Olympia 2014: Wie Russland unter der großen Putin-Show leidet

140 Millionen Russen im Olympia-Fieber: So will Wladimir Putin sein Land nur zu gern bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi präsentieren. Doch hinter den teuren Zarenträumen verbergen sich reale Überlebenskämpfe, Intoleranz und Terror.

Noch bis zum 23. Februar wird das russische Sotschi am Schwarzen Meer zum Mekka des Wintersports. Knapp 2900 Athleten aus fast 90 Ländern buhlen in 98 Wettbewerben um die Medaillen. Russland will sich als guter, moderner Gastgeber präsentieren und so seine Position und Anerkennung in der Welt stärken - oder besser gesagt: sein Präsident Wladimir Putin will das.

Vielen Menschen, die in dem riesigen Land Tag für Tag ums Überleben kämpfen, ist sein Olympia-Traum fremd, wie die ARD-Doku «Putins Spiele» zeigt. Am äußersten Rand Russlands, östlich des Ural, haben die Rentiernomaden ganz andere Sorgen. Bei Eiseskälte harren sie die meiste Zeit des Jahres in Zelten aus; Fernsehen haben sie nicht. In der weißen Einöde hätten die Ureinwohner des russischen Nordens wohl ohnehin kaum Empfang.

Warum es viel Wirbel um Sotschi gibt
Terror, Homo-Rechte und Wetter
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Sotschi hat Vorrang, drängende Probleme müssen warten

Während in Sotschi die teuersten Winterspiele der Geschichte ausgetragen werden, bangen sie um ihre Existenz. Die Herden schrumpfen, die Rentierzucht steckt in einer tiefen Krise. Weidegründe verschwinden, weil der Boden durch riesige Mengen Öl verseucht wird, mit denen die Milliarden für Olympia verdient wurden. Damit steht nicht nur die Lebensgrundlage der nordischen Urvölker, sondern auch ihre kulturelle Existenz auf dem Spiel.

Größer könnte die Diskrepanz zwischen dem Sotschi-Schein hier und Lebensrealität dort kaum sein. Geld fließt eben dorthin, wo Spiele und Spektakel stattfinden. Das gilt für den Umweltschutz, der auf der Insel Norilsk - Zentrum der Edelmetallförderung - noch immer in den Kinderschuhen steckt. Krebserregende Rückstände töten jede Vegetation der Gegend, doch Versprechungen auf mehr Ökologie und eine Modernisierung blieben bisher folgenlos.

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