Von news.de-Kolumnist Prof. Daniel Memmert - 17.06.2014, 13.17 Uhr

Belgien bei der Fußball-WM 2014: Das Geheimnis des Geheimfavoriten

Belgien gilt neben Chile als Geheimfavorit bei der WM 2014 in Brasilien - zu Recht? Taktik-Professor Daniel Memmert analysiert in seiner Kolumne die Stärken und Schwächen der Belgier und vergleicht das Team mit anderen Nationen wie England, Niederlande und Frankreich.

Als letzte Gruppe starteten die vier Teams der Gruppe H in die Fußball-WM 2014 in Brasilien. Gruppenfavorit Belgien (2:1 gegen Algerien) ist ein sicherer Tipp fürs Achtelfinale, vielleicht sogar für mehr?

Die Belgier verfügen über eine neue goldene Generation von Spielern, die bei Topteams in Europa spielen. Sie sind hochveranlagt. Alle Positionen sind zwei- bis dreimal hochwertig besetzt, da nahezu alle Spieler in europäischen Spitzenmannschaften spielen und einige dort auch Leistungsträger sind.

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Dies steht praktisch im Gegensatz zu anderen großen klangvollen Fußball-Nationen wie England oder Holland. Problem auf der Insel: Junge Talente leiden unter der Liga, da in der Premier Liga ungefähr 75 Prozent ausländische Spieler beschäftigt sind.

Belgien hat Probleme gegen gut organisierte Teams

Zudem sind bislang gegen gut geordnete Mannschaften (zum Beispiel Chile) noch keine Lösungen bei Ballbesitz erkennbar. Die Niederländer dagegen haben im Moment ebenfalls wenig Talente und sind quasi stehen geblieben in ihrer taktischen Entwicklung.

Gespannt sein darf man dagegen darauf, wie der ehemalige Schalker Profi und belgische Trainer Marc Wilmots aus seiner Jahrhundert-Generation ein Team bauen wird. Einiges wird auch davon abhängen, ob die Mannschaft aus dem kleinen, gesellschaftlich zerstrittenen Land eine emotionale Identität aufbauen kann.

Warum sollten die Belgier nicht ins Halbfinale kommen?

Ähnlich wie bei den Franzosen, die versuchen müssen ihr durchaus vorhandenes Potential (Benzema) trotz der immer wieder zu beobachteten Mentalitätsfrage bei Großturnieren und andauernden Gesellschaftsproblem abzurufen. Aber für beide Mannschaften stehen die Zeichen gut: Warum sollen die Belgier nicht ins Halbfinale kommen? Und aufgrund einer günstigen Auslosung können auch die Franzosen ein gutes Turnier spielen.

Daniel Memmert ist Institutsleiter und Professor am Institut für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Seine wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. im Bereich der Sportspielforschung(u.a. Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Kreativität, Spielintelligenz, Motivation). Er besitzt Trainerlizenzen in den Sportarten Fußball, Tennis, Snowboard sowie Ski-Alpin und ist Herausgeber und Autor von Lehrbüchern zu modernem Fußballtraining. Seine neueste, populärwissenschaftliche Veröffentlichung heißt: «Der Fußball. Die Wahrheit. Fußballspiele werden im Kopf entschieden» (gemeinsam mit Bernd Strauss und Daniel Theweleit). Nicht nur während der Fußball-WM ist Memmert für news.de als Kolumnist tätig.

FOTOS: Fußball Die Spitznamen der Nationalteams

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kru/news.de

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