Fußball: Gisdol/Rosen: Hoffenheims Hoffnungsträger überzeugen

Frankfurt/Main - Zurück auf Anfang, alles auf Null: Vor einem Jahr präsentierte 1899 Hoffenheim nach einer Serie von personellen Fehlschlägen das Duo Markus Gisdol/Alexander Rosen als Nachfolger von Marco Kurz und Andreas Müller.

Gisdol/Rosen: Hoffenheims Hoffnungsträger überzeugen Bild: Uwe Anspach/dpa

Die beiden Bundesliga-Novizen auf der Trainerbank und am Managertisch haben ihren Weg gemacht. Erstmals seit den Jubeljahren mit der Herbstmeisterschaft 2008 unter Ralf Rangnick wird in der Branche wieder über den Fußball des Emporkömmlings geredet und nicht über die Nebengeräusche.

«Hoffenheim muss sich im Spielstil absetzen von anderen, wir müssen unsere eigene Geschichte schreiben. Die TSG soll sich nicht anstrengen, ein gewöhnlicher Bundesligist zu werden», erklärte Gisdol im Fachmagazin «Kicker». Mit dem 3:3 am Wochenende beim FC Bayern München hat sich Gisdol selbst ein Jubläumsgeschenk gemacht. «Sehr, sehr, sehr glücklich» war der 44-Jährige bereits vergangene Woche, als nach dem 3:1 gegen Hannover 96 der Klassenverbleib feststand. Am 2. April 2013 wurden Gisdol und Rosen, offiziell als Leiter Profifußball, in größter Abstiegsnot sieben Spieltag vor Saisonende beim Tabellen-17. vorgestellt. Der Chefcoach sprach damals von einer «sehr spannenden Aufgabe, das noch hinzubiegen».

Die Aufgabe brachte ihn und Rosen zeitweise an den Rand eines Herzkaspers: Mit dem 2:1-Sensationssieg am letzten Spieltag in Dortmund, als ein Tor von Marcel Schmelzer in der letzten Minute zurückgenommen wurde, rettete sich die TSG in die Relegation. Dort setzte sich Hoffenheim gegen den 1. FC Kaiserslautern durch.

Gisdol und Rosen erlebten in den vergangenen Monaten zwar noch Aufreger wie das Phantomtor durch Stefan Kießling und das 4:4 gegen Werder Bremen, als zweimal einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielt wurde. Aber nach einem «Jahr der Extreme» (Gisdol) ist beim derzeitigen Tabellenneunten Ruhe eingekehrt. Mäzen und Milliardär Dietmar Hopp hält sich mittlerweile mit öffentlichen Aussagen zurück, und Gisdol machte von Anfang an deutlich, das er sich nicht so schnell von Störmanövern aus der Bahn werfen lässt: «Alex und ich sind die starken Leute im Fußball.» Gisdols Ziel ist «die stabile Mitte der Bundesliga» und «immer Junge reinzuschmeißen».

Der mit 34 Jahren jüngste Erstliga-Manager Rosen hat insgesamt 23 Spieler aus dem einstigen 47er Kader abgegeben und nach einigem Hin und Her auch den Problemfall Tim Wiese vom Tisch bekommen. Hoch angerechnet haben ihm Fans und Spieler, dass die Top-Angreifer Roberto Firmino und Kevin Volland ihre Verträge bis 2017 verlängerten. Der Brasilianer und der deutsche U21-Kapitän sind auch maßgeblich am Offensivwirbel ihres Teams beteiligt.

Nur Meister FC Bayern (82) hat in dieser Saison bisher mehr Treffer erzielt als die TSG mit 62. Torreiche Spiele sind inzwischen das Markenzeichen der Mannschaft, auch wenn die Unterhaltungskünstler regelmäßig einen Vorsprung verspielt. Die Abwehr zu stabilisieren - das hat Gisdol noch nicht geschafft. «Der Weg bei uns ist absolut richtig, vor allem was das Pressing und Umschaltspiel anbetrifft», lobte aber Kapitän und Außenverteidiger Andreas Beck.

Gisdol, der einstige Co-Trainer von Rangnick, kann Spieler weiterentwickeln und Spieltaktiken. «Schwarmintelligenz» nennte er sein System. «Sobald der Gegner offensiv denkt, packen wir zu», erklärte er in einem Interview auf «spiegel.de». «In diesem Augenblick ist die eigene Chance auf eine Tormöglichkeit am größten.»

Hoffenheims Spiele in dieser Saison

news.de/dpa

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