Nations League 2018: DFB-Elf nach Frankreich-Pleite vor Abstieg - Rückendeckung für Löw

Nach der Niederlage gegen Weltmeister Frankreich droht der National-Elf der Abstieg in die zweite Liga der Nations League. Für Trainer Jogi Löw gab es trotzdem Rückendeckung. Wie geht es nach der bittersten Pleite des Jahres weiter?

Jogi Löw versuchte, seine Manschaft vom Spielfeldrand aus zu unterstützen. Bild: picture alliance/Ina Fassbender/dpa

Viel verändert, viel riskiert - und doch wieder verloren. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zeigt in Frankreich ein deutlich besseres Spiel als in den Niederlanden, belohnt sich aber nicht. In der Nations League geht es nur noch um den Klassenerhalt.

Droht Jogis Jungs der Abstieg in die zweite Liga?

Joachim Löws Mut zur Jugend und zu lange vermissten Veränderungen wurde nicht belohnt und kommt in der Nations League zu spät. Drei Monate nach dem WM-Desaster im Sommer forderte die verjüngte deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Dienstagabend in Paris Weltmeister Frankreich auf höchstem Niveau. Doch nach dem Führungstor von Toni Kroos durch einen verwandelten Handelfmeter (14. Minute) drehten die Gastgeber nach der Pause durch einen Doppelpack von Antoine Griezmann (62./80./Foulelfmeter) noch die Partie.

Nach dem 1:2 (1:0) bei den starken Franzosen droht in der Nations League nun die europäische Zweitklassigkeit. Die deutsche Mannschaft belegt nach drei Partien in der Gruppe 1 der höchsten Nations-League-Staffel mit einem Punkt hinter Frankreich (7) und den Niederlanden (3) den letzten Platz. Der Gruppensieg ist nicht mehr zu erreichen. Sollte Holland sein anstehendes Heimspiel gegen die Franzosen gewinnen, wäre der Abstieg der DFB-Auswahl in die 2. Liga schon vor der abschließenden Partie am 19. November in Gelsenkirchen gegen die Niederländer besiegelt.

Spieler überzeugt: Jogi Löw trifft keine Schuld

"Ich bin über das Ergebnis enttäuscht. Es hätte nicht sein müssen. Wir waren auf Augenhöhe mit dem Weltmeister und hätten in der ersten Halbzeit das zweite Tor machen müssen. Wir sind für eine sehr gute Leistung nicht belohnt worden", sagte Löw. Die Mannschaft habe nach der herben Kritik die Vorgaben "super umgesetzt" meinte Löw. Dem erhöhten Druck nach der Pause konnten die Gäste aber nicht standhalten. "Wir dürfen den Glauben an die eigene Stärke nicht verlieren", sagte der Bundestrainer in der ARD.

"Es fühlt sich immer schlecht an, wenn man verliert. Gerade wenn man führt und alles im Griff hat", sagte Kapitän Manuel Neuer und attestierte Löw eine gute Aufbauarbeit: "Jogi und das Trainerteam hatten einen klaren Plan. Im Prinzip ist er aufgegangen", sagte der Schlussmann. Serge Gnabry, der überraschend als Mittelstürmer aufgeboten wurde stellte fest: "Wir dürfen die Köpfe nicht hängen lassen."

Bundetrainer denkt nicht an Rücktritt

Für die lange Zeit auf Augenhöhe mit dem Weltmeister mithaltende Mannschaft könnte die Niederlage vor rund 75.000 Zuschauern in Paris dennoch zum Wendepunkt werden. Unter großem Druck präsentierte sich der angeschlagene Bundestrainer Jogi Löw drei Monate nach dem historischen WM-K.O. doch noch als mutiger Erneuerer. Rücktrittsgedanken habe er nicht gehabt, sagte Löw nach dem Spiel.

Die halbe Startformation vor Torwart Manuel Neuer wechselte Löw im Vergleich zum Holland-Spiel aus und ging dabei ein hohes Risiko ein. Thilo Kehrer spielte erstmals von Beginn an. Nico Schulz kam erstmals in einem Pflichtspiel zum Einsatz und Gnabry bestritt erst sein drittes Länderspiel.

DFB-Elf und Löw: engagiert und mutig

Löw setzte auf Jugend und Tempo. Niklas Süle als Ersatz für den verletzten Jérôme Boateng wurde zum neuen Abwehrchef in einer Dreierkette befördert. Und ausgerechnet der von vielen Fans schon lange geforderte und vor der WM von Jogi Löw noch aussortierte Leroy Sané war mit seinen Turbo-Sprints lange ein Trumpf. Der erfahrene Thomas Müller musste hingegen bis zur Schlussphase auf seinen 98. Länderspiel-Einsatz warten.

Mit dem Mut zur taktischen und personellen Umstellung in einer Dreierkette mit Matthias Ginter, Süle und Mats Hummels und der Rückkehr zur Doppelsechs mit Kroos neben Joshua Kimmich korrigierte Löw nicht nur Fehler aus dem Holland-Spiel, sondern überraschte auch die Franzosen. Jeder Ballverlust der Équipe tricolore wurde zu einem blitzschnellen Gegenangriff genutzt - fast immer über Sané. Dieses Tempo hatte man von einer DFB-Elf seit Jahren nicht gesehen. Auch Löw selbst wirkte an der Seitenlinie wieder viel engagierter und richtete seine jungen Akteure nach Fehlern gestenreich wieder auf.

Teammanager Oliver Bierhoff steht zu Jogi Löw

Teammanager Oliver Bierhoff äußerte sich auch nach dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Fußball-Weltmeister Frankreich. Er bewertet das Spiel trotz der Niederlage als positiv für Joachim Löw. Man könne das 1:2 am Dienstagabend in der Nations League zwar nicht als Sieg für den Bundestrainer empfinden. "Aber es ist ein wichtiges, gutes Zeichen", sagte Bierhoff nach der Partie in Paris angesichts der Leistung der jungen und auf mehreren Positionen umbesetzten deutschen Elf.

"Bei der Bewertung eines Trainers geht man nicht nur von den Ergebnissen aus, die natürlich in der Distanz kommen und da sein müssen. Aber vor allem muss man eine Entwicklung sehen. Man muss sehen, dass der Trainer die Mannschaft erreicht, dass Dinge umgesetzt werden, die trainiert oder eingefordert werden", sagte der 50-Jährige.

Auch DFB-Chef Reinhard Grindel steht hinter dem Bundestrainer

Bierhoff spürt bei Löw den Ehrgeiz, nach dem WM-Desaster in Russland die Mannschaft Richtung Europameisterschaft 2020 wieder auf Kurs zu bringen. "Man merkt, dass Jogi den Job mit Leidenschaft macht. Er hat sich im Sommer bewusst dafür entschieden. Er will es angehen und weiß, dass es ein Weg und Arbeit ist. Insofern habe ich bei ihm auch jetzt die Entschlossenheit gesehen", sagte Bierhoff.

Auch DFB-Chef Reinhard Grindel hat Bundestrainer Joachim Löw nach der 1:2-Niederlage in der Nations League bei Weltmeister Frankreich den Rücken gestärkt. "Ich finde, dass wir ein Stück Umbruch heute gesehen haben, der Mut macht", sagte der 57-jährige Grindel in der ARD. "Entscheidend ist die Entwicklung der Mannschaft. Das, was die junge Mannschaft heute gezeigt hat, darauf lässt sich aufbauen", meinte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

soj/news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser