Von news.de-Redakteurin Juliane Ziegengeist, Sachsenring - 10.07.2015, 11.01 Uhr

MotoGP 2015 auf dem Sachsenring: Pol Espargaró will dem "Ärger auch mal Luft machen"

Er ist der Sunnyboy der MotoGP, doch in diesem Jahr hatte Pol Espargaró zu kämpfen. Zuletzt ging es mit seiner Yamaha dann aber doch wieder bergauf. Im Interview verrät der Rennfahrer, was er vom Sachsenring hält und wann er auch mal richtig mies gelaunt ist.

Der Spanier Pol Espargaró fährt 2015 in seinem zweiten MotoGP-Jahr für das französische Tech3-Team. Doch bisher lief es durchwachsen für den 24-Jährigen. Unter anderem warfen ihn Probleme mit dem bei Motorradfahrern allseits bekannten Armpump zurück. Doch in Assen gelang mit Platz 5 zuletzt wird ein respektables Ergebnis, an das er auf dem Sachsenring nur allzu gern anknüpfen würde.

Lesen Sie hier: Deutschland-GP mit Highlights - aber ohne Stefan Bradl.

Pol Espargaró vor dem Sachsenring-Rennen 2015 der MotoGP 2015: "Ich mag die Strecke"

Nach dem Rennen in Assen und deinem fünften Platz bist du sicher umso motivierter, auch hier am Sachsenring ein gutes Resultat einzufahren, oder?

Pol Espargaró: Ja, auf jeden Fall. Assen war wie ein Befreiungsschlag - erst recht nach meinem verkorksten Heim-Grand-Prix. Ich war im Rennen gestürzt und mein Gefühl war nicht das Beste. Dann hatten wir Tests, die auch nicht verliefen wie erhofft, weil es regnete. Da tut ein Resultat wie das in Assen natürlich gut. Das verleiht einem neue Energie.

Zum Thema: MotoGP in Assen - Rossi rast Marquez davon!

Was glaubst, du ist auf dem Sachsenring machbar?

Pol Espargaró: Im letzten Jahr waren wir hier ziemlich gut. Aber in diesem Jahr hatte ich schon ein paar Probleme, deshalb ist es schwer zu sagen. Es ist also nicht so leicht wie letztes Jahr. Ich freue mich aber trotzdem darauf, denn die Strecke ist außergewöhnlich. Sie ist sehr kurz, du musst ständig bremsen und wieder beschleunigen. Das ist auch physisch anstrengend. Aber ich mag die Strecke.

Pol Espargaró fährt in seinem zweiten MotoGP-Jahr für Monster Yamaha Tech3. Bild: dpa

Du sagtest es schon: Der Sachsenring hat ein außergewöhnliches Streckenlayout. Auf was kommt es hier besonders an?

Pol Espargaró: Es kommt auf das Gesamtpaket an. Vor allem Probleme in den Kurven können hier das Aus bedeuten. Hier gibt es sehr lang gezogene, aber auch sehr schmale Kurven. Da muss man den richtigen Kompromiss finden. In Assen zum Beispiel hast du im Vergleich viele lange, schnelle Kurven und der High-Speed-Anteil ist viel höher. Hier am Sachsenring hast du beides, schnelle und enge Kurven. Darauf musst du dein Bike einstellen.

Bruderduell in der MotoGP: Pol Espargaró kämpft nicht gerne gegen Aleix

In Assen hattest du einige Zweikämpfe mit deinem Bruder Aleix Esparagaro. Können wir darauf auch hier hoffen?

Pol Espargaró: Vielleicht. (lacht) Aleix macht einen guten Job und zeigt, dass er auf der Suzuki sehr gute Rennen fahren kann, zum Teil sogar besser als wir. In Assen war wahrscheinlich der größte Fight, den ich mit meinem Bruder überhaupt jemals auf der Strecke hatte. Es gab einige Überholmanöver. Und natürlich ist es irgendwie lustig, mit ihm um Plätze zu kämpfen. Aber für mich ist es nicht unbedingt der beste Weg, ein Rennen zu fahren. Weil ich es nicht wirklich mag, gegen ihn zu kämpfen. Aber es war okay.

Diskutiert ihr nach so einem Rennen, was passiert gibt, oder gibt es vielleicht sogar mal Streit darüber?

Pol Espargaró: Nein, eigentlich nicht. Wir versuchen, uns auf der Strecke zu respektieren. Wenn wir uns überholen müssen, dann tun wir das, so sauber es geht, und versuchen, uns nicht zu behindern. Wir behalten den Respekt auf und abseits der Strecke. Und wir versuchen, zu vergessen, was auf der Strecke passiert ist. Das ist nicht immer einfach. Aber wir arbeiten daran, dass unsere Beziehung so bleibt wie immer.

FOTOS: Rossi, Marquez, Lorenzo Die Gesichter der MotoGP
zurück Weiter Er ist der Star der MotoGP-Szene: Valentino Rossi. Der Italiener hat neun Weltmeistertitel eingefahren, sieben davon in der Königsklasse. (Foto) Foto: dpa/Ettore Ferrari Kamera

Immer gut gelaunt? Auch Strahlemann Pol verrät beim Sachsenring: Bin auch mal schlecht drauf

Ihr beiden seid soetwas wie die Sunnyboys der MotoGP - immer am Lächeln und Herumalbern. Gibt es auch Momente, in denen du richtig verärgert und mies gelaunt bist und das auch rauslässt?

Pol Espargaró: Die gibt es natürlich. Vor allem, wenn du nach einem schlechten Ergebnis in die Box fährst. Dann kannst du nicht lächeln und glücklich sein. Das ist der schlimmste Moment für einen Fahrer - wenn alles falsch läuft. Dann ist es auch wichtig, dass du den Ärger rauslässt. Das Team muss das sehen können, deinen inneren Kampf, dein Feuer. Und natürlich bin ich auch mal schlecht drauf, wenn ich alleine bin. Vor den Fans versuche ich das aber nicht zu zeigen, selbst wenn etwas nicht gut läuft.

Rennwochenenden wie dieses sind sicher immer sehr stressig. Du hast Pressetermine, Trainings, das Rennen. Bleibt da überhaupt Zeit, etwas von Land und Leuten zu sehen?

Pol Espargaró: Ja, ein bisschen schon. Am Mittwoch war ich ein wenig in der Stadt unterwegs und habe mich entspannt. Und auch am Donnerstag hat man immer noch etwas Luft, abends raus und vielleicht etwas essen zu gehen, weil noch nicht so viele Leute da sind. Aber spätestens ab Freitag kannst du das vergessen. Da muss man sich voll auf die Arbeit konzentrieren und fällt abends todmüde ins Bett.

Hattest du denn die Gelegenheit, ein bisschen deutsch zu lernen?

Pol Espargaró: Ich kenne "Dankeschön", aber sonst leider nicht sehr viel. Meine Pressebetreuerin ist Deutsche und versucht immer mal wieder, mir etwas beizubringen. Aber es ist schwierig, bei so vielen Sprachen - Spanisch, Italienisch, Englisch, Französisch usw.

FOTOS: Extremsport Die irrsten Weltrekorde

Pol Espargaró über die Zukunft: Bleibt er bei Yamaha und Tech3?

Nach dem Sachsenring steht eine dreiwöchige Sommerpause an. Eine wirkliche Pause ist das für dich aber nicht. Du wirst in Suzuka fahren, nicht?

Pol Espargaró: Ja, genau, ich fahre die 8 Stunden von Suzuka. Es wird also nicht viel Zeit zum Ausruhen bleiben. Aber das ist mein Job. Andere arbeiten den ganzen Tag im Büro und müssen Überstunden machen, wenn der Boss anruft. Da kann man auch nicht einfach Nein sagen. Aber es ist nicht nur ein Job, es ist meine Leidenschaft, mein Traum. Deshalb bin ich sehr dankbar - auch dafür, dass ich für Yamaha in Suzuka antreten und vielleicht das Rennen gewinnen kann.

Die Saison ist nach dem Sachsenring gerade mal zur Hälfte gelaufen. Es stehen noch einige Rennen auf dem Plan. Wo siehst du dich in der zweiten Saisonhälfte?

Pol Espargaró: Ich möchte natürlich die Lücke zur den Topfahrern in der Weltmeisterschaft schließen. In der ersten Saisonhälfte hatte ich zu kämpfen, bin gestürzt und einmal von einem anderen Fahrern abgeräumt worden. In diesen Rennen haben wir viele Punkte verloren. Wir müssen die Rennen also zuerst einmal beenden und uns auf das richtige Setup konzentrieren. Wir wollen an Assen anknüpfen und uns weiter verbessern.

In der kommenden Saison wird es ein paar Neuerungen u.a. bei den Reifen geben. Bist du dann noch bei Tech-3-Yamaha oder möglicherweise bei einem anderen Team?

Pol Espargaró: Das weiß ich noch nicht. Es gibt Gespräche, aber es ist natürlich nicht einfach, weil sich im nächsten Jahr so viel ändern wird. Aber es haben sich einige Türen geöffnet, so dass wir in der Position sind, aus verschiedenen Optionen zu wählen. Ich fühle mich hier bei Tech 3 sehr wohl, das Team arbeitet sehr professionell. Man weiß allerdings nie genau, was die Zukunft bringt. Das nächste Jahr wird auf jeden Fall spannend - ob in diesem Team oder in einem anderen. Neue Reifen, neue Elektronik, vielleicht ein neues Bike: Das wird eine schwierige Herausforderung. Aber ich freue mich drauf.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.

zij/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser