MotoGP 2015 am Sachsenring: Stefan Bradl nur Zuschauer: So hat der Rennfahrer getippt

Beim Großen Preis von Deutschland am Sachsenring ist MotoGP-Pilot Stefan Bradl nur Zaungast. Im Interview verrät er seinen Siegkandidaten und äußert harsche Kritik an der deutschen Nachwuchsförderung im Motorrad-Sport.

Ausgerechnet die beliebteste der drei Klassen in der Motorrad-WM 2015 wird beim Großen Preis von Deutschland auf dem Sachsenring ohne deutsche Beteiligung stattfinden. MotoGP-Pilot Stefan Bradl musste seinen Start schweren Herzens absagen, nachdem er sich in Assen vor zwei Wochen einen Kahnbeinbruch im rechten Handgelenk zugezogen hatte.

Stefan Bradl muss bei seinem Heimrennen am Sachsenring pausieren. Bild: dpa

Stefan Bradl pausiert beim MotoGP-Rennen am Sachsenring 2015

"Es hätte keinen Sinn gemacht, hier zu starten. Ich kann noch nicht einmal Liegestütze machen oder einen normalen Scooter fahren", erklärt der Zahlinger im Gespräch mit news.de. Die Ärzte hätten ihn für verrückt erklärt, wäre er trotzdem an den Start gegangen. Sechs bis acht Wochen soll die Reha dauern. Bradl hofft daher, spätestens beim nächsten Rennen in Indianapolis wieder fit zu sein.

"Uns kommt die dreiwöchige Sommerpause etwas entgegen", sagt Bradl, "sie kann ich nutzen, um wieder gesund zu werden". Jeden Tag wird er im Medical Center vorstellig, trainiert fleißig mit seinen Ärzten und Physios, um wieder Beweglichkeit in seine Hand zu bringen. Bereits 2013 musste der 25-Jährige krankheitsbedingt pausieren. Damals verletzte er sich in Malaysia am Fuß.

Lesen Sie hier: Deutschland-GP mit Highlights - aber ohne Stefan Bradl.

"Seuchen-Saison" für Bradl: Wechsel zu Forward Racing schwieriger als gedacht

Die jetzige Verletzung ist der traurige Höhepunkt einer wahren "Seuchen-Saison", wie Bradl sie selbst nennt. Nach dem Wechsel von LCR Honda zu Forward Racing hatte er mit vielen Problemen am Bike zu kämpfen, liegt momentan mit mageren neun Punkten auf Platz 19 der WM-Wertung. Allein in vier von acht Rennen fiel er aus.

Zuletzt aber zeigte die Leistungskurve nach oben: In Valencia konnte Bradl mit Platz acht sein bisher bestes Saisonergebnis einfahren. Daran will er - trotz Verletzung - anknüpfen. "Wir wollen weiter um den Sieg in der Open-Klasse kämpfen. Es sind noch viele Rennen und ich habe ein immer besseres Gefühl für das Bike bekommen", bestätigt Bradl.

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Marc Márquez als Favorit auf den Sieg: Stefan Bradls Prognose am Sachsenring

Am Sachsenring wird er das jedoch nicht umsetzen können. "Es ist das erste Mal, dass ich das Rennen vor Ort nur als Zuschauer sehen werde. Das ist mal was Neues, aber natürlich habe ich mir das eigentlich anders vorgestellt", gibt der MotoGP-Pilot zu. Als Favorit auf einen Sieg am Sachsenring sieht er ganz klar Marc Márquez: "Er ist hier einfach der Stärkste."

Aber auch mit Dani Pedrosa und den Yamaha-Piloten Jorge Lorenzo und Valentino Rossi sei auf dem Podium zu rechnen, so Bradl. Der Zahlinger selbst wird im Rennen vom Italiener Claudio Corti ersetzt, der bereits 2013 für Forward Racing in der MotoGP antrat.

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Das Qualifying am Sachsenring: Alle Infos dazu hier.

Kritik von Stefan Bradl: Deutsche Nachwuchsförderung hat verschlafen

Angesprochen auf den deutschen Nachwuchs und das Publikumsinteresse am Motorradsport, zeigt sich Bradl pessimistisch. "Da wird in den nächsten zehn Jahren nicht viel passieren, weil einfach niemand nachkommt", erklärt der 25-Jährige. Italien und Spanien seien diesbezüglich viel weiter. Hier gebe es zahlreiche Nachwuchsserien, die auf die Motorrad-WM vorbereiten.

"Da hat bei uns vor allem die IDM den Anschluss verpasst", findet Bradl. "Wir haben über alle Klassen verteilt gerade einmal fünf permanente Starter. Das ist zu wenig." Dementsprechend gering sei auch das deutschlandweite Interesse an der MotoGP - von den Zuschauermassen am Sachsenring mal abgesehen. Bis neue Jungtalente das ändern, wird es wohl noch eine Weile dauern.

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zij/news.de

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