Deutschlands WM-Aus in Russland 2018: Macht Jogi Löw noch weiter? Merkel: "Heute sind wir alle sehr traurig"

Deutschland verliert gegen Südkorea 0:2 und scheidet bei der Fußball-WM in der Vorrunde aus - das erste Mal in 84 Jahren deutscher WM-Geschichte. Ob Jogi Löw weitermacht, lässt er selbst offen.

Niklas Süle , Mario Gomez und Mats Hummels können es nicht fassen - Deutschland ist ausgeschieden! Bild: dpa

Der Weltmeister ist raus. Nach einem total enttäuschenden 0:2 gegen Südkorea scheitert Fußball-Deutschland erstmals in seinen 84 Jahren deutscher WM-Geschichte in der Gruppenphase. Das Unternehmen Titelverteidigung ist krachend gescheitert.

Das sind die Reaktionen zum WM-Aus der deutschen Mannschaft

"Sprachlos." (Der offizielle Twitterkanal der deutschen Mannschaft)

"Heute sind wir alle sehr traurig." (Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer Konferenz der "Wirtschaftswoche")

"Wenn du dieses Spiel nicht gewinnst, hast du in einem Achtelfinale auch nichts verloren! Dann gehörst du da nicht hin! Fertig!" (Ex-Profi Mario Basler)

"Sprachlos. Ich werde etwas Zeit brauchen." (Basketballstar Dirk Nowitzki)

"Sprachlosigkeit/Enttäuschung und Wut im Bauch...aber Respekt vor Schweden, Mexiko und Südkorea" (Tennis-Legende Boris Becker)

"Was für ein Mist. Am wichtigsten beim Scheitern ist aber ja: Sacken lassen. Fehler analysieren. Hart arbeiten. Gestärkt zurückkehren. #wirkennendas." (Die Bundestagsfraktion der FDP)

"Kopf hoch! Zur nächsten WM tritt Deutschland mit Italien, Frankreich, Portugal, Holland, Polen, Dänemark, Schweden, Kroatien und Spanien als Teil einer gemeinsamen europäischen Mannschaft an und wird ab dann jedes Mal Weltmeister!" (Satiriker Jan Böhmermann)

Oli Bierhoff geht davon aus, dass Jogi Löw weitermacht

Oliver Bierhoff sagt: "Es ist einfach großer Frust und Riesen-Enttäuschung. Am Ende hat es nicht gereicht, das müssen wir akzeptieren. Am Ende ist es einfach doch zu wenig."DFB-Teammanager Oliver Bierhoff rechnet trotz des frühen WM-Ausscheidens der deutschen Fußball-Nationalmannschaft aber nicht mit einem Rücktritt von Bundestrainer Joachim Löw. "Es ist nicht der Zeitpunkt, Einzelanalysen zu machen. Ich gehe fest davon aus, dass Jogi weitermacht".

Joachim Löw weiß nicht, ob er weitermacht

Joachim Löwhat nach dem ersten WM-Aus einer deutschen Nationalmannschaft in der Vorrunde einen Rücktritt nicht ausgeschlossen. "Es ist zu früh für mich, die Frage zu beantworten, jetzt brauchen wir ein paar Stunden, um klarzusehen", sagte der 58-Jährige.

"Es ist für uns eine riesige Enttäuschung. Der Mannschaft hat irgendwie die Leichtigkeit gefehlt. Woran es jetzt gelegen hat, das kann ich in diesem Moment nicht sagen. Ich muss jetzt die Verantwortung dafür übernehmen, klar. Der gesamte deutsche Fußball, wir alle haben verloren. Nicht nur ein Spiel, sondern vieles von dem, was wir uns in den letzten Jahren aufgebaut haben. Natürlich bin ich der Erste, der sich hinterfragen muss und überlegen muss, welche Dinge schiefliefen. Da muss ich jetzt eine Nacht drüber schlafen, so kurz nach dem Spiel bin ich total frustriert und enttäuscht. Ich trage die Verantwortung. Das ist zu früh für mich die Frage zu beantworten, jetzt brauchen wir ein paar Stunden um klar zu sehen. Auch bei mir ist die Enttäuschung tief drin. Das hätte ich mir nicht vorstellen können."

Deutschland verliert mit 0:2 und scheitert bei der WM in Vorrunde

Aus und vorbei! Titelverteidiger Deutschland ist nach einer beschämenden Abschlussvorstellung bei der Weltmeisterschaft in Russland gestürzt. Der Schlafwagen-Fußball beim 0:2 (0:0) in Kasan gegen limitierte Südkoreaner wurde mit dem historischen Vorrunden-Aus bei einem WM-Turnier bestraft. Youngg-won Kim (90.+2) und Hyeung-Min Son (90.+6) besiegelten die peinliche Niederlage mit ihren Treffern in der Nachspielzeit. Weil Schweden parallel gegen Mexiko mit 3:0 gewann, hätte nicht einmal einen Nullnummer gereicht. Das behäbig agierende Team von Bundestrainer Joachim Löw fiel mit drei Punkten sogar noch hinter die Südkoreaner auf den letzten Platz der Gruppe F zurück. Schweden und Mexiko (je 6) sind im Achtelfinale.

Das war die Aufstellung im Spiel gegen Südkorea

Nach dem so wichtigen Last-Minute-Coup gegen Schweden setzte Löw seine WM-Rotation konsequent fort. Fünf Wechsel nahm er vor. Diesmal traf es zunächst auch Thomas Müller. Sein künftiger Münchner Kollege Leon Goretzka kam für den je fünfmaligen WM-Torschützen der Jahre 2010 und 2014 zu seiner Turnier-Premiere, hatte aber große Probleme, seine Rolle auf rechts zu finden. Auch Niklas Süle, der in der Innenverteidigung neben Rückkehrer Mats Hummels den gesperrten Jérôme Boateng vertrat, kam zu seinem ersten WM-Spiel. Die gegen Schweden aussortierten Mesut Özil und Sami Khedira durften im Mittelfeld wieder mitwirken. Löws Signal: Der Konkurrenzkampf wird hochgehalten. Aber: Der Effekt blieb aus.

So war das Spiel gegen Südkorea

Die Hitze in Kasan konnte nicht als Ausrede dienen. Das deutsche Spiel plätscherte langsamer dahin, als die Wolga am Stadion vorbeifloss. Neben der fehlenden Dynamik gab es auch ein taktisches Manko. Wenn der noch recht agile Timo Werner immer wieder auf die Flügel auswich, fehlte eine Anspielmöglichkeit im Angriffszentrum. WM-Rekordtorschütze und Löw-Assistent Miroslav Klose sah es auf der Tribüne neben Boateng mit Sorge. Als Werner (43.) dann endlich einmal zum Abschluss kam und den Pfosten traf, hätte ein Tor wegen eines Foulspiels von Jonas Hector ohnehin nicht gezählt. Zur Halbzeit gab es Pfiffe aus dem deutschen Fan-Block.

Die große Chance zur Führung bot sich Goretzka (47.). Sein Kopfball wurde von Südkoreas Schlussmann Hyeon-Woo Jo glänzend pariert. Kurz nach der Führung der Schweden gegen Mexiko in Jekaterinburg vergab Werner eine weitere Großchance. Nun wurde der Druck immer größer. Löw reagierte und brachte Stoßstürmer Gomez für den so enttäuschenden Khedira.

Auch Müller (63.) wurde vom entthronten Weltmeister-Coach noch gebracht. Das zweite schwedische Tor machte die Ausganglage leichter. Nun fehlte wieder nur ein Tor, um den K.o. abzuwenden. Gomez hatte bei einem Kopfball (68.) eine gute Chance, kurz darauf traf er den Ball vor dem Tor nicht richtig. Es fehlte die Körpersprache, das Aufbäumen. Das waren nur noch Verzweiflungsaktionen. Nur Mats Hummels rüttelte immer wieder auf und hatte per Kopfball die Chance zum Lucky Punch (87.). Ohne Erfolg. Kim und Son besiegelten die historische deutsche Fußball-Pleite.

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