Fußball-EM Qualifikation 2019/20: Nico Schulz schießt Deutschland zum Sieg gegen die Niederlande

Im achten Länderspiel nach der WM glückt dem Bundestrainer mit dem radikal verjüngten Nationalteam einer seiner bedeutendsten Siege. Das 3:2 in Holland verschafft Ruhe und tut auch "der Seele gut".

Nico Schulz jubelt über das Tor zum 2:3 mit seinem Teamkollegen Joshua Kimmich. Bild: dpa

24 Mannschaften, 51 Spiele, 12 Gastgeber - das ist die Fußball-EM 2020 in Zahlen. Doch bevor das Turnier mit dem Eröffnungsspiel am 12. Juni 2020 angepfiffen wird, gilt es, die 24 teilnehmenden Mannschaften in der Qualifikation zu ermitteln. Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht in den Startlöchern, um sich in der Qualifikation in Gruppe C gegen Nordirland, die Niederlande, Estland und Weißrussland zu behaupten.

Fußball-EM-Qualifikation 2019/2020: Alle Infos + Ergebnis zum Spiel Niederlande - Deutschland

Das erste Match der EM-Qualifikation stand für die DFB-Auswahl am Sonntag, dem 24. März 2019, auf dem Spielplan, als die deutsche Nationalmannschaft gegen die Niederlande antrat. Wie sich Jogis Jungs im ersten Qualispiel zur Fußball-EM 2020 geschlagen haben, erfahren Sie hier bei news.de mit allen nützlichen Hintergrundinformationen zum Spiel.

Fußball-EM 2020: Alle Deutschland-Spiele der Qualifikation im Überblick

Datum Anstoß Ansetzung
24.03.2019 20.45 Uhr Niederlande - Deutschland
08.06.2019 20.45 Uhr Weißrussland - Deutschland
11.06.2019 20.45 Uhr Deutschland - Estland
06.09.2019 20.45 Uhr Deutschland - Niederlande
09.09.2019 20.45 Uhr Nordirland - Deutschland
13.10.2019 20.45 Uhr Estland - Deutschland
16.11.2019 20.45 Uhr Deutschland - Weißrussland
19.11.2019 20.45 Uhr Deutschland - Nordirland
22.11.2019 Play-off-Auslosung der EM-Qualifikation
30.11.2019   Auslosung der Endrunde der Fußball-EM 2020
26. - 31.03.2020   Play-offs der EM-Qualifikation
01.04.2020   Weitere Auslosung für die EM-Endrunde (falls erforderlich)
12.06. - 12.07.2020   Fußball-EM 2020

+++ 24.03.2019: Deutschland siegt gegen Niederlande im EM-Quali-Spiel +++

Dieser Last-Minute-Sieg beim Fußball-Erzrivalen Niederlande tat allen richtig gut nach dem verkorksten WM-Jahr und dem radikalen Verjüngungsprozess des Bundestrainers. "Heute haben wir die PS auf die Straße gebracht", frohlockte Joachim Löw nach dem 3:2 (2:0) am Sonntagabend in Amsterdam gegen die Niederlande.

Eine Genugtuung wies Löw nach einem seiner wichtigsten Siege in 13 Jahren als Chef der Fußball-Nationalmannschaft weit von sich. Aber der 59-Jährige räumte ein: "So ein Sieg hilft schon für die nächsten Wochen und Monate." Es war ein Topstart in die EM-Qualifikation.

Löw rühmte seine junge Mannschaft für viele positive Facetten, die sie in 90 packenden Länderspielminuten gezeigt hatte. "Die erste Halbzeit war, was das Fußballerische betrifft, überragend", schwärmte Löw. Die Tore von Serge Gnabry und Leroy Sané waren die Belohnung.

Holland schlug durch Matthijs de Ligt und Memphis Depay nach der Pause zurück. Aber im achten Länderspiel nach der WM in Russland kehrte das "Spielglück" zur DFB-Auswahl zurück, wie Löw sagte. Nico Schulz erzielte in der Schlussminute nach einem klasse Spielzug über die eingewechselten Ilkay Gündogan und Marco Reus den Siegtreffer. "Wir hatten den Glauben an den Sieg nicht verloren", erklärte Löw.

Der finale Glücksmoment löste große Emotionen aus - und schon auch Genugtuung. "Das zeigt, dass wir doch nicht so schlecht sind", sagte Matchwinner Schulz. "Die Mannschaft brauchte ein Erfolgserlebnis. Das haben wir zum Glück noch hinbekommen", sagte Kapitän Manuel Neuer, der im Torhüter-Zweikampf mit Marc-André ter Stegen punkten konnte.

Der 24. März 2019 könnte die Geburtsstunde einer neuen, verschworenen Einheit gewesen sein, die Richtung EM 2020 ihr Potenzial mehr als nur andeuten konnte. "Ich glaube, so etwas schweißt zusammen. So etwas hilft bei so einer Entwicklung. Ich glaube, dass solche Erlebnisse wichtig sind", sagte Leon Goretzka. "Es hört sich vielleicht komisch an, aber im Nachhinein ist das 3:2 wichtiger, als wenn wir 3:0 gewonnen hätten", meinte Goretzkas Bayern-Kollege Joshua Kimmich.

DFB-Direktor Oliver Bierhoff drückte die Erleichterung aus, die alle im DFB-Tross verspürten: "Natürlich tut das der Seele und der Moral gut." Erst drei Wochen nach dem Bundesliga-Ende geht es für die Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation weiter mit einem Auswärtsspiel am 8. Juni in Weißrussland sowie dem Heimspiel drei Tage später in Mainz gegen Estland.

+++ 19.03.2019: Löw richtet alles auf Holland aus - "Stehen vor neuer Zeitrechnung" +++

Joachim Löw hat vor den ersten Länderspielen des Jahres eine "neue Zeitrechnung" bei der Fußball-Nationalmannschaft ausgerufen. "Wir stehen vor einer neuen Herausforderung", sagte der Bundestrainer am Dienstag in Wolfsburg angesichts der Ausmusterung des Bayern-Trios Jérôme Boateng, Mats Hummels sowie Thomas Müller und dem Ziel, aus vielen jungen Spielern wieder ein titelfähiges Team für kommende Turniere zu formen. "Dieser jungen Mannschaft muss ich das Gefühl entgegenbringen, dass ich ihr als Trainer das absolute Vertrauen gebe", sagte Löw. Das gelte auch im Fall von Rückschlägen.

Das Testländerspiel am Mittwoch in Wolfsburg gegen Serbien ist für ihn ein wichtiger Probelauf für den anschließenden schwierigen Start in die EM-Qualifikation. "Alles ist ausgerichtet auf die Partie am Sonntag gegen Holland. Die Woche steht in diesem Zeichen", sagte der Bundestrainer. Eine souveräne Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 ist das erklärte Ziel. "Wir wollen eine gute Quali spielen und uns nicht irgendwie durchwursteln", sagte Löw. Mit dem Druck nach dem verkorksten WM-Jahr könne er gut umgehen. "Dass man liefern muss als Nationaltrainer, weiß ich schon", sagte der Langzeit-Bundestrainer. "Ich verstehe, mit Druck umzugehen."

Bayern-Profi Serge Gnabry wird gegen Serbien nicht zum Einsatz kommen. Der nach einer Erkältung erst am Dienstag zum Team gereiste Angreifer sei für Mittwoch "nicht eingeplant", sagte Löw. Die übrigen 22 Akteure des von Löw nominierten Kaders stehen zur Verfügung.

Wer gegen die Serben im Tor stehen wird, ließ Löw offen. "Da haben wir noch keine Entscheidung getroffen", sagte der Bundestrainer über die Wahl zwischen Kapitän Manuel Neuer und Herausforderer Marc-André ter Stegen. Der Bundestrainer plant Bayern Münchens Rechtsverteidiger Joshua Kimmich auch beim Neubeginn weiter im defensiven Mittelfeld ein. Das habe sich bewährt, begründete der Bundestrainer.

+++ 18.03.2019: Löws brisante Arbeitswoche - Druck von oben: 2020 um Titel mitspielen +++

Mit der Bahn reiste Joachim Löw in die Autostadt des neuen DFB-Sponsors Volkswagen, wo er eine eng getaktete und vor allem zukunftsweisende Arbeitswoche erfolgreich bewältigen muss. Der zunehmend kritisch beäugte Bundestrainer will nach seinem radikalen Umdenken mit einem weiter verjüngten Kader beim Neustart nach vier Monaten Länderspielpause auf Anhieb positive Resultate liefern.

Nach der - zumindest für einen Bundestrainer Löw - unwiderruflichen Ausmusterung des Bayern-Trios Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller birgt der Aufbruch Richtung Fußball-EM 2020 erhöhte Brisanz. "Für uns steht ein neuer Zyklus an", sagte Löw, der vor dem Testspiel am Mittwoch gegen Serbien und dem Chancen und Risiken bergenden ersten Punktspiel vier Tage später in Amsterdam gegen Holland ein Versprechen gab: "Die Qualifikation werden wir schaffen."

Immerhin: Die Mehrheit der Deutschen traut Löw im Jahr nach dem WM-Desaster und dem Nations-League-Abstieg wenigstens das noch zu. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur rechnen 59 Prozent der Befragten mit einer EM-Teilnahme. 18 Prozent glauben wiederum an das erste Scheitern der DFB-Auswahl in einer Qualirunde seit der EM 1968.

DFB-Präsident Reinhard Grindel erhöhte pünktlich zum Neubeginn den Druck auf Löw, auch wenn er dem vertraglich bis zur nächsten WM 2022 in Katar gebundenen Coach zugleich das Vertrauen aussprach. "Jogi bringt alle Qualitäten mit, um den Umbruch zu gestalten", sagte Grindel am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. Ein weiteres sportliches Versagen könnte Grindel dem "ewigen Bundes-Jogi" aber kaum noch durchgehen lassen. "Wir wollen uns souverän für die EURO 2020 qualifizieren", sagte der Verbandschef. "Und ich denke, wir werden dann auch eine Mannschaft haben, die um den Titel mitspielen kann."

Teil zwei ist dabei die anspruchsvollere Vorgabe. Neben den wieder erstarkten Niederländern sollten in der Quali Nordirland, Weißrussland und Estland nicht zu Stolpersteinen werden. Platz zwei reicht schon für das EM-Ticket. "Ich glaube schon, dass wir mit den jungen Spielern eine gute Rolle spielen können", sagte Niklas Süle. Sein erkälteter Bayern-Kollege Serge Gnabry fehlte am Montag beim Treffpunkt in der VW-Metropole. Der Angreifer wird wohl höchstens für das wichtigere Punktspiel gegen Holland eine Option für Löw sein.

Confed-Cup-Sieger wie Joshua Kimmich, Leon Goretzka oder den neuen Abwehrchef Süle hat der Bundestrainer dazu auserkoren, nun vermehrt Verantwortung zu übernehmen. "Wir sind in der Lage, in die Fußstapfen der Weltmeister zu treten", sagte Goretzka selbstbewusst. Der talentierte Jahrgang 1995 soll und will übernehmen. "Jetzt ist allerhöchstes Niveau gefragt, jetzt sind nicht andere da, wo man sich verstecken kann", formulierte Löw deutliche Ansprüche an die Jungen.

Ein gelungener Jahresauftakt würde ihm nach dem Schlingerkurs seit dem WM-Unfall in Russland Zeit und Ruhe verschaffen. Die interne Anspannung ist groß. "Das kann man im Voraus nicht sagen", sagte Kapitän Manuel Neuer auf die Frage, was der Nationalmannschaft ohne seine Bayern-Kollegen Müller, Boateng und Hummels fehlen werde.

Grindel wünscht sich, dass jetzt der Fußball wieder im Fokus steht. Die Konzentration soll ganz den Spielen gegen Serbien und Holland gelten. "Das wird schwer genug", sagte der DFB-Boss. 23 Spieler hat Löw nominiert, nur noch einer ist älter als 30: Kapitän Neuer (32).

Drei Neulinge stehen dafür im EM-Perspektivkader: die Abwehrspieler Niklas Stark von Hertha BSC und Lukas Klostermann von RB Leipzig sowie der Bremer Maximilian Eggestein. "Natürlich orientiert man sich an den Spielern, die länger dabei sind, die Weltmeister geworden sind", sagte der 22-jährige Eggestein bei der Ankunft am Teamhotel bescheiden. Die Zeitenwende dokumentieren auch die Trikotnummern. Stark übernahm am Montag die 17 von Boateng, Klostermann erhielt Müllers 13. Und mit der 5 von Hummels könnte der bislang erst in vier Länderspielen eingesetzte Leverkusener Jonathan Tah auflaufen.

+++ 18.03.2019: Gefährlicher Platz 2: Ohne Gruppensieg droht 2020 Hammergruppe bei EM +++

Joachim Löw rechnet fest mit einer Teilnahme an der EM 2020. Den Gruppensieg in der diese Woche beginnenden Qualifikation hat der Bundestrainer allerdings bei den Kontrahenten Niederlande, Nordirland, Weißrussland und Estland nicht als Ziel ausgegeben. Auch als Gruppenzweiter wäre die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sicher bei der Endrunde des Pan-Europa-Turniers im Sommer kommenden Jahres dabei. Allerdings würde der Löw-Auswahl als Quali-Zweitem bei der Auslosung am 30. November eine sehr schwere EM-Gruppe drohen.

Nur die sechs besten Gruppensieger aus den zehn Qualigruppen werden bei der Zeremonie in Bukarest im Topf der besten Teams gesetzt sein. Die vier weiteren Ersten kommen mit den zwei besten Gruppenzweiten in Topf 2. Die sechs nächstbesten Gruppenzweiten bilden den Topf 3 und die beiden schlechtesten Gruppenzweiten wandern mit den vier Teams, die sich erst in den Playoffs qualifizieren, in Topf 4. Das geht aus den Turnierregularien der UEFA hervor.

Die Qualifikation beginnt am Donnerstag. Die DFB-Elf startet am Sonntag in Amsterdam gegen die Niederlande in den Wettbewerb. Die Endrunde findet vom 12. Juni bis 12. Juli in zwölf europäischen Ländern statt. München ist deutscher Spielort mit drei Gruppenpartien und einem Viertelfinale. Beide Halbfinals und das Endspiel finden in London statt.

+++ 17.03.2019: Fußball-Bundestrainer Löw: Brauchen vor allem wieder gute Ergebnisse +++

Bundestrainer Joachim Löw hat vor den ersten Länderspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in diesem Jahr vor allem bessere Resultate als zuletzt gefordert. "Jetzt brauchen wir zwar eine gute Spielweise mit viel Enthusiasmus. Aber wir brauchen vor allem auch wieder gute Ergebnisse. Und dazu brauchen wir den Mut zu Veränderungen", sagte Löw in einem Interview der "Welt am Sonntag". Die DFB-Auswahl trifft am Mittwoch in Wolfsburg in einem Testspiel auf Serbien, am kommenden Sonntag beginnt mit dem schweren Auswärtsspiel gegen die Niederlande in Amsterdam die Qualifikation für die Europameisterschafts-Endrunde 2020.

Löw will nun vor allem die jüngeren Spieler in die Pflicht nehmen, nachdem er nicht mehr mit den einstigen Weltmeistern Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels plant. Als Beispiel nannte der 59-Jährige Niklas Süle vom FC Bayern, der in der Abwehr nun nicht mehr seine Münchner Vereinskollegen Hummels und Boateng um sich herum habe. "Niklas ist jetzt in der Verantwortung", sagte Löw und betonte: "Wir erwarten noch mehr von ihm. Er muss jetzt hinten organisieren, dirigieren, sich zeigen. Genauso wie Antonio Rüdiger."

Der Bundestrainer zeigte sich wie schon auf seiner Pressekonferenz am Freitag in Frankfurt überrascht, dass nach der Ausmusterung von Müller, Boateng und Hummels die Frage nach dem Stil so in den Vordergrund getreten sei. "Mir ging es um das persönliche, direkte und ehrliche Gespräch. Ich weiß, es gibt andere Trainer, die rufen nicht mal an. Die entscheiden einfach und nominieren den Spieler nicht mehr", erklärte Löw.

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