Fußball: Klinsmanns setzt auf Jugend statt Routinier Donovan

Stanford - Jürgen Klinsmann setzt auf die Jugend - und lässt bei der Fußball-WM in Brasilien Amerikas prominentesten Profi außen vor. Der US-Nationaltrainer berief vier Bundesliga-Profis aber nicht Rekordtorjäger Landon Donovan in seinen 23er-WM-Kader.

Klinsmanns setzt auf Jugend statt Routinier Donovan Bild: John G. Mabanglo/dpa

Klinsmann sprach von einer «der härtesten Entscheidungen meiner Trainerkarriere», verteidigte aber auf einer Pressekonferenz im Trainingslager im kalifornischen Stanford noch einmal seinen Entschluss.

«Er hat unglaublich viel für den US-Fußball geleistet. Landon hat Vor- und Nachteile. Aber bei meiner Gesamtbeurteilung sehe ich einige Leute etwas vor ihm», so Klinsmann, der damit ausgerechnet den Profi mit der größten Erfahrung zuhause lässt. Der ehemalige Bundesliga-Profi von Bayer Leverkusen und Bayern München hat drei Weltmeisterschaften bestritten, ist mit zwölf WM-Partien und fünf WM-Toren US-Rekordmann. Die Nicht-Nominierung des 32 Jahre alten Donovan führte in Amerika zu reichlich Diskussionen.

«Es ist schwer, diese Nachricht zu schlucken. Ich denke, Landon ist offensiv einer unserer besten Spieler», meinte Torwart Tim Howard. Mittelfeldspieler Michael Bradley hatte betont, dann man Donovan brauche, wenn man in Brasilien weit kommen wolle. Donovans Club-Trainer bei Los Angeles Galaxy, Bruce Arena, nahm Klinsmanns Entscheidung mit purem Sarkasmus auf. «Wenn es 23 bessere Spieler als Landon gibt, dann haben wir auch eine Chance, Weltmeister zu werden.»

Statt auf Donovan setzt Ex-Bundestrainer Klinsmann auf junge deutsche Spieler wie den 21 Jahre alten John Brooks von Hertha BSC oder den erst 18-jährigen Julian Green von Bayern München, obwohl der beim deutschen Meister bislang fast nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam. Die beiden weiteren Bundesliga-Profis sind Timothy Chandler vom 1. FC Nürnberg und Fabian Johnson von 1899 Hoffenheim. Auch der Ex-Schalker Jermaine Jones von Besiktas Istanbul wurde in Deutschland geboren.

Klinsmann bestätigte mit diesem Aufgebot noch einmal seinen Mut zu unkonventionellen Entscheidungen, der ihn bereits in seiner Zeit als Bundestrainer von 2004 bis 2006 ausgezeichnet hatte. Auch die frühzeitige Bekanntgabe des endgültigen Kaders war eine Überraschung, eigentlich hatte er dafür noch bis zum 2. Juni Zeit.

«Nach zehn Tagen harter Arbeit im Trainingslager waren wir der Meinung, dass der Punkt gekommen ist, diese Entscheidung zu fällen», sagte Klinsmann. «Für die Spieler ist es wichtig, dass sie jetzt wissen, Teil des Teams zu sein und nach Brasilien zu fliegen. Außerdem können wir jetzt spezieller an taktischen und technischen Dingen arbeiten und uns gezielter auf unsere Gegner vorbereiten.»

Nur fünf Spieler des US-Teams verfügen über WM-Erfahrung. Doch Klinsmann ist überzeugt, mit seinen Youngstern die richtige Wahl getroffen zu haben. «Wir haben das Gefühl, dass sie bereit sind für ihre erste WM. Sie haben natürlich noch eine Lernkurve vor sich, aber sie könnten einige Leute durchaus überraschen.» Der 49-Jährige betonte, dass fehlende WM-Erfahrung durch gute Vorbereitung und daraus resultierendes Selbstbewusstsein auszugleichen sei. Wenn man in den kommenden Tagen hart arbeite, werde man sehr gut auf den ersten Gruppen-Gegner Ghana vorbereitet sein, meinte Klinsmann. «Die Spieler werden dann Selbstbewusstsein haben und keinerlei frühere WM-Erfahrungen brauchen.»

Er verwies auf seine eigene Karriere. «Ich bin bei meiner ersten WM gleich Weltmeister geworden - die beiden folgenden Weltmeisterschaften haben wir vergeigt», meinte Klinsmann mit einem Lächeln. Neben Donovan strich er auch den ehemaligen Augsburger Michael Parkhurst und den früheren Dortmunder Terrence Boyd aus seinem Aufgebot. Der endgültige Kader wird am Dienstag gegen das von Berti Vogts trainierte Aserbaidschan, am 1. Juni gegen die Türkei und am 7. Juni gegen Nigeria spielen, ehe es zur WM und dort am 26. Juni im letzten Vorrundenspiel gegen die deutsche Mannschaft geht.

Bericht Internetseite US Fußball-Verband

news.de/dpa

Empfehlungen für den news.de-Leser