01.08.2018, 09.59 Uhr

Özil-Rücktritt im News-Ticker: Rummenigge kritisiert Özil-Berater: "Teilweise wie Märchenstunde"

Der Rücktritt von Mesut Özil sorgt weiter für Schlagzeilen: Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München, hat den zurückgetretenen Nationalspieler und dessen Berater heftig kritisiert. 

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, hat Mesut Özils Berater heftig kritisiert. Bild: dpa

Mit einer beispiellosen Attacke gegen DFB-Chef Reinhard Grindel hat Weltmeister Mesut Özil der deutschen Fußball-Nationalmannschaft den Rücken gekehrt. Voller Zorn brach der 29-Jährige am Sonntag sein wochenlanges Schweigen und wehrte sich gegen seine Rolle als WM-Sündenbock in der seit Mai schwelenden Affäre um die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Seine dreiteilige Erklärung gipfelte am Abend in massiven Vorwürfen gegen den DFB-Präsidenten und seinem Rücktritt aus der Nationalelf, für die Özil als einer der Lieblingsschüler von Joachim Löw bis zum verkorksten WM-Sommer 2018 insgesamt 92 Länderspiele bestritten hatte.

  • Mesut Özil verkündet Rücktritt
  • Bittere Abrechnung mit dem DFB
  • Löw wusste nichts von Özil-Rücktritt
  • Grindel räumt Fehler ein
  • Cacau kritisiert Özil nach Rücktritt

Alle aktuellen Entwicklungen zum DFB-Rücktritt von Mesut Özil im News-Ticker

+++ 01.08.2018:Rummenigge kritisiert Özil-Berater: "Teilweise wie Märchenstunde" +++

 

Karl-Heinz Rummenigge übt weiter scharfe Kritik an Mesut Özil und dessen Beratern. Mit Rassismus habe die ganze Diskussion dem Ursprung nach nichts zu tun, sagte der Vorstandschef des FC Bayern München in einem Interview der "Sport Bild". "Bitte: Er ist doch nicht kritisiert worden, weil er türkischer Abstammung ist. Das ist eine Fabel, die von seinen Beratern erzählt wird. Das geht mir ohnehin zunehmend auf die Nerven: Die Berater geben heute immer mehr die Statements und die Interviews. Das ist teilweise wie Märchenstunde", sagte Rummenigge. Özil habe mit dem Statement und der Aktion "ein Eigentor" geschossen.

Nach der heftigen Kritik von Vereinspräsident Uli Hoeneß an Özil sieht auch Rummenigge die sportlichen Qualitäten des Arsenal-Stars nicht als Bayern-like an. "Auf dem Ohr waren Uli und ich immer taub. Das war nie ein Spieler, mit dem wir uns auch nur zu einem Prozent beschäftigt haben. Nie!", sagte Rummenigge. "Wenn wir in London gespielt haben, hat Uli immer gesagt: Hoffentlich spielt der heute." Der Mittelfeldspieler galt für Hoeneß als Schwachpunkt des FC Arsenal, die Münchner hatten sich wiederholt gegen den Club aus London durchgesetzt.

+++ 29.07.2018: Löw-Manager: Bundestrainer arbeitet hart an Analyse der Causa Özil +++

 

Joachim Löws Manager Harun Arslan hat bekräftigt, dass sich der Fußball-Bundestrainer in der Causa Mesut Özil zu Wort melden wird. "Das wird er auch machen - sobald er seine Analyse abgeschlossen und Konsequenzen entschieden hat", sagte Arslan der "Bild am Sonntag" in einem Interview. "Ich weiß, dass er hart daran arbeitet."

Die Rassismus-Vorwürfe in Özils dreiteiliger Erklärung gegen den Deutschen Fußball-Bund und dessen Präsidenten Reinhard Grindel könne er nicht nachvollziehen, betonte der 61-Jährige. "Nein, das kann ich ganz klar sagen. Herr Grindel mag in der Affäre Fehler gemacht haben, aber er ist kein Rassist", betonte Arslan. "Mit dieser Aussage ist Mesut klar über das Ziel hinausgeschossen." Er warne davor, "mit dem schweren Vorwurf des Rassismus zu schnell um sich zu werfen".

Ob Löw seinen Schlüsselspieler Özil noch vor dessen Rücktritt aus der Nationalmannschaft für die Länderspiele im September nominiert hätte, konnte auch Arslan nicht sagen. "Ich bin zwar sein Berater. Doch darüber spricht er mit mir nicht", sagte der Manager. "Er sagt immer: Du hast eh keine Ahnung vom Fußball."

+++ 27.07.2018: Löw-Manager: Özil hätte Treffen mit Erdogan absagen können +++

Der Manager von Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, Harun Arslan, geht davon aus, dass Mesut Özil freiwillig im Mai zum Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan gegangen ist. "Es war eine Einladung, die man auch hätte ablehnen können, kein Befehl", sagte er in der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Arslan kooperiert eng mit Özils Berater Erkut Sögüt.

Arslan ging auch auf die dreiteilige Erklärung ein, die Özil am vergangenen Sonntag über die sozialen Medien verbreitet hatte und die in seinem Rücktritt und Rassismus-Vorwürfen gegen den DFB gipfelte: "Auch wenn Mesut ein zurückhaltender Mensch ist - glauben Sie wirklich, dass ein Weltstar wie er, der sich von seinem Vater losgesagt hat, alles diktieren lässt?" Er sei sich "zu 100 Prozent sicher", dass Özil diese Erklärung auch wollte. Als eine "Explosion der Gefühle" bezeichnet er die Stellungnahme Özils.

+++ 27.07.2018:Cacau wirft Özil und DFB gleichermaßen Fehler vor +++

Cacau, Integrationsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bundes, hat den zurückgetretenen Nationalspieler Mesut Özil kritisiert, aber auch Vorwürfe gegen die DFB-Führung erhoben. Auf die Frage, ob ein Rücktritt von DFB-Präsident Reinhard Grindel hilfreich wäre, sagte er am Donnerstagabend in den ARD-"Tagesthemen": "Das ist im Moment schwer zu sagen, weil die Diskussion dann doch sehr emotional ist." Im Interview der "Bild"-Zeitung sagte er, dass Özil "das mit dem Foto anscheinend bewusst getan hat". "Und wenn er es bewusst getan hat, dann hätte ihm auch klar sein müssen, dass das Konsequenzen zur Folge hat. Deshalb ist auch der Vorwurf des Rassismus gegen den DFB haltlos und nicht gerechtfertigt."

Aus Cacaus Sicht habe aber nicht nur Özil mit seinem Foto mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem langen Schweigen danach Fehler gemacht, "sondern auch der DFB, der nicht von vorneherein klar eine Richtung gegeben hat und diese Richtung dann auch befolgt hat. Das war heute eine Aussage und morgen eine andere. Und das war schwierig", kritisierte der frühere Nationalspieler.

+++ 26.07.2018: Schäuble sieht in Causa Özil die Hauptschuld beim DFB+++

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sieht die Hauptschuld für die Eskalation des Streits um den inzwischen zurückgetretenen Nationalspieler Mesut Özil beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). "Ich habe bis heute nicht verstanden, weshalb man beim DFB zugelassen hat, dass aus einer so unklugen Fotoaktion eine derartige Staatsaffäre gemacht wurde. Das ist ein Jammer", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Freitag). "Irgendein kluger Mensch hätte das alles verhindern können und müssen. Da die Fußball-Stars alles junge Menschen sind, muss man ihnen helfen, sie führen, notfalls auch durch Kritik."

Schäuble sagte, als Politiker bedauere er, "dass durch eine Fülle von Fehlern und Missverständnissen die Integration gelitten hat. Aber es wird sich schon wieder einrenken". Er frage sich, wieso "gut bezahlte Fußball-Manager und -Berater" den Schaden nicht hätten verhindern können. Dennoch dürfe man die Integrationsleistungen des Fußballs nicht infrage stellen, dieser habe "beachtliche" Erfolge ermöglicht.

+++ 26.07.2018: Özil bei Arsenal-Spiel in Singapur überraschend nicht dabei +++

Der geplante erste Auftritt von Mesut Özil nach seinem Abschied aus der Fußball-Nationalmannschaft mit seinem Verein FC Arsenal fällt aus. Bei dem Gastspiel in Singapur gegen Europa-League-Sieger Atlético Madrid war der Mittelfeld-Star des Londoner Clubs am Donnerstag überraschend nicht in der Startformation dabei. Özils Name fehlte auch in der Auflistung der Ersatzspieler. Einen Grund nannte Arsenal zunächst nicht.

Nach seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft und seinen Rassismusvorwürfen gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) schweigt Özil inzwischen wieder. Seit der Ankunft in Singapur am Sonntag gab es von ihm dazu keinen Kommentar. Der 29-Jährige bekam jedoch Unterstützung vom neuen Arsenal-Trainer Unai Emery und auch von mehreren Spielern. DFB-Präsident Reinhard Grindel wies die Vorwürfe inzwischen zurück.

+++ 26.07.2018: Erstes Statement nach Özil-Rücktritt - DFB-Präsident gesteht Fehler +++

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Rassismus-Vorwürfe gegen ihn entschieden zurückgewiesen. Estue ihm für seine Kollegen, die vielen Ehrenamtlichen an der Basis und die Mitarbeiter im DFB leid, im Zusammenhang mit Rassismus genannt zu werden, erklärte Grindel am Donnerstag schriftlich auf der Website des Deutschen Fußball-Bundes. "Für den Verband und auch für mich persönlich weise ich dies entschieden zurück."

"Die Werte des DFB sind auch meine Werte. Vielfalt, Solidarität, Antidiskriminierung und Integration, das alles sind Werte und Überzeugungen, die mir sehr am Herzen liegen", erklärte Grindel. Die persönliche Kritik habe ihn "getroffen". Özil hatte am Sonntag erklärt: "Leute mit rassistisch diskriminierendem Hintergrund sollten nicht länger im größten Fußballverband der Welt arbeiten dürfen, der viele Spieler aus Familien verschiedener Herkunft hat."

Grindel räumte in Bezug auf die Affäre um die Fotos von Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ein: "Rückblickend hätte ich als Präsident unmissverständlich sagen sollen, was für mich als Person und für uns alle als Verband selbstverständlich ist: Jegliche Form rassistischer Anfeindungen ist unerträglich, nicht hinnehmbar und nicht tolerierbar." Es geht jetzt für den DFB darum, drei zentrale Themenfelder anzugehen heißt es in der Stellungnahme. Dazu gehören laut Grindel Integration, eine sportliche Analyse nach dem enttäuschenden WM-Aus sowie die Ausrichtung der EM 2024.

+++ 25.07.2018: Will Erdogan mit Özil die EM 2024 in die Türkei holen? +++

Nach den Schlagzeilen um den Rücktritt von Mesut Özil will offenbar auch der türkische PräsidentRecep Tayyip Erdogan Profit aus der Özil-Affäre schlagen. Erst am Dienstag hatte der Türkei-Präsident den Rücktritt des Ex-Nationalspielers ich höchsten Tönen gelobt und ebenfalls kräftig gegen Deutschland ausgeteilt."Man kann diese rassistische Haltung gegenüber diesem jungen Mann nicht hinnehmen, der so viel Schweiß für den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft vergossen hat", erklärte Erdogan. Nutzt der Türkei-Präsident den Fall Özil, um die EM 2024 in die Türkei zu holen? Fest steht: Am 27. September entscheidet die Uefa darüber, ob die Fußball-EM 2024 in Deutschland oder in der Türkei stattfindet. Bislang galt Deutschland als Favorit. Dennoch spekuliert der DFB laut "Bild"-Informationen, "dass Erdogan versucht, Deutschland und die DFB-Spitzemit dem Fall Özil in eine Rassismus-Debatte zu verstricken". Ob sich die Uefa tatsächlich beeinflussen lässt, bleibt abzuwarten.

+++ 25.07.2018: Rummenigge: Viele Verlierer im Fall Özil - Maßnahmen von Löw erwartet +++

Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge sieht angesichts der jüngsten Vorgänge um Mesut Özils Rücktritt und Rassismus-Kritik "viele Verlierer" im deutschen Fußball. "Ich glaube, Özil selber, aber auch der DFB haben hier eine schlechte Figur abgegeben", sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München am Dienstagabend (Ortszeit) auf der USA-Reise des deutschen Meisters.

Rummenigge versuchte in Philadelphia zudem, die scharfe Kritik von Vereinspräsident Uli Hoeneß an Özil einzuordnen, der infolge der Affäre um Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten war: "Ich bin immer nah an Uli Hoeneß dran. Ich glaube, er mochte den Spieler Özil nie so gerne. Und es ist ihm etwas auf die Nerven gegangen, dass daraus so eine Rassismus-Nummer gestrickt wurde." Hoeneß hätten die Leistungen von Özil in den letzten Jahren insgesamt - und nicht nur bei der Weltmeisterschaft - missfallen.

Hoeneß hatte am Montag über den 92-maligen Nationalspieler vom FC Arsenal gesagt: "Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist. Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen. Und jetzt versteckt er sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto."

+++ 24.07.2018: Erster Özil-Tweet nach dem Rücktritt: "Vorbereitungsarbeit" +++

Der zurückgetretene Fußball-Nationalspieler Mesut Özil hat sich knapp zwei Tage nach seiner dreiteiligen Twitter-Attacke erstmals wieder in dem sozialen Netzwerk zu Wort gemeldet. "Vorbereitungsarbeit", schrieb der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler am Dienstag über ein Foto, das ihn in einer Sprintübung mit Teamkollege Mohamed Elneny zeigt. Özil ist derzeit mit dem FC Arsenal im Trainingslager in Singapur. Am Sonntag war der Weltmeister von 2014 aus dem DFB-Team zurückgetreten und hatte die Führung des Verbandes dabei harsch angegriffen. Seitdem hatte Özil selbst nicht mehr auf die Kritik an seiner Person und das Statement des Deutschen Fußball-Bundes reagiert.

+++ 24.07.2018: Seehofer zu Özil: "In diesem Fall gibt es nur Verlierer" +++

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) lehnt weiterhin eine klare Stellungnahme zum Rückzug von Mesut Özil aus der Fußball-Nationalmannschaft ab. "Ich glaube, in diesem Fall gibt es nur Verlierer", sagte Seehofer am Dienstag in Berlin. Darüber hinaus wolle er sich nicht äußern. Wo die Bundeskanzlerin gesprochen habe, bestehe für den Sportminister kein Raum mehr, sagte Seehofer, der auch für Sport zuständig ist.

Zum Thema Integration insgesamt präzisierte Seehofer auf Nachfrage: "Ganz allgemein ist meine tiefe Überzeugung, dass der Sport eine ganze Menge zur Integration beitragen kann und auch beiträgt." Aus dem Einzelfall Özil dürfe nicht der Schluss gezogen werden, dass die Integrationsfunktion des Sports oder die Integration insgesamt gescheitert sei.

+++ 24.07.2018: Matthäus über Rücktritt von Özil: "Chance für junge Talente" +++

Lothar Matthäus wertet den Rücktritt von Mesut Özil als sportliche Chance für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Özil hat nach Einschätzung des früheren Weltfußballers im DFB-Team zuletzt ohnehin nicht mehr seine volle Leistung gebracht. Die Zeit des Mittelfeldspielers sei nun vorbei, dies sei "eine Chance für junge Talente", meinte Matthäus am Montag (Ortszeit) vor Journalisten in Philadelphia. Der 57-Jährige ist als Bayern-Legende mit dem deutschen Fußball-Rekordmeister in die USA gereist.

+++ 24.07.2018: Sammer zu Özil: "Mesut ist nicht das Problem des deutschen Fußballs" +++

Der frühere DFB-Sportdirektor Matthias Sammer hat in der Debatte um den zurückgetretenen Nationalspieler Mesut Özil zur Ruhe gemahnt. "Vom Ursprung des Fotos bis zur Kommentierung hat er Dinge aushalten müssen. Alle, die ihm zu wenig Selbstkritik vorwerfen, sollten sich einfach mal in die Lage versetzen", sagte Sammer in einem Interview dem TV-Sender Eurosport am Dienstag.

Der Fußballexperte und externe Berater von Borussia Dortmund mahnte nach dem Foto von Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zur Vorsicht. "Gefühlt können in dem Fall nur Ilkay oder Mesut empfinden, was bei ihnen vorgeht, was es für die Familie bedeutet", sagte Sammer. "Es ist seine Entscheidung, nicht mehr zu spielen, das gilt es zu respektieren. Der deutsche Fußball wird weitergehen", relativierte Sammer. Der frühere DFB-Funktionär warnte davor, zu viel Schuld auf Özil abzuladen: "Mesut ist ein unangenehmes Thema, mit vielen Fehlern behaftet, aber er ist nicht das Problem des deutschen Fußballs."

+++ 24.07.2018: Nach Abrechnung mit dem DFB: Erdogan telefoniert mit Özil +++

Nach dem Rücktritt von Mesut Özil hat der türkische Präsident mit dem Ex-Nationalspieler telefoniert und seine Entscheidung begrüßt, erklärte Erdogan am Dienstag nach einer Fraktionssitzung der islamisch-konservativen AKP. "Seine Haltung ist national und einheimisch. Ich küsse seine Augen. Sie können unser gemeinsame Foto nicht hinnehmen. Ich stehe hinter Mesut aufgrund seiner Äußerungen."

+++ 24.07.2018: Chef der türkischen Fußballföderation stellt sich hinter Özil +++

Nach dem Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft hat der Chef der türkischen Fußballföderation (TFF) dem Spieler seine Unterstützung zugesagt. Er stehe hinter Özil und seiner Familie und verurteile "die Behandlung, der er ausgesetzt war", sowie die "Drohungen und die ihn aufgrund seiner Wurzeln herabwürdigenden Botschaften", teilte Yildirim Demirören am Dienstag mit.

"Egal ob er in der Öffentlichkeit steht oder nicht, jeder Spieler muss vor Erniedrigung, Diskriminierung und vor hasserfüllten Botschaften geschützt werden. Alle Mitglieder der internationalen Fußballgemeinschaft müssen sich vereinen, wenn es darum geht, Rassismus und Intoleranz zu beseitigen und ihren Kampf unentwegt fortsetzen."

+++ 24.07.2018: Boxer Ünsal Arik über Özil: "Dümmere Aussage noch nicht gehört" +++

Der deutsch-türkische Boxer Ünsal Arik hat die Aussagen des zurückgetretenen Fußball-Nationalspielers Mesut Özil auf das Schärfste kritisiert. "Alles, was Özil gerade macht, ist politisch. Er soll mal recherchieren, wofür (Recep Tayyip) Erdogan verantwortlich ist, und erklären, warum er diesen Menschen so toll findet", sagte der 37-Jährige in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Dienstag).

Özils Aussage, dass ein politischer Führer getrennt von der Person betrachtet werden könne, verurteilte Arik. "Eine dümmere Aussage habe ich noch nicht gehört. Das hieße ja, der Präsident darf alles machen, unschuldige Leute einsperren, Kriege führen, und ich muss ihn immer unterstützen?" Arik, der in Deutschland geboren ist und für die Türkei boxt, engagiert sich seit Jahren gegen Erdogan. Dass Özil das Foto mit Präsident Erdogan nur aus Respekt vor dem höchsten Amt des Landes seiner Familie machte, bezeichnete Arik als "eine billige Ausrede".

+++ 24.07.2018: Löw wusste nichts von Özil-Rücktritt +++

Der Rücktritt von Ex-Nationalspieler Mesut Özil kam offenbar auch für den Bundestrainer völlig überraschend. Während Jogi Löw aktuell im sonnigen Italien Urlaub macht, erklärte der Arsenal-Star via Instagram seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Wie der Rest des Landes, erfuhr "Bild" zufolge auch Jogi Löw aus dem Internet von Özils Entscheidung. Dabei galt das Verhältnis zwischen dem Mittelfeldstar und dem Trainer stets vertrauensvoll. Erkut Sögüt, Berater von Mesut Özil, hatte den DFB am Sonntag nur vorab informiert, dass es am Sonntag eine Stellungnahme seines Klienten geben wird, heißt es bei "Bild". Dass es sich bei der Mitteilung um eine bittere Abrechnung mit dem DFB, Sponsoren und Deutschland handeln würde, verriet er jedoch nicht.

+++ 23.07.2018: Özil-Berater Sögüt weist Hoeneß-Kritik zurück +++

Nach der scharfen Kritik von Uli Hoeneß in Richtung Mesut Özil hat dessen Berater Erkut Sögüt den Bayern-Präsidenten attackiert. "Die Kommentare von Herrn Hoeneß verfehlen den eigentlichen Sinn komplett. Er versucht die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema, dem Rassismus und der Diskriminierung in Deutschland, abzulenken", sagte Sögüt dem Internet-Portal Goal. "Außerdem kann er seine dummen Aussagen, die komplett übertrieben sind, nicht belegen", fügte Sögüt hinzu.

Sögüt verwies auf 63 Torbeteiligungen seines Schützlings im Trikot des Weltmeisters von 2014 und auf den Fakt, dass Özil fünfmal zum Nationalspieler des Jahres gekürt wurde. Er reagierte damit auf die Äußerung von Uli Hoeneß, der vor dem Abflug des FC Bayern zu einer US-Tour gesagt hatte: "Ich bin froh, dass der Spuk vorbei ist. Der hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen. Und jetzt versteckt er sich und seine Mist-Leistung hinter diesem Foto."

Nun konterte der Özil-Berater mit heftigen Worten: "Herr Hoeneß, wir werden keine weitere Zeit und Energie aufbringen, um mit Ihnen über ein Thema zu reden, von dem Sie keine Ahnung haben. Sie sind nicht nur eine Schande für sich selbst, sondern vor allem für Bayern München und die Leute in Deutschland." Laut Sögüt lag der "Fokus von Mesuts Aussagen nicht unbedingt auf dem Fußball. Vielmehr ging es darum, auf das Wiederaufleben des Rassismus aufmerksam zu machen. Er hat den Mut und die Tapferkeit gezeigt, sich für all jene einzusetzen, die in Deutschland unfair behandelt werden: Einwanderer, Muslime und viele mehr", meinte der Berater.

+++ 23.07.2018: Maas: Fall Özil nicht exemplarisch für Integration in Deutschland +++

Bundesaußenminister Heiko Maas hat davor gewarnt, vom Fall des Fußballstars Mesut Özil Rückschlüsse auf den Stand der Integration von Migranten in Deutschland zu ziehen. "Ich glaube (...) nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland", sagte Maas am Montag in Berlin. Auf Twitter fügte er hinzu, dass es "zahlreiche mindestens genauso wichtige Schicksale" gebe.

Der SPD-Politiker rief alle Seiten zur Mäßigung in der Debatte auf. "Ich glaube alle Beteiligten in der Causa sollten einmal in sich gehen. Ich sehe wenige, die nach meiner Wahrnehmung sich dort einigermaßen richtig verhalten haben." Maas ergänzte: "Ein Rücktritt wegen rassistischer Anfeindungen ist ein Armutszeugnis für alle. Wir verlieren gerade mehr als einen Topspieler."

Mit Blick auf Vorwürfe gegen Özil, er habe mit seinem Verhalten zum Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft beigetragen, sagte Maas noch: "Ansonsten liegt die Wahrheit auf dem Platz. Dass die Deutschen so früh ausgeschieden sind, hat wenig damit zu tun, dass Herr Özil sich mit Herrn Erdogan hat fotografieren lassen."

+++ 23.07.2018:DFB-Vize Koch: Akzeptiere keine Rassismus-Vorwürfe gegen DFB-Spitze +++

DFB-Vizepräsident Rainer Koch hat den Rücktritt von Mesut Özil aus der deutschen Nationalmannschaft bedauert und Rassismus-Vorwürfe gegen den Verband zurückgewiesen. Özil habe "großen Anteil an den überragenden sportlichen Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft im letzten Jahrzehnt", schrieb Koch auf seiner Facebook-Seite. "Mit Nachdruck sind Angriffe gegen die DFB-Spitze zurückzuweisen, die die umfassende, seit vielen Jahren geleistete Integrationsarbeit des DFB und seiner über 25.000 Fußballvereine in Frage stellen und den DFB mit Rassismus in Verbindung bringen."

Koch schloss sein Statement mit den Worten: "Persönlich möchte ich noch sagen: Mesut Özil ist Deutscher und deshalb selbstverständlich auch mein Mitbürger. Für Positionen, die Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund wegen ihrer Herkunft ausgrenzen stehe ich nicht zur Verfügung. Gerade deshalb akzeptiere ich auch keine Rassismusvorwürfe gegen die DFB-Spitze."

+++ 23.07.2018: DFL-Präsident Rauball zu Özil: Rassismusvorwürfe nicht hinnehmbar +++

DFL-Präsident Reinhard Rauball hat die Rassismusvorwürfe von Mesut Özil gegen den Deutschen Fußball-Bund zurückgewiesen. "Es ist in keiner Weise hinnehmbar, wenn der DFB und seine Spitze pauschal in Zusammenhang mit Rassismus gerückt werden", wird der 71-Jährige in einer Mitteilung der Deutschen Fußball Liga vom Montag zitiert.

"Der deutsche Fußball hat mit unzähligen Aktionen bewiesen, dass er sich für Integration, ein faires Miteinander und ein weltoffenes Land engagiert", heißt es in der Erklärung weiter. "In den vergangenen Wochen sind offensichtlich von allen Seiten Fehler gemacht worden. Die Abrechnung von Mesut Özil schießt aber über jedes nachvollziehbare Maß hinaus und lässt keinerlei Selbstkritik erkennen." Unabhängig von der Art und Weise seines Rücktritts sei dem 29 Jahre alten Özil für seinen Einsatz in 92 Länderspielen zu danken.

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