Motorsport: Hamilton auf Crashkurs mit Rosberg

Monte Carlo - Auf seinem spezialgefertigten Motorrad röhrt Lewis Hamilton zum Dienstantritt in die Boxengasse von Monte Carlo. T-Shirt, verwaschene Jeans, Turnschuhe, verspiegelter Helm.

Hamilton auf Crashkurs mit Rosberg Bild: Valdrin Xhemaj/dpa

Coolness und Geschwindigkeit - keiner pflegt den Lebensstil der Formel 1 überzeugender als ihr aktueller Spitzenreiter. «Im Moment schätze ich mich einfach glücklich und genieße jede einzelne Minute», sagt der Mercedes-Pilot vor dem Grand-Prix-Klassiker in Monaco am Sonntag, in den er zum ersten Mal seit 700 Tagen als WM-Führender startet.

In seinem zweiten Jahr im Silberpfeil ist der Hobby-Rapper mit der Popstar-Freundin ganz bei sich selbst angekommen und wirkt derzeit schon fast so unschlagbar wie vor wenigen Monaten noch Sebastian Vettel. Der Titel führt in diesem Jahr nur über ihn. Jeder Pilot, dem wie dem 29-Jährigen vier Siege in Serie gelangen, ist danach auch Weltmeister geworden. Allein Teamkollege Nico Rosberg, mit drei Punkten Rückstand WM-Zweiter, könnte Hamilton wohl auf dem Weg zum zweiten Triumph noch ausbremsen.

Doch der Champion von 2008 wähnt sich gegen den Deutschen im Vorteil. «Ich komme aus einem schwierigen Londoner Vorort und habe auf der Couch in der Wohnung meines Vaters gelebt. Nico ist in Monaco mit Flugzeugen, Hotels, Booten und solchen Sachen aufgewachsen. Der Erfolgshunger ist ein anderer», erklärt Hamilton. «Und wer den Titel gewinnen will, der muss der Hungrigste sein.» Wie zum Beweis schnappte sich Hamilton am Donnerstag die Trainingsbestzeit - hauchdünne 0,03 Sekunden vor Rosberg.

Der Instinktfahrer hat die vielleicht einmalige Chance erkannt, die ihm der überlegene Silberpfeil in dieser Saison bietet. Siege allein sind ihm schon lange nicht mehr genug. Die perfekte Runde, Fahrten für die Geschichtsbücher, Legenden-Status - danach sehnt sich dieser Hamilton. «Jede einzelne Runde muss so sein, als ob es meine letzte wäre», sagt der 26-malige Grand-Prix-Gewinner am Yachthafen im polierten Motorhome seines Arbeitgebers.

Dieser Allesfresser-Ehrgeiz bedroht auch die lange Freundschaft zu Rosberg, der nun sein größter Gegner ist. «Irgendwann wird es krachen. Wenn die beiden weiter so ihr eigenes Rennen vor dem Feld fahren, wird die Wahrscheinlichkeit eines Crashs immer größer», sagt Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda dem Fachmagazin «Auto, Motor und Sport».

Noch betonen beide ausdauernd, das knallharte Duell auf der Strecke werde nicht zum Bruch zwischen ihnen führen. Rosberg versichert, Monaco-Nachbar Hamilton dürfe sich auch künftig weiter aus seinem Kühlschrank bedienen. Hamilton indes sagt: «Wenn man so miteinander konkurriert, ist es unmöglich, beste Freunde zu sein. Aber der Respekt bleibt immer.»

Leicht gesagt. In Wahrheit kann Hamilton in diesen Tagen keine Rücksicht nehmen, auch nicht auf Rosberg. Die Spielchen haben längst begonnen. Beide versuchen immer wieder, den anderen bei der Abstimmung des Autos zu narren. Um den Zweikampf auf der Strecke in geordnete Bahnen zu lenken, müssen sich die Mercedes-Fahrer einen Rennstrategen teilen. Doch wie lange hält der Frieden noch?

Hamilton zumindest will alles dafür tun, damit Rosberg bald aus seinem Rückspiegel verschwindet. «Ich habe noch mehr in mir, ich kann noch mehr aus diesem Auto herausholen», verspricht er. Sein Wunsch für das Rennen am Sonntag? «Erster werden, vor Fernando Alonso und Sebastian Vettel.»

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news.de/dpa

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