Kommentar Hoeneß ist moralisch am Ende

Mehr Eigentor geht nicht. Uli Hoeneß hat sich verzweifelt selbst angezeigt, ehe die Steuerfahndung sein Schweizer Konto findet. Die weiße Weste des Bayern-Präsidenten ist besudelt bis zum Gehtnichtmehr. Damit ist er als Vereinschef untragbar geworden.

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«Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen», sagte Hoeneß im Münchner Merkur. Einer Zeitung drohte er: «Für die wird das richtig teuer.» Wahrscheinlich hatte die Münchner Abendzeitung seinen Kontostand übertrieben.

Das mag sein. Und dass Hoeneß zu seinem schwebenden Verfahren vorerst nichts sagen kann, ist richtig, aber nicht der Kern.

Moralapostel Hoeneß, der gern zu vielem urteilt, seine Meinung mit großen Worten verkündet und entsprechende Konsequenzen fordert, sitzt nun nicht nur im Glashaus. Hoeneß steht am Pranger. Er hat auf sein Konto in der Schweiz jahrelang keine Kapitalertragssteuer gezahlt.

Ob er nun seine Selbstanzeige mit einer Abschlagszahlung von drei oder sechs Millionen Euro verbunden hat, ist unerheblich. Es geht um viel Geld - mehr Geld an Steuern, als manch einer überhaupt besitzt. Die Selbstanzeige ist ja nur ein gängiges Mittel, um die auf ihn zukommende Strafe zu mildern.

Als Repräsentant und Vorbild ausgedient

Steuerbetrug ist kriminell und kann hinter schwedischen Gardinen enden. Und da Hoeneß Präsident des deutschen Rekordmeisters ist, bleibt ihm nur der Rücktritt.

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Dass sich nun noch Fürsprecher finden, erstaunt. Hoeneß hat fertig - moralisch gesehen. Auch seine letztendliche Strafe oder Verurteilung in wer weiß wie vielen Monaten tut wenig  zur Sache. Es wäre einfach unerträglich, den 61-Jährigen weiter als Bayernchef zu sehen. Nebenbei beschmutzt er das Ansehen des Vereins.

Nicht zuletzt kommen sich womöglich Millionen blöd vor, denen das Arbeits- oder Sozialamt oder eine andere Behörde bereits Sozialbetrug unterstellt hat. Dort wird mit Schießhunden kontrolliert. Aber bekanntlich kommen auf jeden Euro «erschlichener Sozialleistungen» Hunderte oder Tausende an hinterzogenen Steuern. Zur miesen Moral kommt also noch eine gravierende Ungerechtigkeit hinzu.


Vielleicht enttäuscht es viele, ausgerechnet den jovialen Hoeneß als Steuertrickser entlarvt zu sehen. Es bringt nichts, über «die da oben» zu meckern. Bei Betrug können sicher einige vor der eigenen Tür kehren. Aber konkret ist Uli Hoeneß in einer Position mit Strahlwirkung eine Beleidigung für die Öffentlichkeit.

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wif/news.de/dpa

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Leserkommentare (108) Jetzt Artikel kommentieren
  • renate
  • Kommentar 108
  • 12.05.2013 00:32

Ihr seht ja, was für Deals gemacht werden. Für eine Selbstanzeige gibt es dann eine Belohnung anstatt Knast, weil dann ein Teil der "Beute" wieder hereinkommt zum Staat. Beschäftige ich illegal eine Putzfrau für 12 € pro Stunde und lasse mir von einem Spezl eines Bekannten die Wohnung günstig weiseln, gebe bei der Steuererklärung einpaar Kleinigkeiten nicht an, wandere ich schnell in den Knast, sowie der Rentner oder auf der Straße lebende, der schwarz fährt. Es wird sich nichts ändern. Die Politiker sind unsere Angestellten, für die wir zahlen und uns allmählich schämen.

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  • günther küpper
  • Kommentar 107
  • 11.05.2013 21:00

Nachtrag: Was mich natürlich interessiert: Geht er dafür in den Knast ?? Ich war bis jetzt 7 mal in Erzwingungshaft , ich bin schwerbehindert, habe eine geringe Rente und konnte meine "Parkknöllchen" nicht zahlen !!

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  • günther küpper
  • Kommentar 106
  • 11.05.2013 20:39

Was ist denn daran widerliche Trickserei ? Glaubt wirklich irgend jemand, daß sowas in den oberen Kreisen unnormal sei ?? Das gehört da zum Standart-Programm! Höeneß hat mich bisher nicht sonderlich interessiert. Aber das da jetzt so ein Zirkus drum gemacht wird, liegt doch nur daran, weil es eben "Hoeneß" ist. Ich möchte auch garnicht wissen, wie viele "Steuersünder" sich nach den gescheiterten Verhanlungen mit der Schweiz selbst angezeigt haben. Da spricht kein Mensch drüber ! Jeden Tag stehen neue Ungereimtheiten in der Zeitung oder TV, daran sollte man doch gewöhnt sein. I

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