Splashdiving-WM 2015 in Sindelfingen: Die geilsten "Arschbomben" der Welt

"Arschbomben" sind für manch Freibadgänger ein Heidenspaß. Einige Deutsche haben daraus ein Turnier gemacht, das sie Weltmeisterschaft nennen. Neuer "Arschbomben"-Weltmeister ist Rainhard Riede aus dem bayerischen Waldkraiburg.

Eine "Arschbombe" vom Zehn-Meter-Brett? Tut nicht weh - oder nur ein bisschen. Das zumindest sagen immer wieder die Athleten, die an diesem Wochenende zur "Arschbomben"-WM nach Sindelfingen in Baden-Württemberg gekommen waren. "Die Schmerzen sind minimalst", sagte der neue Weltmeister Rainhard Riede, der mit eindrucksvollenDrehungen, Salti und spritzgewaltigen Landungen überzeugte. Je öfter man springe, desto geringer sei der Schmerz, so Riede. Der Drittplatzierte Lukas Eglseder war seiner Meinung: "Man gewöhnt sich dran."

"Arschbomben-WM" 2015: Missratenes Turmspringen für gewaltige Wasserfontänen

Bei der "Splashdiving-Weltmeisterschaft" kommt es auf das richtige Eintauchverhalten an. Bild: dpa

Die gut zehn Jahre alte Sportart heißt eigentlich "Splashdiving", was man mit platschendes Tauchen übersetzen kann. Hart gesagt sieht es aus wie eine Art missratenes Turmspringen: Denn während Turmspringer in der Luft ähnliche Figuren zeigen wie die Splashdiver, liegen die Anforderungen der Sportarten bei der Landung meilenweit auseinander: Turmspringer müssen möglichst geschmeidig ins Wasser eintauchen, ohne dass das Wasser groß in Wallung kommt. Beim Splashdiving sind gewaltige Wasserfontänen hingegen erwünscht.

Man versteht sich als unkonventioneller Sport. "Es geht einfach nur um eine Menge Spaß", sagt der Finne Tuukka Palonen. Eine 22 Stunden lange Autofahrt nahm er in Kauf, um nach Deutschland zu kommen und um die Wette zu springen. Normalerweise arbeitet der 20-Jährige im Winter als Skilehrer, im Sommer zeigt er bei "Clown Diving"-Shows ebenfalls humorvoll gemeinte Schwimmbad-Kunststücke.

"Splashdiving": Bessere Arschbomben durch mehr Gewicht?

Durch mehr Gewicht gibt es keine "Arschbomben"-Vorteile. Bild: dpa

Viele der Teilnehmer sammelten zuvor Erfahrungen in anderen Sportarten, bisweilen mussten sie sich wegen Verletzungen dann eine neue sportliche Heimat suchen. Mitfavorit Eglseder beispielsweise peilte einst eine Karriere im Leistungsturnen an, doch eine Handverletzung kam dazwischen. Jürgen Hellmuth aus Wiesbaden musste das Fußballspielen verletzungsbedingt aufgeben. So kam er zum Splashdiving, wo der korpulente 33-Jährige sich kreativ austoben kann. Geradezu ohrenbetäubend laut war das Geräusch am Sonntagnachmittag, als Hellmuths Körper aus zehn Metern Höhe mit ausgestreckten Beinen auf der Wasseroberfläche aufkrachte. Die Zuschauer jubelten begeistert.

Steigen die Siegchancen eigentlich, je mehr Körpermasse man mitbringt für seine Arschbomben? "Überhaupt nicht, das ist eher ein Nachteil", sagt Hellmuth. Schließlich sei er deutlich schneller unten als die leichteren Mitbewerber, habe also weniger Zeit für Schrauben und Salti. Zudem drehe er sich ja langsamer als die dünneren Mitstreiter. Entscheidend beim Wettbewerb ist die Haltung bei der Landung - die gewaltige Wasserfontäne danach wird wohlwollend zur Kenntnis genommen, aber sie ist nur ein Seitenelement in der Jury-Bewertung.

Franziska Fritz: "Arschbomben"-Weltmeisterin ohne Konkurrenz

Einmal Eintauchen, bitte. Bild: dpa

Das Regelwerk lässt den Sportlern relativ viel Freiraum: Bei ihren Sprüngen wählen sie unter 13 verschiedenen Landungsarten aus. Neben der klassischen Arschbombe gibt es unter anderem Figuren namens Katze, Kartoffel, Brett oder Stuhl. Die Kartoffel ist beispielsweise eine umgedrehte klassische Arschbombe: Der Hintern wird nach oben gestreckt, die Knie und der Kopf tauchen zuerst ins Wasser ein. Zudem gibt es diese Formen in offener Variante, was heißt: Die Beine sind geöffnet, bei einem offenen Brett beispielsweise in V-Form. Viele der Sprünge sind drollig anzusehen.

Etwas abseits vom Trubel stand am Sonntag die 15-jährige Franziska Fritz aus dem saarländischen Dillingen. Auch sie wurde am Sonntag als Weltmeisterin gekürt, schon zum dritten Mal seit 2013. Im Finale allerdings hatte sie sich gegen keine einzige Konkurrentin durchsetzen müssen. Symptomatisch für eine Sportart, die unter Mädchen und Frauen wenig beliebt ist. "Es ist schade, dass ich immer so allein bin", sagte sie. Vermutlich sei die Arschbomben-Sportart wegen des Schmerzes bei anderen Mädchen so wenig beliebt. Wie ihre männlichen Splashdiving-Kollegen sagt sie: "An den Schmerz gewöhnt man sich."

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rut/bua/news.de/dpa

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