VW-Debüt «Monte» ist die Mutter aller Rallyes

Rallye-WM
Wer driftet sich zum Titel?

Andreas SchloderVon news.de-Redakteur
Da haben sich die Rallye-Chefs von VW für ihr WM-Debüt gleich die «Zicke» schlechthin ausgesucht. Die Rallye Monte Carlo ist eine Folter für Mensch und Maschine. Doch keine Tour bietet mehr Platz, um Geschichte zu schreiben. Vor dem Härtetest geben sich die Wolfsburger gelassen.

Die Rallye Monte Carlo als WM-Auftakt wirbelt ordentlich Staub auf: Endlich scheinen Rallye-Fans das zu bekommen, worauf sie am meisten Lust und wonach sie in den vergangenen Jahren vergeblich gesucht haben: Spannung!

Da gibt es mit «Super-Seb» Sebastien Loeb einen Dauersieger, der scheinbar auch mit einem schnöden Taxi noch allen davon fahren kann. Wer sich neunmal in Folge zum WM-Titel driftet, sorgt für Bewunderung, aber auch für Langeweile. Jetzt befindet sich der Rekord-Weltmeister auf leiser Abschiedstournee und wird im aktuellen WM-Kalender nur vier von insgesamt 16 Rallyes bestreiten. Es wird definitiv einen neuen Weltmeister geben. Bei der «Monte» ist Loeb natürlich gesetzt.

Der Franzose wird ein Gradmesser sein. Vor allem für WM-Debütant VW. Die Wolfsburger betreten bei der Hatz rund um die Seealpen als erster deutscher Hersteller die Bühne der seit 15 Jahren bestehenden World Rallye Cars, die von Citroen und Ford dominiert werden.

VW stapelt tief - zu Unrecht

Die deutsche Rallye-Seele schreit nach Erfolgen, denn davon gab es in den vergangenen Jahrzehnten kaum welche. Deutsche Quertreiber sucht man in der Königsklasse vergebens. Der letzte WM-Triumph eines deutschen Herstellers liegt noch länger zurück. 1987 schaffte es das schwedisch-deutsche Team Kenneth Enksson/Peter Diekmann. Nun raten Sie in welchem Auto? Genau, einem VW.

Rallye Monte Carlo
Die Zicke im Driftsport

An diesem Punkt wollen die Wolfsburger anknüpfen. Aber rollen zunächst gemächlich an den Start der «Monte». Wenigstens nach außen hin. «Wir sind gut vorbereitet, aber die WRC ist für uns neu», stapelt VW-Motorsport-Chef Jost Capito tief. «Unser Ziel ist es, durchzukommen und Erfahrungen zu sammeln. Mit einem komplett neuen Team gleich vorne anzugreifen, ist nicht realistisch», fügt der Däne hinzu.

Allenfalls könne er sich vorstellen, dass seine beiden Werksteams in der Saison die ersten Podiumsplätze einheimsen, bevor im kommenden Jahr die ersten Siege her müssen. Ab 2015 wird dann endgültig zur Jagd auf den WM-Titel geblasen.

Doch schon jetzt sind die Erwartungen hoch ans Team, denn VW hat nichts dem Zufall überlassen: In zwei Jahren wurde ein komplett neuer Rallye-Polo hochgerüstet. In ihm schlummern mehr als 1700 maßgefertigte Einzelteile. In mehr als 20.000 Testkilometern wurde der Supersportler auf Herz und Nieren getestet.

Das ist nur die eine Seite, die andere ist die Philosophie vom Konzern, die sich nicht viel vom Fußballklub unterscheidet: Geld spielt keine Rolle. Mit Jost Capito wurde das Rallye-Gehirn von Ford eingekauft, der 2006 und 2007 die Marken-WM feiern konnte. Der ehemalige Weltmeister und Dakar-Gewinner Carlos Sainz wurde engagiert, um das richtige Setting am Wagen zu bestimmen.

Ogier will Rechnung begleichen

Das wahre Filetstück der Mannschaft noch gar nicht angesprochen: die beiden Teams. Mit Sebastien Ogier und Jari-Matti Latvala hat VW zwei Ausnahmefahrer an sich gebunden, deren Ehrgeiz die Motorleistung um ein Vielfaches überbietet. Gerade Ogier hat noch eine Rechnung mit Citroen offen. Vor zwei Jahren bildete er mit seinem Namensvetter die französische Phalanx in der WM. Doch Aufstiegschancen? Gleich null, weil ihn der Weltmeister klein hielt.

Zum Auftakt der «Monte» ist das auch schon gelungen. Erste Wertungsprüfung, erste Bestzeit für Ogier und VW. Für die Experten ist es in den kommenden Tagen das Duell schlechthin: «Sebastien gegen Sebastien, Loeb gegen Ogier, Erfahrung und Gelassenheit gegen schnaubenden Wahnsinn», beschreibt das Magazin rallye den bevorstehenden Zweikampf. Beide haben schon die Kult-Rallye gewonnen, jedoch Ogier da, wo Loeb nicht am Start war. Jedoch kennt er die Strecken wie kaum ein anderer, da er nur 70 Kilometer vom Geschehen weg wohnt.

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Gleich zum Auftakt am Mittwoch steht die längste Wertungsprüfung der gesamten Rallye mit 37 Kilometern gleich zweimal auf dem Programm. Als wäre die selektive Streckenführung nicht schon anspruchsvoll genug, kommt noch das Wetter hinzu, das regelmäßig Meteorologen wie Reifenspezialisten bis kurz vor den Burnout treibt.

Der finale Showdown findet am kommenden Samstag, wenn die Nacht der langen Messer am Col de Tourini ruft. Das Highlight für jeden Rallye-Fan.

VW könnte ein Stück Rallye-Geschichte schreiben. Doch das ist nur ein Bruchteil, was bisher bei der Traditionsrallye geschah. Lesen Sie hier, wie Rallye-Legende hier seine Siege feierte, aber auch kurz davor war, zu morden.

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loc/news.de/dpa

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VW-Debüt bei der Rallye Monte Carlo: Erfolgreicher Rallye-Einstieg der Wolfsburger » Sport » Aktuelles

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