Olympia: Hilfe aus der Heimat - Pechstein will zehnte Medaille

Sotschi - Claudia Pechstein gab sich kämpferisch. Blitzhilfe aus der Heimat soll der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin bei den Sotschi-Spielen doch noch zur ersehnten Medaille verhelfen.

Hilfe aus der Heimat - Pechstein will zehnte Medaille Bild: dpa

In einer Nachtschicht wollen zwei auf eigene Kosten eingeflogene Techniker die Schlittschuhkufen der Berlinerin mit einem Präzisionsschliff für die 5000 Meter am Mittwoch präparieren - inklusive Laserpolitur. «Ich werde alles geben und versuchen, die schwierige Eis-Situation richtig einzuschätzen. Bei Olympia ist alles möglich», sagte die 41-Jährige nach dem Training. Aller Voraussicht nach kann nur die streitbare Pechstein verhindern, dass die deutschen Eisschnellläufer erstmals seit 50 Jahren ohne Olympia-Medaille bleiben.

Die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin will vor dem 15. Olympia-Rennen ihrer Karriere nichts dem Zufall überlassen. Vor allem wegen der Überlegenheit der Niederländer, die mit den wechselnden Eis-Bedingungen in der Adler-Arena weitaus besser zurecht kommen als sie, nahm sie am Montag öffentlich Abstand von ihrem Medaillenziel. «Das ist nicht mein Eis, das ist Holland-Eis», so Pechstein, die bei ihren sechsten Olympischen Spielen bisher mit dem erforderlichen Schrittmaß auf dem stumpferen Eis vor großer Kulisse am Nachmittag Probleme hat.

Auch deshalb entschloss sich die Techniker-Crew ihres Sponsors (F&F Lasertechnik) zum Überraschungs-Trip in die Olympia-Stadt. «Ich freue mich natürlich über diese Unterstützung. Aber ich weiß auch, dass die besten Kufen nichts helfen, wenn der Körper nicht mitspielt», betonte Pechstein, der das schwere Eis weiter zu schaffen macht. Nach fast zweijährigen Tests entwickelte die Firma im Sommer eine Schleif- und Poliermaschine, die dafür sorgen soll, dass die Kufen ihrer Schlittschuhe immer über den gleichen Schliff verfügen.

Pechstein reiste mit vier Paar Kufen nach Sotschi, die nach den vielen Trainingsläufen und den beiden Olympia-Rennen über 1500 und 3000 Meter nun möglicherweise leichte Abnutzungs-Erscheinungen zeigen. «Ich bin hier mit optimalem Material ausgestattet», erklärte sie dem «Berliner Kurier» in einer Kolumne. «An den Kufen liegt es nicht, dass ich auf dem weichen Eis nicht wie gewohnt gleiten kann.» Vancouver-Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien und das überragende Oranje-Team um Ireen Wüst machen Pechsteins Medaillenhoffnungen zu einer schweren Mission.

Pechsteins Trainer versuchen, sie stark zu reden. «Ich denke schon, dass sie die Chance auf eine Medaille hat», bekräftigte Bundestrainer Stephan Gneupel. «Sie wird versuchen, sich bestmöglich auf die nicht leichte Situation einzustellen», sagte Teamchef Helge Jasch. Beim Gewinn ihrer zehnten Olympia-Medaille würde Pechstein gleich mehrere Rekorde brechen. Sie wäre die erste Athletin, die bei jeder ihrer sechs Olympia-Teilnahmen mindestens einmal Edelmetall geholt hat - und sie wäre zugleich älteste Medaillengewinnerin bei Winterspielen in einer Einzel-Disziplin. Diesen Rekord hält seit 90 Jahren die britische Eiskunstläuferin Ethel Muckelt, die bei ihrem dritten Platz 1924 in Chamonix 38 Jahre und 243 Tage alt war.

An mangelnder Erfahrung wird es nicht liegen, wenn Pechstein am Mittwoch leer ausgeht. Fast nur eine Randnotiz ist dagegen der Auftritt der derzeit formschwachen Stephanie Beckert. Dritte Deutsche im Feld ist Nachrückerin Bente Kraus.

news.de/dpa

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