Schwule Stars: Warum nur wenige Sportler ein Coming-out wagen

Thomas Hitzlsperger hat es getan, Tom Daley und nun auch Ian Thorpe. Der frühere Schwimmstar hat sich als schwul geoutet - nach Jahren der Selbstverleugnung. Im Sport bleibt er damit weiter die Ausnahme. Denn viele schwule Athleten halten ihre Homosexualität bewusst geheim.

«Damit es klar ist, ich bin nicht schwul, und alle meine sexuellen Erfahrungen waren heterosexuell.» So hatte sich der australische Schwimmer Ian Thorpe noch 2012 in seiner Autobiografie This Is Me gegen die nicht enden wollenden Schwulengerüchte gewehrt. Doch seit wenigen Tagen ist alles anders. Thorpe hat sich geoutet. In einem ausführlichen TV-Interview mit Channel 10 stand er erstmals öffentlich zu seiner sexuellen Orientierung.

Ian Thorpe gibt Homosexualität auch gegenüber Familie erst spät preis

«Ein Teil von mir wusste nicht, ob Australien wollte, dass sein Champion schwul ist. Aber jetzt sage ich es nicht nur meinem Land, sondern der Welt. Und ich hoffe, dass es dadurch auch für Andere einfacher wird», erklärte Thorpe, warum er seine Homosexualität so lange für sich behielt. Selbst Familien und Freunden habe sich der mehrfache Olympiasieger erst in den vergangenen zwei Wochen offenbart.

Warum Oliver Kahn rät, sich nicht zu outen.

Öffentliches Coming-Out bleibt in der Sportwelt die Ausnahme

Was im Showbiz längst keine Randerscheinung mehr ist, bleibt im Sport die Ausnahme. So machen Hollywood-Stars trotz oder gerade wegen ihrer Homosexualität Karriere. Man denke nur an Ellen DeGeneres, Jody Foster und Neil Patrick Harris. Vor nicht allzu langer Zeit outeten sich auch Ellen Page und Wentworth Miller. Doch wenn es um Fußball, Baseball oder eben Schwimmen geht, wagen (noch) wenige Athleten das Coming-Out. Dabei sind sich Experten sicher, dass es viele schwule Stars gibt.

Lesen Sie hier, was Ex-Fußballer Marcus Urabn über schwule Spieler bei der WM 2014 sagt.

FOTOS: Schwule und Lesben Diese Sportler haben sich geoutet

In Deutschland war es zuletzt Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, der sich öffentlich als schwul bekannte. Er ging diesen Schritt erst nach seiner aktiven Fußball-Karriere, verdingt sich mittlerweile aber erfolgreich als Experte im TV wie etwa während der WM 2014 für das ZDF. In Großbritannien sorgte Wasserspringer Tom Daley, Weltmeister 2009, mit dem Geständnis für Schlagzeilen, dass er derzeit einen Jungen date. Sein YouTube-Video wurde über 11 Millionen Mal geklickt.

Schwule Stars haben Angst vor Reaktion von Kollegen, Fans, Sponsoren

Mittlerweile haben auch Sportarten wie Basketball (Jason Collins), American Football (Michael Sam) und Rugby (Gareth Thomas) ihre schwulen Stars. Doch sie stehen weitestgehend allein. Zu groß ist die Angst vor den Reaktionen der Kollegen, mit denen man so eng und eben auch körperlich zusammenarbeitet. Zu groß ist die Angst vor den Reaktionen der Fans, unter denen Homophobie gerade bei besonders männlichen Sportarten noch immer weit verbreitet ist.

Hinzu kommen Werbepartner und Sponsoren, die im Fall eines Coming-Outs abspringen können. Etwa weil es nicht zum Image der Marke passe und die gesellschaftliche Akzeptanz nicht hinreichend gegeben sei. So verlor Schwimmer Mark Tewksbury einen Werbedeal, weil er zu offen schwul sei. Das wohl tragischste Schicksal erlebte aber Fußballer Justin Fashanu. Er wurde wegen seiner Homosexualität aus dem Verein entlassen und nahm sich 1998 das Leben.

FOTOS: Homosexuelle Stars «Ich bin schwul, und das ist auch gut so»

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zij/news.de

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