Von news.de-Kolumnist Prof. Dr. Harald Lange - 24.02.2014, 12.26 Uhr

12 Erstligisten und 50 Stadien!: Hier liegt die Welthauptstadt des Fußballs

München, London, Barcelona oder Rio de Janeiro? All diese Städte werden von ihren Fußballvereinen geprägt. Die Welthauptstadt des Fußballs ist jedoch eine andere. News.de-Kolumnist Prof. Harald Lange erklärt, weshalb.

Wenn Hauptstädte die politischen Zentren eines Landes sind, und wir die Suche nach der Welthauptstadt des Fußballs beginnen, dann kämen Städte wie München, Manchester, London Barcelona, Madrid, Rio de Janeiro oder Buenos Aires zweifelsohne in die erste Wahl. Aus guten Gründen: In München werden wohl auch in diesem Jahr wieder zahlreiche nationale und internationale Titel gesammelt, während in Manchester und London in mehreren Profiklubs traditionelle Werte der britischen Fußballkultur in neue Bahnen des hoch kommerzialisierten Fußballs überführt werden.

Zwischen Barcelona und Madrid finden die hochkarätigsten Derbys des europäischen Fußballs statt, denn dort formieren seit Jahren und Jahrzehnten die besten Spieler der Welt regelmäßig die beste Vereinsmannschaft Europas. Ein solches Derby gibt es in Buenos Aires auch, wenn dort die Boca Juniors gegen River Plate spielen, nennt man das sogar den Superclassico! Im Sinne dieses Superlativs hat Buenos Aires in fußballerischer Hinsicht noch viel mehr zu bieten, weshalb Experten diesen Ort – trotz der beachtlichen Konkurrenz - vorbehaltlos als Hauptstadt des Fußballs ausweisen.

Zwölf Erstligisten, 50 Stadien: Fußball prägt das Flair von Buenos Aires

Marc Mauricius Quambusch und Jan Hendrik Gruszecki geben in Ihrem neuen Film «Ekstase und Schock – Die Fußballhauptsatdt Buenos Aires» ein ebenso eindeutiges wie facettenreich belegtes Plädoyer ab (Erstausstrahlung, Montag, 22 Uhr/WDR). Der Film kommt gerade recht, denn im Jahr der Fußball-WM reden alle über Brasilien. Die Welthauptstadt des Fußballs allerdings liegt in Argentinien: Buenos Aires. An keinem anderen Ort der Welt wird der Fußball derart facettenreich inszeniert wie in dieser Metropole. Fußball, Alltag und Lebenskunst verschmelzen hier zu einer Einheit und prägen das Flair dieser Stadt auf allen Ebenen.

Es gibt mehr als 50 Fußballstadien in Buenos Aires und mit 12 Mannschaften prägt diese Stadt auch die erste Liga Argentiniens, so dass Fans wöchentlich irgendwo in der Stadt ein wahres Erstligaderby anschauen können. Neben den großen Arenen finden aber auch auf den Straßen, Freiflächen und Plätzen der Stadt permanent Fußballspiele statt. Die Menschen dieser Stadt sind durch und durch vom Fußball infiziert, sie spielen, schauen zu und zelebrieren Fankultur in der gesamten uns bekannten Bandbreite.

Korruption und Gewalt: Auswärtsfans dürfen nicht ins Stadion

Im Zuge dieser besonderen Verwobenheit zwischen Fußball und Gesellschaft spiegeln sich in den Fankurven während der Erstligaspiele selbstverständlich auch die Probleme des Landes wider. Ebenfalls in der gesamten Bandbreite. Neben der Leidenschaft, der durch Pyrotechnik bekannt gewordenen südländischen Atmosphäre kommt so auch die Korruption und Gewalt in die Stadien der Stadt. In der gerade zu Ende gegangenen Saison war den Fans der jeweiligen Auswärtsmannschaft der Zutritt in «fremde» Stadien aus Sicherheitsgründen verboten.

Gruszecki und Quambusch transportieren in ihrem Film die gesamte Spannbreite an Ambivalenzen, die den Fußball in Buenos Aires charakterisieren. Dieser Film weckt nicht nur die Neugierde auf Argentinien und die Fußballleidenschaft seiner Einwohner. Er rückt auch viele Facetten, Highlights und Probleme unserer Fußball- und Fankultur in ein neues Licht.

Prof. Dr. Harald Lange ist Leiter des ersten deutschen Instituts für Fankultur, Würzburg & Frankfurt.

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kru/iwi/news.de

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