich kurz die Kontrolle und kam so zum Stehen, dass die gelbe Fahne (Überholverbot/ Gefahr) geschwenkt werden musste. Beobachter und Konkurrenten kritisierten den Vorfall scharf. Die Begründung Schumachers wirkte auf alle Beteiligten sehr fadenscheinig.

Sein Gegner Rosberg bezeichnete Schumacher als Drecksack und forderte sogar den Rücktritt aus der Formel 1, der Schumi mit der Aktion großen Schaden zugefügt hätte. Ähnlich sahen es auch die Rennrichter, die nach mehreren Stunden Beratung zu dem Schluss kamen, dass es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt hat. Als Strafe musste Schumi die Pole-Position aufgeben und wurde ans Ende des Startfeldes gestellt. Schumacher beteuerte stets seine Unschuld in dem Fall und entschuldigte sich bei allen.

Das Ende einer Legende?

Während seiner Karriere war die Frage auf den Rücktritt Schumachers immer mit einem schnellen und klaren "Nein" beantwortet worden. Der Ton änderte sich 2006 und im September verkündete er auf einer Pressekonferenz nach seinem 90. Grand-Prix-Sieg seinen Rücktritt zum Ende der Saison 2006.

Als Grund gab er an, dass er nicht sicher sei, ob er in Zukunft noch die nötige Kraft und Energie für den Sport mitbringe. Außerdem wartete schon der aussichtsreiche Nachwuchs, dem der erfahrene Rennfahrer nicht im Weg stehen wollte. So beendete Michael Schumacher seine aktive Rennfahrer-Karriere am 22. Oktober 2006 mit einem vierten Platz auf der Rennstrecke von São Paulo.

Doch der Ruhestand kann Schumi nicht halten und er startet 2010 sein Comeback bei Mercedes. Doch vom alten Glanz war da erst einmal nichts zu sehen. Stattdessen gab es wieder Unregelmäßigkeiten, die zu Sanktionen und Debatten führten. Auch in den kommenden Jahren 2011 und 2012 konnte sich Schumacher nicht noch einmal steigern und erreicht dreimal hintereinander nicht mehr als den achten Platz in der Gesamtwertung. Als sein Dreijahresvertrag ausläuft wird er von Mercedes nicht verlängert und Schumi tritt endgültig als aktiver Fahrer zurück.

Der Skiunfall, der alles änderte

Auch nach dem Ende seiner Karriere engagierte sich Schumacher sozial. Er beteiligte sich an Benefiz-Veranstaltungen und wurde 2002 von der UNESCO zum Sonderbotschafter ernannt, nachdem er sich lange bei den Projekten "Bildung für Kinder in Not" eingesetzt hatte.

2013 dann die Schreckens-Nachricht. Bei einem Skiunfall zog sich der ehemalige Formel-1-Pilot ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zu. Sein Zustand ist so bedrohlich, dass die Ärzte beschließen, ihn in ein künstliches Koma zu versetzen. Erst nach Monaten des Bangens melden die Ärzte im April 2014, dass er erste Zeichen des Aufwachens zeige. Kurz darauf kam er wieder zu sich.

Inzwischen befindet sich Michael Schumacher nicht mehr in stationärer Behandlung und kann seine Rehabilitation zu Hause bei der Familie fortsetzen. Dort befindet er sich seitdem in relativer Abgeschiedenheit. Nur selten dringen Berichte über ihn an die Öffentlichkeit und seit September 2014 gibt es keine offiziellen Angaben zu seinem Gesundheitszustand. Doch unabhängig davon bleiben ihm seine Fans treu. Das verdankt Schumi nicht zuletzt seiner Sprecherin und Managerin Sabine Kehm, die sich um die Marke Schumacher seit dem Unfall kümmert. So gibt es ein Schumacher-App, die seit dem 50. Geburtstag der Legende kostenlos zur Verfügung steht und Einblicke in das Leben des Rennfahrers bietet.

luj/kum/news.de

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