Fußball: HSV am Abgrund - Fürther selbstsicher vor Rückspiel

Hamburg - Die Bundesliga-Zeit des Hamburger SV war schon nach dem ersten Relegationsspiel abgelaufen. Gut eine Stunde nach dem 0:0 gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth blieb die digitale Bundesliga-Uhr im Stadion des «ewigen Fußball-Erstligisten» stehen.

HSV am Abgrund - Fürther selbstsicher vor Rückspiel Bild: Christian Charisius/dpa

Was zunächst nach einem höheren Zeichen aussah, stellte sich am nächsten Tag als Versehen heraus. Die Stadiontechniker hatten vergessen, an diesem Abend die Zeitschaltuhr, die die Stromversorgung bis zum Morgen unterbricht, auszuschalten.

Für die Fürther soll hingegen am Sonntag im Rückspiel ein neues Zeitalter anbrechen. Nur noch ein Spiel trennt die Franken von der Rückkehr in die Bundesliga. «Das Selbstvertrauen ist noch größer geworden. Das Ziel ist groß, aber nah», sagte der Sportliche Leiter Rouven Schröder am Freitag zwei Tage vor der entscheidenden Partie vor eigener Kulisse. «Wir gehen zielstrebig unseren Weg und sind wild entschlossen, um uns durchzusetzen», meinte Trainer Frank Kramer, dem im Rückspiel vor 18 000 Zuschauern nur der gesperrte Niko Gießelmann fehlen wird.

Der HSV steht indes nach dem enttäuschenden Auftritt gegen die gut organisierten Franken mit den Schuhspitzen am Abgrund zur 2. Liga - ob nun mit oder ohne Uhr. «Es ist noch nix passiert», protestierte Stürmer Pierre-Michel Lasogga, der äußerst blass blieb. «Wir sind voller Überzeugung, dass wir das Ding in Fürth ziehen.»

Bisher hatten die Hamburger in der schlechtesten von 51 Bundesliga-Serien Glück. Ob ihnen das im Relegationsrückspiel am Sonntag (17.00 Uhr) in Fürth erneut hold ist, scheint fraglich. Die abwehr- und konterstarken Franken, gehüllt in die aggressive Signalfarbe Orange, waren die bessere Mannschaft. «Wir hätten mehr mitnehmen müssen», meinte Trainer Kramer. Sein Top-Torjäger Ilir Azemi, an dem der HSV Interesse hat, fällte nach dem 90-minütigen Studium des nur vom Namen her mächtigen Rivalen ein deutliches Urteil: «Ich bin überzeugt, dass wir aufsteigen.»

Vom unter die Haut gehenden Chorgesang Tausender HSV-Fans («Immer 1. Liga») schienen die Gastgeber noch schwerere Beine als ohnehin schon bekommen zu haben. «Der Druck kommt hinzu, das macht es komplizierter», gestand Marcell Jansen, der einen Tag zuvor von Bundestrainer Joachim Löw aus dem WM-Kader aussortiert worden war. Selbst Boxweltmeister Wladimir Klitschko war erstaunt über die schwache Vorstellung: «Das Team war nervös und schlecht organisiert», lautete seine Analyse.

Beim HSV ist jedoch Zuversicht Pflicht. «Wir haben in der Bundesliga auswärts eigentlich immer getroffen. Warum sollten wir nicht in Fürth treffen?», entgegnete Trainer Mirko Slomka trotzig. Der 46 Jahre alte Coach ist darauf bedacht, bloß keine Zweifel in seinem Team aufkommen zu lassen. «Die Stimmung ist sehr kämpferisch», berichtete Slomka über die Atmosphäre in der Kabine und schaute dabei in ungläubige Gesichter.

In Anbetracht der Auswärtsschwäche der Hamburger, die seit neun Begegnungen auf des Gegners Platz nicht mehr gewannen, ist Slomkas Sichtweise schwer nachvollziehbar. Er selbst ist auswärts schon seit mehr als einem Jahr sieglos. Sein letzter Erfolg datiert aus dem April 2013. Gegner seiner damaligen Mannschaft Hannover 96: Greuther Fürth.

Den Optimismus kann Uli Stein überhaupt nicht teilen. «Beim HSV gibt es keine Führungsspieler. Die sprechen nicht miteinander. Das ist eine leblose Mannschaft», polterte der frühere HSV-Torwart. «Das einzig Positive ist das Ergebnis.» Stein attestierte Greuther Fürth einen überlegenen Teamgeist. «Die hatten Spaß am Spiel, der HSV nicht.» Am meisten habe ihn erschrocken, «dass der Zweitligist mehr Kondition hatte als der Erstligist».

Einige Hamburger Profis scheinen ihre klangvolleren Namen und Nationalmannschaftsbilanzen als Unterpfand für den Klassenverbleib anzusehen. Als Grund für die angebliche Überlegenheit des Bundesligisten nannte Lasogga «unsere Klasse: Ich glaube, dass wir auf jeder Position besser besetzt sind.» Wenn er sich da mal nicht täuscht. Auch Kapitän Rafael van der Vaart legt sich fest: «So ein schöner Verein gehört einfach in die Bundesliga.»

news.de/dpa

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