Fußball: Hannover vor Umbau - Ultra-Fans prügeln

Hannover - Die Party begann, als die Ultras verstummt waren und das Stadion verlassen hatten. Die Masse der Zuschauer feierte in Hannover nach dem 3:2-Sieg gegen den SC Freiburg das halbwegs versöhnliche Ende einer wenig berauschenden Saison.

Hannover vor Umbau - Ultra-Fans prügeln Bild: Peter Steffen/dpa

Zuvor hatte es aber sogar Prügeleien gegeben - ein deutliches Zeichen der Zerrissenheit der 96-Anhängerschaft, die auch verbal offenkundig wurde. «Kind muss weg», forderten einige hundert Anhänger - Tausende von Fans konterten lautstark mit der unmissverständlichen Forderung: «Ultras raus!»

Martin Kind, der umstrittene Boss des niedersächsischen Fußball-Bundesligisten, wollte den Riss in der Anhängerschaft erneut nicht dramatisieren: «Das sind 200 Leute, das ist nicht die Mehrheit.» Dirk Dufner kommentierte erleichtert: «Das war ein klares Votum von einem Großteil des Publikums, dass man eine positive Stimmung haben will.» Für den Manager beginnt nun die Arbeit, einen Kader neu zu formieren, um wieder andere sportliche Ziele in Angriff nehmen zu können.

Dank des durchaus mühevollen Sieges gegen Freiburg mit Toren von Szabolcs Huszti (45. Minute), Artjoms Rudnevs (65.) und Edgar Prib (80.) sowie Gegentreffern von Jonathan Schmidt (50.) und Philipp Zulechner (78.) verbesserte sich Hannover immerhin noch auf Platz zehn. Doch das ist weit von dem entfernt, was Kind selber als Ziel ausgegeben hatte. Platz vier bis sechs war seine forsche Ansage nach zwei Jahren im Europapokal. Doch es kam anders.

«Wir wollen nicht noch einmal so ein Saison erleben», betonte Tayfun Korkut. Mit dem Trainer, der zur Jahreswende als Nachfolger von Mirko Slomka verpflichtet worden war, verhinderte 96 Schlimmeres. Doch Korkut ist ebenso wie Kind und Dufner klar, dass es nach dem misslungenen Umbruch des Teams einen erneuten Umbau geben muss.

Knapp zehn Millionen Euro hatte Hannover für neue Spieler investiert, so viel wie noch nie. Aber statt des Kampfes um die internationalen Plätze reichte es nur zum ersten Platz der unteren Tabellenhälfte. «Da gibt es einiges, was wir analysieren und verbessern wollen», gab Dufner zu.

Drei Nachwuchsspieler hat Hannover bereits verpflichtet. Wie viele Neue folgen, «hängt davon ab, mit wem wir verlängern und wer den Verein verlässt». Christian Schulz hat als erster Leistungsträger einen neuen Zweijahresvertrag unterschrieben. Leon Andreasen und Didier Ya Konan sollen folgen. «Da sind wir mitten drin», berichtete der Manager von den Gesprächen: «Da habe ich ein gutes Gefühl.»

Es gibt indes auch mehrere Spieler, die Hannover loswerden möchte. Kaum mehr Berücksichtigung fanden zuletzt beispielsweise Sebastien Pocognoli und Salif Sané. «Wir werden keine Spieler, die bei uns unter Vertrag sind, aktiv anbieten», erklärte der Manager. Falls es Interessenten geben würde, wäre der Club aber wohl gesprächsbereit.

Ein Kuriosum bleibt die Situation von Mame Diouf. Verabschiedet wurden vor dem Freiburg-Spiel Steven Cherundolo, der seine Karriere beendet, sowie František Rajtoral und Artjoms Rudnevs, deren Leihverträge enden. Aber Diouf, dessen Vertrag ausläuft, erhielt keine Blumen. Der Manager setzt auf die theoretische Möglichkeit, dass der Torjäger einen neuen Kontrakt unterschreibt. «Wir sind keine Fußball-Philantropen und wissen, dass die Chancen sehr gering sind.» Diouf wird Hannover wohl ohne Blumen verlassen.

news.de/dpa

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