Juristische Nachspiele Klagen und Prozesse überziehen den Sport

Sportskandale
Sport und Justitia

Von news.de-Redakteur Frank Willberg
Sind Juristen bessere Sportler? Natürlich nicht, aber ein brauchbarer Anwalt kann nicht schaden. Denn immer öfter fallen Sportentscheidungen am grünen Tisch. Noch häufiger geht es um wirtschaftliche Belange und Doping.

Die Mutter aller moderner Sportgerichtsbarkeit heißt Jean-Marc Bosman. Der mäßig talentierte belgische Fußballer focht die seiner Meinung zu hoch angesetzte Ablösesumme seines Vereins RFC Lüttich an, bekam Recht. Das Gericht rief jedoch den Europäischen Gerichtshof an, der 1995 Wechselrestriktionen für EU-Ausländer sowie Ablösesummen bei Vertragende generell aufhob.

Ähnlich bahnbrechend wie der freie Vereinswechsel könnte das «Financial Fairplay» der UEFA werden. Der andalusische Klub FC Malaga ist das erste prominente Opfer der Lizensierungsregelung, die die zunehmende Verschuldung europäischer Fußballklubs stoppen will. Bereits in der Vorsaison wurde jedoch auch der FC Sion wegen Verstößen gegen ein Transferverbot der FIFA aus der Europa League ausgeschlossen. Der Weltfußballband drohte sogar, die Schweiz auszuschließen, wenn Sion nicht 36 Punkte im nationalen Ligabetrieb abgezogen werden würden.

Gaudino, Maradona & Co.
Vom Fußballprofi zum Verbrecher

Weniger schwerwiegend, vielmehr krümelkackerisch stellte sich jüngst Schalke 04 an, als man die Spielberechtigung Didier Drogbas für Galatasaray Istanbul nach seiner Rückkehr aus Shanghai juristisch prüfen ließ. Die Knappen ahnten wohl ihr Scheitern in der Champions League voraus. Wirklich dramatisch und ungemein umstritten war, dass der Internationale Sportgerichtshof (CAS) den deutschen Vielseitigkeitsreitern um Bettina Hoy ihr Olympiagold 2004 aberkannte. Denn die Reiterin hatte nicht geschummelt, vielmehr versagte die Zeitnahme ihren Dienst.

Gold futsch, Prämien, Sportförderung, Sponsorenverträge auch. Wegen eingeplanter Einnahmen aus der Champions Hockey League (CHL) verklagte zum Beispiel der deutsche Eishockeymeister Eisbären Berlin 2011 den Weltverband, als der die CHL nach nur einem Jahr wieder einstellte.

Schmuddelthema Doping vor dem Kadi

Auch beim Doping geht es nicht nur um Medaillen und Sperren sondern auch um daran gekoppelte Einnahmen: Lance Armstrong wurden zuerst seine sieben Tour de France Titel aberkannt. Er verklagte alle, die gegen ihn waren. Nun stehen ihm Prozesse wegen Betrugs und Schadensersatz bevor. Der berüchtigte Doping-Arzt Fuentes zählte nicht nur Armstrong zu seinen Kunden. Jan Ullrich zahlte ihm 55.000 Euro. Diesen Fakt auszuplaudern, wollte er Dopingjäger Werner Franke per Unterlassungsklage verbieten. Sogar die spanische Fußballelite könnte in den Fuentes-Skandal verstrickt sein. Bislang gab Fuentes seine Patientenliste im Prozess gegen ihn nicht preis.

Ullrich, Zabel & Co.
Dopingfälle im deutschen Radsport

Auch der Leichtathletikverband der USA wurde vom Weltverband IAAF erfolglos verklagt, um an die Namen überführter Dopingsünder zu gelangen. Und fast schon frech waren vor drei Jahren 65 belgische Sportler, die ihre nationale Antidopingbehörde verklagten, da sie sich durch die Kontrollen in ihrer Privatsphäre verletzt fühlten.

Einen regelrechten Prozessmarathon musste die Sprinterin Katrin Krabbe durchstehen. Die ehemalige Weltsportlerin mühte sich neun Jahre durch die Instanzen, ehe ihre verlängerte Sperre als Berufsverbot anerkannt wurde und der Internationale Leichtathletikverband ihr inklusive Zinsen etwa 700.000 Euro Schadensersatz zahlen muss.

So weit ist Deutschlands erfolgreichste Winterolympionikin Claudia Pechstein noch nicht. Mit dem damaligen Krabbe-Anwalt Thomas Summerer strengte sie erst vor wenigen Monaten die Schadenersatzklage gegen den Eislauf-Weltverband ISU an, weil auch ihre Dopingsperre auf wackligen Indizien basierte.

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