Paralympics 2016 im Live-Stream und TV sehen:       So war der Sonntag bei den Paralympics

Leichtathlet Markus Rehm im Einsatz. Bild: dpa

"Das war ein goldener Tag - und das in vollen Stadien", sagte Friedhelm Julius Beucher, der Chef der deutschen Delegation. Denn zur Geschichte dieser Paralympics gehört auch, dass sie sich entgegen aller Prognosen zu einem Publikumsmagneten entwickelt haben. 167.000 Menschen kamen allein am Samstag in den Olympia-Park mit seinen zahlreichen Sportstätten. Das ist ein Rekord für das Areal im Stadtteil Barra - und mehr, als dort jemals bei den Olympischen Spielen vor knapp einem Monat an nur einem Tag registriert wurde.

Low und Scheil stehen in Rio nicht nur für die sportlichen Erfolge des deutschen Teams, sondern auch für die vielen persönlichen Schicksale, die dahinterstehen. Die Weitspringerin wurde im Alter von 15 Jahren vor einen Regionalzug gestoßen und verlor dabei beide Beine - der Täter wurde bis heute nie gefasst. Der 43 Jahre alte Scheil brach 2008 von einer Sekunde zur nächsten beim Bäcker zusammen und lag danach einen Monat lang im Koma. Der Sauerstoffmangel bewirkte eine Reihe von Folgeerkrankungen, seit 2010 sitzt er im Rollstuhl.

Gleich bei seinen ersten Paralympics gewann er Gold. 11,03 Meter stieß er die Kugel im Olympiastadion von Rio weit. "Das war heute mein Tag", sagte Scheil. "Ich werde das jetzt nur noch genießen."

Jenseits von Rio leben er und Vanessa Low in zwei verschiedenen Welten. Der für den BVS Weiden in Bayern startende Sachse wohnt in einem kleinen Dorf, in dem ihm nach eigenen Angaben irgendwann so langweilig wurde, dass er im Internet nach einer Beschäftigung suchte und dabei auf die Geschichte der Paralympics-Siegerin Birgit Kober stieß. Er rief sie einfach an - und kam so 2011 zum Behindertensport.

Low dagegen lebte und trainierte zuletzt in den USA und zieht jetzt zu ihrem Freund nach Australien. "Es war wie eine Befreiung für mich, dass es zu Gold gereicht hat", sagte die 26-Jährige. "Das ist der erfolgreiche Abschluss einiger harter Jahre. Ich bin die USA gegangen und war damit weit weg von meiner Familie und meinem Freund. Doch mit meinem Trainer habe ich dort sehr viel und umfangreich gearbeitet." Der Lohn: Gold und Weltrekord an nur einem Abend.

Bereits am Samstag hatte Martin Schulz die paralympische Triathlon-Premiere an der Copacapana gewonnen. 1:02:37 Stunden benötigte er für 750 Meter Schwimmen, 20,92 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen. Am Ende hatte der Leipziger, der vor 26 Jahren ohne linken Unterarm geboren wurde, 28 Sekunden Vorsprung auf den Kanadier Stefan Daniel. "Das ist unbeschreiblich, ich hatte so viele Probleme heute beim Laufen", sagte der Welt- und Europameister Schulz.

Auch an der Copacapana waren Tausende Zuschauer. Insgesamt seien für diese Spiele bislang mehr als 1,8 Millionen Tickets verkauft worden, teilte das Internationale Paralympische Komitee am Wochenende mit. Die knappe Niederlage der deutschen Goalballer gegen Kanada (5:7) sahen rund 12.000 Zuschauer. "Das ist eine ganz neue Erfahrung für uns. Wenn es hochkommt, spielen wir zu Hause in der heimischen Liga vor 100, 200 Leuten", sagte Spieler Michael Feistle.

Zwei Medaillen gab es außerdem noch für das deutsche Team: 24 Jahre nach ihrem ersten Sieg 1992 in Barcelona holte die 56 Jahre alte Martina Willing diesmal Silber beim Speerwerfen. Schützin Natascha Hiltrop wurde mit dem Luftgewehr ebenfalls Zweite. Mit viermal Gold, sechsmal Silber und viermal Bronze liegt Deutschland aktuell auf Platz sieben der Nationenwertung. Nach 147 von 521 Entscheidungen führt China (27/27/20) diesen Medaillenspiegel klarer denn je an.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

mie/jat/news.de/dpa

  • Seite:
  • 1
  • 2
Empfehlungen für den news.de-Leser