Fußball-Buch: 111 Gründe, Bayern München zu hassen

Das DFB-Pokalfinale 2014 war wieder so ein Spiel: schlecht gekickt, vom Schiedsrichter bevorzugt, in der Verlängerung. Für alle, die den FC Bayern dafür hassen, gibt es jetzt das passende Buch.

Für insgesamt 15 derzeitige Bundesligisten und 6 Zweitligisten gibt es im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf ein Buch namens «111 Gründe, [Name des Vereins] zu lieben». Nur für einen Club gibt es das Gegenstück, ein Hassbuch. Dieser Club ist der FC Bayern München, der am Wochenende mit seinem Sieg beim DFB-Pokalfinale 2014 einen Anlass mehr für die Lektüre von «111 Gründe, Bayern München zu hassen» lieferte. Sie dürfte bei allen rechtschaffenen Fußballfans für viel gute Laune sorgen.

Die Reaktionen zum DFB-Pokalfinale 2014
Bayern vs. Dortmund
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Was den FC Bayern München so unsympathisch macht

Der Band, herausgegeben von Martin Brinkmann, ist eine sehr gute Annäherung an die Frage, was den deutschen Rekordmeister so unsympathisch macht. 66 Autoren steuern die insgesamt 111 Gründe bei. Es gibt reichlich wunderbare Anekdoten und insgesamt einen leidenschaftlichen, amüsanten und kenntnisreichen Blick auf den Fußball, weit über Stammtisch-Niveau. Viele der Verfasser waren schon an der Reihe «Wir sind der zwölfte Mann - Fußball ist unsere Liebe» beteiligt, in der sie über ihr jeweiliges Lieblingsteam schwärmen durften.

Bayern-Gegner sparen Skandale des Rekordvereins aus

Diese Perspektive prägt auch «111 Gründe, Bayern München zu hassen». Fast immer berichten die Autoren von ihren leidvollen Erfahrungen als Anhänger des jeweiligen Bayern-Gegners. Etliche der wenig ruhmreichen Schlagzeilen, die der «FC Hollywood» produziert hat, fehlen dabei erstaunlicherweise. Klinsmann und die Tonne, die Entlarvung von Kokain-Daum, der Anti-Meister der Herzen 2001: All das ist vertreten und hassenswert genug.

Aber Franck Ribéry im Puff mit einer Minderjährigen fehlt, die Steuer-Affäre von Uli Hoeneß wird nur am Rande erwähnt und Giovanni Trapattonis Wutrede kommt erst ganz zum Schluss. Auch das Techtelmechtel von Lothar Matthäus mit der Tochter von Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt spielt in diesem Buch keine Rolle, ebenso das Missgeschick von Karl-Heinz Rummenigge, eine größere Rolex-Lieferung nicht beim Zoll anzugeben, oder das nicht ganz folgenlose Aufeinandertreffen des brasilianischen Abwehrspielers Breno Vinícius Rodrigues Borges (alias Breno) mit einer Packung Streichhölzer.

Uli Hoeneß als rotes Tuch: die personifizierte Arroganz

Dass solche Skandale fehlen, zeigt aber erst recht: Hassenswert an diesem Verein ist in erster Linie die Monotonie seiner Siege, ihre Anzahl und ihr Zustandekommen. Und Uli Hoeneß, immer wieder Uli Hoeneß. Der Ex-Manager kommt in gefühlt jedem Text dieses Buches vor, er ist stets ein rotes Tuch und hat offensichtlich jeden Euro auf dem berühmten Festgeldkonto des Rekordmeisters mit Unmengen von Sympathie-Minuspunkten und schlechtem Karma bezahlt.

FOTOS: Hoeneß & Co. Die größten Betrüger des Sports
zurück Weiter Uli Hoeneß (Foto) Foto: dpa/David Ebener Kamera

Hoeneß steht für die sprichwörtliche Arroganz des Clubs, der eine seiner unerträglichen Vereinshymnen «Forever Number One» genannt hat. Er personifiziert die vollkommen unsouveräne Art, mit der Dominanz, mit jedem Popel-Titel auch noch zu prahlen. Und er verkörpert, wann immer sich seine Gesichtsfarbe den Vereinsfarben annähert, die noch unsympathischere Eigenschaft, bei jeder der seltenen Niederlagen zuerst eine Weltverschwörung zu wittern und dann eine Prophezeiung künftiger Unbesiegbarkeit vom Stapel zu lassen.

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