Fußball: Die Tops und Flops der Bundesliga-Saison

Frankfurt/Main - Die 51. Saison der Fußball-Bundesliga hatte zwar keine Spannung in der Meisterfrage zu bieten, dafür aber viele andere Geschichten, Schlagzeilen und sportliche Dramen. Die Nachrichtenagentur dpa listet einige Tops und Flops auf.

Die Tops und Flops der Bundesliga-Saison Bild: Tobias Hase/dpa

TOPS:

BAYERN MÜNCHEN: Es ist durch das krachende Champions-League-Aus gegen Real Madrid und die daraus resultierende Diskussion über die Spielweise von Pep Guardiola fast schon in Vergessenheit geraten, aber Bayern München hat auch diesmal eine Saison der Rekorde hingelegt. Die früheste Meisterschaft, die längste Serie ohne Niederlage undsoweiterundsofort. Nun hängt es maßgeblich vom Ausgang des Pokalfinals gegen Dortmund ab, ob diese Saison nur als gerade noch akzeptabel oder doch sehr gut wahrgenommen wird. Die Bayern haben die Messlatte mit ihrem Triple-Jahr 2013 sehr hoch gelegt.

ROBERT LEWANDOWSKI: Es gibt im Fußball eine Menge Weisheiten, die sich hartnäckig halten, obwohl sie schon hundertfach widerlegt wurden. Dass der Gefoulte den Elfmeter nicht selbst schießen soll oder dass jemand nicht mehr mit ganzem Herzen bei seinem Verein sein kann, wenn er längst bei einem anderen unterschrieben hat. Robert Lewandowskis Antworten darauf sind 20 Saisontreffer und die Torjäger- Kanone für den erfolgreichsten Stürmer dieser Spielzeit. Der Pole hat sich bis zuletzt zerrissen für Borussia Dortmund. Er geht jetzt - wie seit langem bekannt - zum großen Rivalen FC Bayern. Die Fans feierten ihn zum Abschied dennoch mit tosendem Applaus.

ANDRÉ HAHN: Der Werdegang des André Hahn lautet nicht etwa: Jugendakademie XY, FC Augsburg, Nationalmannschaft. Sondern: FC Oberneuland, TuS Koblenz, Kickers Offenbach... «Keiner hatte an mich geglaubt - nur mein Vater und ich», sagt der 23-Jährige, der in dieser Saison eine Entwicklung genommen hat, die es in den Zeiten der hoch professionellen Nachwuchsförderung eigentlich nicht mehr geben dürfte. Der Lohn dafür: Hahn steht im vorläufigen WM-Aufgebot. Und durfte sich aussuchen, ob er von Augsburg nach Gladbach (erhielt den Zuschlag), Leverkusen, Schalke oder Dortmund geht.

JENS KELLER: Armin Veh, Thomas Schaaf, Roberto di Matteo: Die Liste der Trainer, die angeblich schon auf einer sechsspurigen Autobahn Richtung Gelsenkirchen unterwegs waren, ist lang und prominent. Der Trainer des FC Schalke 04 heißt aber immer noch: Jens Keller. Der 43-Jährige führte den Verein bereits zum zweiten Mal in die Champions League und obendrein Talente wie Max Meyer und Leon Goretzka ins vorläufige deutsche Aufgebot für die WM. Andernorts wird man für so eine Bilanz gefeiert. «Auf Schalke» darf sich Keller nun immerhin Hoffnungen machen, seinen Vertrag bis 2015 zu erfüllen.

«WERKSCLUBS»: Traditionalisten wie Heribert Bruchhagen haben sich diese bange Frage schon immer gestellt: Was passiert erst, wenn die sogenannten Werks- oder Retortenclubs ihr vieles Geld endlich einmal planvoll einsetzen? Diese Saison lieferte einen Vorgeschmack darauf. Neben Bayer Leverkusen spielte auch der VfL Wolfsburg bis zuletzt um die Champions-League-Plätze mit. 1899 Hoffenheim entwickelte sich vom Fast-Absteiger zur Torfabrik. Auch RB Leipzig ist jetzt in der 2. Liga angekommen. Die Zeiten, in denen Spieler vor allem in Wolfsburg und Hoffenheim wahllos zusammengekauft wurden, sind vorerst vorbei.

FLOPS:

ULI HOENESS: Uli Hoeneß selbst sieht die Sache ungefähr so: Er hat einen großen Fehler gemacht und wird seitdem von den Medien verfolgt. Die Fakten dazu sind: Uli Hoeneß hat rund 28,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen, das Landgericht München verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren. Uli Hoeneß ist nicht mehr Präsident des FC Bayern München und auch nicht mehr Aufsichtsrats- Chef der FC Bayern München AG. So tief ist in so kurzer Zeit noch niemand gefallen in der Geschichte der Bundesliga. Und so selbstgerecht wahrscheinlich auch nicht.

MANAGER: Fußball-Manager «gehören in Deutschland zu den unqualifiziertesten Personen im oberen Management». Das behauptet zumindest Dirk Zingler, Präsident von Union Berlin. Er hat dafür einige scharfe Reaktionen geerntet, kann aber ruhigen Gewissens auf mehrere Beispiele aus dieser Saison verweisen. HSV-Manager Oliver Kreuzer etwa wirkte so, als ob er zu jeder Zeit eine abgedroschene Brandrede aber kein sportliches Konzept parat hatte. Genauso wie er setzten auch Martin Bader in Nürnberg und Fredi Bobic in Stuttgart auf drei verschiedene Trainer in nur einer Saison, die jeweils den genauen Gegenentwurf zu ihrem Vorgänger verkörperten.

HAMBURGER SV: Womit soll man anfangen? Dass der HSV im Sommer einen anerkannten Manager wie Jörg Schmadtke hätte umsonst kriegen können und stattdessen für Oliver Kreuzer eine Ablösesumme zahlte? Dass er einen Kader unterhält, an dem in den vergangenen zehn Jahren zwölf verschiedene Trainer herumbastelten? Oder dass der mächtige Aufsichtsrat seine ganze Zerrissenheit und Eitelkeit tagelang öffentlich zur Schau stellte? Beim Bundesliga-Dino mündeten viele Fehlentwicklungen und -einschätzungen in einer katastrophalen Saison. Der HSV kann froh sein, sich in die Relegation gerettet zu haben.

TORLINIENTECHNIK: Innerhalb weniger Minuten wusste es via Fernsehen, Internet oder sonstige Kanäle das halbe Land: Der Kopfball von Leverkusens Stefan Kießling war NICHT drin. Nur Schiedsrichter Felix Brych hatte das nicht gesehen. Er gab das «Phantomtor» von Hoffenheim und löste damit wochenlange Diskussionen über das Für und Wider der Torlinientechnik aus. Im März entschieden dann die Vertreter der 36 Vereine über die Einführung der neuen Technologie und entschieden sich anders, als man das nach dem «Phantomtor» erwarten durfte. Die Torlinientechnik wird es in der 1. und 2. Liga vorerst nicht geben.

EUROPAPOKAL: Die Bundesliga als stärkste Liga der Welt? Noch im Winter gab es viele Stimmen, die das behaupteten. Der deutsche Fußball hatte 2013 die beiden Finalisten und ein halbes Jahr später vier Clubs in der K.o.-Runde der Champions League gestellt. Doch tatsächlich war diese Saison aus internationaler Sicht eher ein Rückschritt. Real Madrid warf nacheinander Schalke, Dortmund und Bayern aus der Königsklasse, Bayer Leverkusen ging gegen Paris unter. In der Europa League mussten Frankfurt und Freiburg sogar froh sein über ihr zeitiges Aus. Das sparte Kraft für den Abstiegskampf.

news.de/dpa

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