05.03.2019, 16.42 Uhr

Doping-Skandal 2019 im News-Ticker: Blutdoping-Skandal weitet sich aus - weiterer Langläufer festgenommen

Auch drei Tage nach dem Doping-Beben kommen immer wieder neue Erkenntnisse über den Skandal ans Licht. Nun behauptet Ösi-Ski-Boss Peter Schröcksnadel, dass auch deutsche Athleten in den Skandal verwickelt sein sollen. Alle aktuellen Entwicklung hier im Überblick!

Peter Schröcksnadel, Präsident vom Österreichischen Skiverband (ÖSV), behauptet, dass auch deutsche Sportler in den Doping-Skandal verwickelt sind. Bild: dpa

Drei Tage nach dem Doping-Beben bei der Nordischen Ski-WM wartet der Sport auf neue Ergebnisse der Ermittler. Wichtige Details zum mutmaßlichen Doping-Netzwerk könnten Aussagen des in Erfurt festgenommenen Mediziners Mark S. liefern, der inzwischen in die Untersuchungshaft nach München überstellt wurde. Der Sportarzt kooperiere "vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden", sagte einer seiner Anwälte der "Bild"-Zeitung. Erwartet werden zudem weitere Auskünfte vom österreichischen Bundeskriminalamt über die Hintergründe und Ausmaße des Sportbetrugs.

Alle aktuellen Entwicklungen im Doping-Skandal HIER im News-Ticker

  • Warten auf Razzia-Ergebnisse
  • Doping-Razzia: Erfurter Sportmediziner bleibt in Haft
  • Auch deutsche Athleten in Skandal verwickelt?
  • Video zeigt Langläufer mit Nadel im Arm
  • Festgenommene Langläufer gesperrt

+++ Blutdoping-Skandal weitet sich aus - weiterer Langläufer festgenommen +++

Der Blutdoping-Skandal weitet sich aus. Im Zuge der Ermittlungen ist mit Johannes Dürr ein weiterer Ski-Langläufer in Österreich festgenommen worden. Wie die Staatsanwaltschaft Innsbruck am Dienstag mitteilte, hätten es die neuen Ermittlungsergebnisse erforderlich gemacht, "den Mann heute Mittag über Anordnung der Staatsanwaltschaft festzunehmen". Der Verdächtige habe zuvor selbst aufgrund seiner Angaben die Ermittlungen in Deutschland gegen den Sportmediziner Mark S. aus Erfurt in Gang gebracht.

+++ Thüringer Sportbund prüft mögliche Doping-Verstrickungen +++

Der Landessportbund Thüringen prüft eigenen Angaben zufolge mögliche Verstrickungen des Vaters des mutmaßlichen Doping-Arztes Mark S. Es scheine so, dass auch dieser "den Thüringer Sport ge- und vor allem enttäuscht hat", erklärte LSB-Präsident Stefan Hügel am Dienstag in Erfurt. Für einen Zusammenhang zwischen dessen ehrenamtlichen Positionen im Verband und den aktuellen Vorwürfen gegen seinen Sohn gebe es derzeit jedoch keinerlei Ansätze. Dennoch will das Präsidium prüfen, ob dem Mann eine Ehrung des LSB Thüringen aus dem Jahr 2009 aberkannt wird, falls er doch zu dem Netzwerk seines Sohnes gehörte. Ein entsprechendes Verfahren laufe.

Der Mann war laut Sportbund fast 20 Jahre in mehreren Funktionen im Thüringer Sport aktiv. Derzeit ist er in Übergabehaft in Österreich. Die Münchner Staatsanwaltschaft kündigte ein Auslieferungsersuchen an und will den Mann im Zuge der Doping-Ermittlungen vernehmen. Der Sportbund versucht nach eigenen Angaben derzeit heraus zu bekommen, welche Sportfachverbände möglicherweise von den aktuellen Vorgängen betroffen sind und welche Athleten in der Praxis von S. sportmedizinisch untersucht wurden. Für Mittwoch sei eine nicht öffentliche Gesprächsrunde mit dem Thüringer Schwimmverband, Athleten und deren Eltern geplant.

+++ Staatsanwalt nach Doping-Razzia: Beweislage "nahezu erdrückend" +++

Für Staatsanwalt Kai Gräber ist die Razzia bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld und in Erfurt der größte Erfolg einer deutschen Staatsanwaltschaft im Kampf gegen Doping. "Mir fällt kein Fall ein, der ähnlich spektakulär vom Aufschlag und ähnlich gut von der Beweislage gelaufen ist", sagte der Abteilungsleiter der zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft in München der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Beweislage sei noch nicht abschließend zu bewerten. "Aber es hat schon schlechtere Beweislagen gegeben. Sie ist nahezu erdrückend."

Im Zuge einer Doping-Razzia im WM-Ort Seefeld waren am Mittwoch fünf Langläufer festgenommen worden. Alle haben inzwischen Eigenblutdoping gestanden und sind wieder auf freiem Fuß. Unter Verdacht steht der Erfurter Arzt Mark S., der inzwischen in München in Haft ist. Zudem wurden in Erfurt und Seefeld insgesamt drei mutmaßliche Komplizen festgenommen.

Gräber weiß noch nicht, ob Deutsche unter den Kunden von Mark S. waren. "Ich formuliere es so: Mir liegen bislang keine Erkenntnisse vor, dass deutsche Athleten zum illegalen Patientenstamm des Beschuldigten gehört haben." Für "ein bisschen übertrieben" hält er die Bezeichnung "kriminelles Netzwerk" in diesem Fall. Als "durchaus denkbar" bezeichnete er die Vermutung, dass auch Radsportler zu den Klienten gehören.

+++ Schröcksnadel bekräftigt: Deutsche Athleten in Skandal verwickelt! +++

Der Präsident des Österreichischen Skiverbandes Peter Schröcksnadel hat seinen Vorwurf bekräftigt, dass auch deutsche Sportler in den Dopingskandal um die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Seefeld verwickelt sind. "Mir hat das ein Ermittler gesagt, dass auch deutsche Sportler betroffen seien. Und dass der Fall eine internationale Geschichte ist", sagte Schröcksnadel im Interview der "Bild"-Zeitung (Samstag-Ausgabe).

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, hatte am Tag zuvor in einem Statement betont: "Zur Klarstellung weisen wir auch noch einmal darauf hin, dass keine deutschen Sportlerinnen und Sportler von der Razzia betroffen waren." Gemäß den Aussagen des Deutschen Skiverbandes stand laut Hörmann keiner seiner Athletinnen und Athleten in Kontakt mit diesem Arzt: "Bei den Festnahmen von deutschen Personen handelt es sich ausschließlich um den Arzt und weitere involvierte Hintermänner."

Schröcksnadel sagte: "Entscheidend finde ich, dass sich die Betrüger Hilfe von außen, aus Deutschland, holen mussten, um ihren Betrug durchzuführen." Für ihn sei das ein Beweis, dass sein Verband sauber arbeite.

+++ NADA: Blutdoping unmittelbar vor Wettkampf ist "eine neue Erkenntnis" +++

Der aktuelle Doping-Skandal hat möglicherweise Auswirkungen auf die Kontrollsysteme der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA. In Bezug auf Blutdoping sei man bislang davon ausgegangen, "dass es etwas Längerfristiges ist, was einige Tage vor dem Wettkampf angewendet wird, um die Ausdauerleistung zu steigern", sagte NADA-Vorstand Lars Mortsiefer der Deutschen Presse-Agentur. "Unmittelbar vor dem Wettkampf, unter widrigsten Bedingungen, ist das wegen möglicher Infektionen ja natürlich auch hochrisikobehaftet. Und so ein Blutbeutel transportiert sich ja nicht ohne Weiteres."

Dass Blutdoping unmittelbar vor einem sportlichen Ereignis erfolge, sei "eine neue Erkenntnis, die wir auswerten müssen", sagte Mortsiefer. Man müsse nun analysieren, "wie das Kontrollsystem noch zielgenauer funktionieren kann". "Wir haben ein Bewusstsein dafür, dass Substanzen direkt vor dem Wettkampf eingenommen werden, um Leistung nochmal kurzfristig zu steigern", betonte der NADA-Vorstand. Der Fokus entsprechender Trainings- und Wettkampfkontrollen liege aber bislang auf Substanzen, die schnell im Körper wirken.

+++ Nach Razzia bei Ski-WM: Estland erwägt Kriminalisierung von Doping +++

Estlands Kulturminister Indrek Saar drängt nach dem Doping-Skandal bei der Nordischen Ski-WM auf eine vollständige Aufklärung und erwägt die Kriminalisierung von Doping. "Dem Ruf des estnischen Sports und dem Glauben an die Möglichkeit eines sauberen Sports ist ein schwerer Schlag versetzt worden. Etwas noch Unanständigeres und Dümmeres ist schwer vorstellbar. Die ganze Geschichte muss zum Vorschein gebracht werden, egal wie schmerzhaft sie ist", erklärte der auch für Sport zuständige Minister am Freitag.

+++ NADA – "Im Moment" keine Hinweise auf Deutsche im Doping-Skandal +++

Zwei Tage nach den Doping-Razzien in Erfurt und Seefeld sieht der Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA, Lars Mortsiefer, keine Hinweise darauf, dass auch deutsche Athleten in den Skandal verwickelt sind. "Anhaltspunkte dafür haben wir im Moment nicht", sagte Mortsiefer der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. "Aber ich würde jetzt nichts ausschließen in Bezug darauf, was die Ermittlungen weiter ergeben", betonte er.

Sollten doch deutsche Sportler betroffen sein, könnte die NADA die staatlichen Behörden mit Informationen aus dem Doping-Kontroll-System unterstützen, erklärte Mortsiefer - «also sprich Blutpässe, Erkenntnisse über Aufenthaltsorte, Erreichbarkeit von Athleten».

+++ Hausdurchsuchung bei Doping-Arzt soll weitere Erkenntnisse bringen +++

Der Fund von Blutbeuteln bei Hausdurchsuchungen hat die Hoffnung auf weitere Erkenntnis im Doping-Skandal um den Erfurter Sportmediziner geschürt. Zugleich wächst die Furcht des organisierten Sports vor einer Ausweitung des Skandals über die Nordische Ski-WM in Seefeld und den Langlauf hinaus.

In Erfurt seien bei den Razzien mehr als 40 Blutbeutel sichergestellt worden, schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitag). Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete von mindestens einigen Dutzend kühl gelagerter Blutbeutel. Angeblich seien diese mit Tarnnamen versehen gewesen, hieß es.

+++ Nach Blutbeutel-Fund: Warten auf weitere Ergebnisse im Doping-Skandal +++

Nach Angaben von Dieter Csefan vom österreichische Bundeskriminalamt arbeiten die Behörden eng mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und den Nationalen Anti-Doping-Agenturen (NADA) zusammen. Er sieht "gute Möglichkeiten, die Blutbeutel über DNA-Tests den jeweiligen Besitzern zuordnen zu können", wurde er in der "SZ" zitiert. Die Ermittler gehen von einem internationalen Doping-Netzwerk aus, in das neben den am Mittwoch festgenommenen neun Verdächtigen weitere Personen verwickelt sein könnten.

Dem Erfurter Mediziner waren in seiner früheren Rolle als Radsport-Teamarzt schon Doping-Machenschaften vorgeworfen worden, dies hatte er stets bestritten. Zum aktuellen Fall wollten sich seine Anwälte zunächst nicht äußern. Mark S. kooperiere aber "vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden", teilte einer der Anwälte der "Bild"-Zeitung mit.

+++ Auch deutsche Sportler in Doping-Skandal verwickelt? +++

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte am Freitagmorgen im ZDF-"Morgenmagazin" erneut die Verwicklung deutscher Spitzensportler in die Affäre zum derzeitigenZeitpunkt ausgeschlossen. "Wir sind zuversichtlich, dass deutsche Athleten und Athletinnen von diesem Vorgang und von dieser Praxis nicht betroffen sind", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sport Bundes. "Aber ich betone immer wieder:Stand heute. Ganz am Ende wird das weitere Verfahren zeigen, wie die Gesamtgemengelage aussieht."

Der österreichische Skiverbands-Präsident wiederholte indes auf Nachfrage des MDR seinen Vorwurf gegen deutsche Sportler. "Ich habe Informationen, dass auch deutsche Athleten betroffen sind", sagte der 77-Jährige. In einem Interview des österreichischen "Kurier" klagte er: "Die Zentrale ist schon in Deutschland, aber auf die Österreicher wird jetzt hingehaut." DOSB-Präsident Hörmann hatte die Aussagen seines Funktionärskollegen gegen deutsche Sportler bereits am Donnerstag als "Ablenkungsmanöver von den eigenen Problemen" bezeichnet.

+++ Video zeigt Langläufer mit Nadel im Arm +++

Im Internet sorgte ein Video für Aufsehen, das angeblich einen Langläufer bei der Doping-Razzia bei der NordischenSki-WM in Seefeld während der Bluttransfusion zeigen soll. Der Urheber des Videos muss strafrechtliche Konsequenzen fürchten, bestätigte ein Sprecher des österreichischen Bundeskriminalamts der Deutschen Presse-Agentur.Das Video soll von einem ermittelnden Beamten weitergegeben worden sein. Die Person sei "ausgeforscht und vom Einsatz abgezogen" worden, bestätigte ein Sprecher des österreichischen Bundeskriminalamts der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Auf den Beamten komme zudem ein Disziplinarverfahren zu.

+++ Internationaler Skiverband sperrt in Seefeld festgenommene Langläufer +++

Die am Mittwoch inSeefeld festgenommenen fünf Langläufer aus Österreich, Kasachstan und Estland sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß, nachdem sie "ausführliche Angaben gemacht" hätten, hieß es.Sie hatten den Vorwurf des Eigenblutdopings eingeräumt.

Der Internationale Skiverband hat drei der fünf bei einer Doping-Razzia im Rahmen der Nordischen Ski-WM festgenommenen Langläufer provisorisch gesperrt. Die beiden Esten Karel Tammjaerv und Andreas Veerpalu sowie der Kasache Alexej Poltoranin seien mit sofortiger Wirkung vom 1. März 2019 an gesperrt, teilte die FIS am Freitag mit. Für die beiden festgenommenen Österreicher Dominik Baldauf und Max Hauke sei die Nationale Anti-Doping Agentur zuständig. Die österreichische Anti-Doping Agentur belegte Baldauf und Hauke ebenfalls mit provisorischen Sperren nach dem FIS-Reglement.

+++ Doping-Beben: Erfurter Arzt drohen bis zu zehn Jahren Haft, zwei weitere Deutsche festgenommen +++

Die beiden ebenfalls in Seefeld festgenommenen Deutschen bleiben bis zur Übergabe an die deutschen Behörden vorerst inHaft. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Innsbruck am Freitagvormittag mit. Das Landesgericht Innsbruck habe demnach eine Übergabehaft verhängt. Ob und wann die beiden mutmaßlichen Komplizen von Mark S. nach Deutschland übergeben werden, ist die Entscheidung des Landesgerichts Innsbrucks. Mark S. und der ebenfalls in Erfurt dritte mutmaßliche Komplize sitzen in München in Haft. Dem im Zusammenhang mit Razzien in Erfurt festgenommene Sportmediziner Mark S. droht eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren.

Ein Erfurter Sportmediziner wird von Beamten festgenommen. Bild: dpa

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sba/fka/news.de/dpa

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