Neuropsychologe erklärt: "Hooligans funktionieren wie Kindersoldaten"

Wieder einmal hat es geknallt und der Fußball wird zur Nebensache. Diesmal kam es bei einem testspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Leeds United zum Eklat. Doch warum haben Hooligans dieses unglaubliche Verlangen nach Gewalt? Der Neuropsychologe Thomas Elbert erforscht das Phänomen und zieht einen überraschenden Vergleich.

Es passiert immer wieder: Hooligans prügeln aufeinander ein - so auch beim Testspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Leeds United im österreichischen Eugendorf. Nach Schlusspfiff gingen beide Fanlager aufeinander los und der Sport geriet zur Nebensache. Doch woher kommt diese Lust, diese Sucht nach Gewalt? Der Neuropsychologe Thomas Elbert beschäftigt sich schon länger mit dem Hooliganismus. In einem Interview mit der "Welt" sieht er Parallelen zu den Kindersoldaten in Afrika.

Nach den Ausschreitungen bei einem Testspiel in Österreich stellt sich der Neuropsychologe Thomas Elbert die Frage, was die Hooligans zu einer solchen Tat antreibt. Bild: dpa

Psychologe Elbert vergleicht Hooligans mit Kindersoldaten

Doch was macht Hooligans für den Psychologen zu Kindersoldaten in anderer Gestalt? "Beide können in einen regelrechten Blutrausch geraten. Für beide kann Verletzen und selbst Töten zu einer Art Sucht werden. Diese Erfahrung des Blutrausches, des 'combat high', wie die Amerikaner sagen, ist beiden Gruppen gemeinsam. Der große Unterschied ist nur: Bei den einen kommt es zu Tötungen und bei den anderen gibt es Verletzte", so Elbert. "Ihr Verhalten resultiert aus der gleichen biologischen Veranlagung. Es handelt sich hier um ein Phänomen, das nicht auf Kriegsgebiete beschränkt ist, sondern praktisch überall beobachtet werden kann. Jede Kultur hat ein ihr eigenes Gewaltpotenzial, dazu gehört auch, dass Aggression durchaus Spaß machen kann."

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Hooligans: Forscher erklärt die Lust auf Gewalt

Der Konstanzer Forscher war früher selbst viele Jahre in Krisenregionen in Afrika und Asien unterwegs. Seine gewonnenen Erkenntnisse wendet er nun auf Phänomene unserer Gesellschaft an. Er erklärt, was sich bei einer Prügelei für Prozesse im Kopf der Schläger abspielen.

"Aggressives Verhalten stimuliert direkt die Belohnungszentren des Gehirns. Verprügelt man jemanden, schüttet das Gehirn zunächst Stresshormone aus, aber auch Endorphine, also körpereigene Opiate, die direkt in die Belohnungszentren gehen. Das sind starke neurochemische Reaktionen, die antidepressiv und stimmungsaufhellend wirken. Sie fühlen sich großartig, wie in einer Art Rausch. Deswegen gehören Hooligans auch nicht wie Kriminelle ins Gefängnis gesperrt, sondern in eine Art Suchtklinik eingeliefert."

Stadionverbote sinnvoll: Elbert fordert soziale Ausgrenzung der Hooligans

Im Fußball und in der Gesellschaft weiß man nicht so recht, wie man mit dem Hooligans umgehen soll. Der Psychologe hat auch hier eine klare Vorstellung: "Die Gesellschaft muss hier ganz klare Zeichen setzen: Hooligans müssen bezahlen für das, was sie anrichten. Nicht nur finanziell, sondern auch durch Ausschluss aus der eigenen Gruppe, aus dem Verein." Sie sollen mit Stadionverbot belegt werden, so dass sie kein Fußballstadion mehr betreten. Er fordert zudem einheitliche Regelungen und Sanktionsmechanismen, die bei Gewaltanwendung greifen.

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jko/loc/news.de

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