Von news.de-Kolumnist Prof. Daniel Memmert - 28.06.2014, 07.00 Uhr

WM 2014: Achtelfinale Brasilien vs. Chile: Alleinunterhalter Neymar! So hätte Chile Brasilien knacken können

Brasilien muss zum Auftakt der K.o.-Runde der Fußball-WM 2014 gegen Chile ran. Fußball-Professor und news.de-Kolumnist Daniel Memmert kennt die Schwachstellen der Gastgeber. Unfreiwillig spielt dabei auch Superstar Neymar eine Rolle.

An diesem Samstag, 28. Juni 2014, beginnt bei der Fußball-WM 2014 die K.o.-Runde. Wie bereits in der Vorrunde eröffnet Gastgeber Brasilien die Achtelfinals. Taktik-Professor Daniel Memmert analysiert vor dem Spiel gegen den gar nicht mehr so geheimen Geheimfavoriten Chile in Belo Horizonte die Schwächen des WM-Gastgebers.

Als Heimmannschaft kennen die Brasilianer die Gegebenheiten natürlich am besten. Die Gastgeber werden von den Emotionen auf den Rängen, aber auch der Begeisterung im ganzen Land getragen. Das konnte man auch schon beim Confederations Cup im vergangenen Jahr erkennen, als dieses Team unter dem hohen Erwartungsdruck seine Meisterprüfung bestanden und das zunächst zweifelnde Publikum mitgerissen hat.

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Was können wir also von der favorisierten brasilianischen Mannschaft im Achtelfinalspiel gegen das flexible Team aus Chile erwarten?

WM-Achtelfinale 2014: Brasilien sucht den WM-Rhythmus - Selecao ist zweigeteilt

Taktisch gesehen können die Brasilianer hin und wieder auf einen Rhythmuswechsel im Spiel setzen: So kann die Mannschaft von Trainer Felipe Scolari etwa 15 Minuten lang einen extremen Offensivdruck entwickeln, um Tore zu erzielen. Wenn das nicht klappt, werden sie sich einige Minuten lang zurückziehen, verhaltener agieren und punktuell mit Kontern nach vorne stoßen.

Problematisch ist, dass die «Selecao» eine zweigeteilte Mannschaft ist - vor allem mit einem sehr stabilen Abwehrblock. Für die starke Defensive steht zum Beispiel das erfahrene Innenverteidiger-Pärchen mit Thiago Silva und David Luiz. Aber auch die Außenverteidiger-Positionen sind gut besetzt. Als Abräumer auf den Sechser-Positionen hat Trainer Scolari mit Luiz Gustavo und Paulinho zwei qualitativ hochwertige Spieler.

Beim eigenen Aufbauspiel in der Offensive liegt jedoch die Vermutung aus den Vorrundenspielen nahe, dass weniger einstudierte Mannschafts- oder Gruppentaktiken zum Tragen kommen, sondern dafür Eins-zu-eins-Spielsituationen gesucht werden. Hier sehen sich die Brasilianer mit Neymar und Co. individualtechnisch überlegen. Allerdings hat sich in der Mannschaft bisher nur ein schlagkräftiger, brandgefährlicher Stürmer herauskristallisiert: Neymar. Ob dies reicht gegen die in der Defensive starken und flexiblen Chilenen?

WM-Taktik Brasilien: Mangelnde Gruppen- und Teamtaktiken: Das sind die Schwachstellen

Schwachstellen könnten sich bei den Brasilianern im Mittelfeld auftun, wenn der Gegner den Ball dort erobert und die brasilianische Offensive schnell überspringt. Durch mangelnde Gruppen- und Mannschaftstaktiken mit und gegen den Ball können die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld plötzlich sehr groß werden und dem Gegner Möglichkeiten bieten. Dies war ansatzweise im zweiten und schlechtesten Gruppenspiel gegen Mexiko zu sehen.

Trotz der Probleme geht Brasilien als Favorit gegen Chile in das erste Achtelfinale der WM. Doch das Spiel gegen die starken Chilenen wird ein Gradmesser: Was passiert, wenn diese Mannschaft mal zurückliegt? Hat das Team die Mentalität, um zurückzukommen? Und wie verhalten sich die Zuschauer?

Daniel Memmert ist Institutsleiter und Professor am Institut für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seine wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. im Bereich der Sportspielforschung (u.a. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Kreativität, Spielintelligenz, Motivation). Er besitzt Trainerlizenzen in den Sportarten Fußball, Tennis, Snowboard sowie Ski-Alpin und ist Herausgeber und Autor von Lehrbüchern zu modernem Fußballtraining. Seine neueste, populärwissenschaftliche Veröffentlichung heißt: «Der Fußball. Die Wahrheit. Fußballspiele werden im Kopf entschieden» (gemeinsam mit Bernd Strauss und Daniel Theweleit). Nicht nur während der Fußball-WM ist Memmert für news.de als Kolumnist tätig.

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kru/news.de

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