Fußball: Public Viewing im HSV-Stadion: Dino will nicht sterben

Hamburg - Für die HSV-Fans war es ein Schrecken mit Happy End - und eine Partie, wie sie dramatischer kaum hätte sein können: Während sich die Profis 600 Kilometer entfernt zum Abpfiff zittern, durchleiden 20 000 hartgesottene Fans in der Imtech-Arena eine wahre Kneipp-Kur der Gefühle.

Public Viewing im HSV-Stadion: Dino will nicht sterben Bild: Axel Heimken/dpa

Mit einem 1:1 (1:0) im Relegations-Rückspiel beim Zweitliga-Dritten SpVgg Greuther Fürth rettet sich der Hamburger SV vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit.

52 Quadratmeter nur ist ihr «Rasen», die riesige Leinwand, diesmal groß. Doch den Abstiegskrimi in Fürth verwandeln die Fans beim Public Viewing in der Hansestadt fast zu einem Heimspiel. Vor der Nord-Tribüne gibt Lokalmatador Lotto King Karl den Anheizer. Über einem Kran schwebt er über der Menge. Erst beschwört Lotto die HSV-Spielaufstellung im Echo mit den Fans. Dann rollt seine Hymne «Hamburg, meine Perle» unisono aus tausenden von Kehlen. Maskottchen Dino Hermann tanzt hinternschwingend mit. Eine Welle blau-weißer Schals und Fahnen trägt das Lied über die Tribüne.

Immer mehr Nachzügler kommen ins Stadion, die Nordtribüne quirlt über, die Fans weichen auf die Seiten aus. Gellende Pfiffe brausen bei jedem Fürther Foul durch die Ränge. «Hamburg», bellen die Anhänger neben einigen «Steht auf»-Parolen. Schon in der ersten Viertelstunde steht das Greuther-Tor unter Dauerfeuer. Jeder Schuss wird von den Anhängern mit einem noch lauteren «Ah!» quittiert. Pfostenschuss Calhanoglu. Nun hält es in Hamburg keinen mehr auf den Sitzen. Ein passenderes Timing hätten sie kaum finden können: Eckball Van der Vaart, Torjäger Pierre-Michel Lasogga netzt per Kopf ein - und die Hanseaten wirbeln auf den Rängen.

Lotto King Karl scherzt: In der Hamburger Arena seien mehr Zuschauer als am eigentlichen Austragungsungsort - und dort schauen 18 000 zu. Doch nach der Pause dreht sich das Spiel: Stephan Fürstners Gegentor (59.) lässt die Hanseaten kurz verstummen. «Auswärtssieg» und «Auf geht's Hamburg schieß ein Tor» - der harte Fan-Kern vor der Leinwand brüllt die anderen sodann aus ihrer Schockstarre. Gemeinsam feiern sie die rettenden Paraden ihres Ersatz-Keepers Jaroslav Drobny. Bei jedem Ballkontakt des HSV geht ein Raunen durch das Stadion.

Nachspielzeit - ein Pfeifkonzert schwillt sekündlich an. Dann der befreiende Abpfiff. Minutenlanger Jubel. Böller fliegen in die Luft. Konfetti flattert von einem Zuschauer-Rang. «We will rock you» brummt es aus den Boxen. Vor dem Publikum schüttelt Lotto King Karl eine Rassel und singt «Hamburg, meine Perle»: 50 Jahre, 267 Tage, 2 Stunden, 15 Minuten: Der Bundesliga-Ticker, er läuft weiter. Und der Dino darf bleiben.

news.de/dpa

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