Skispringen Tritt dieser Nobody Schmitts Erbe an?

Vierschanzentournee-Sieger
Von Recknagel bis Morgenstern
1958 Helmut Recknagel (Foto) Zur Fotostrecke

Von Gerald Fritzsche
Die deutschen Adler fliegen wieder: Severin Freund ist nach fünf Springen Erster im Gesamtweltcup. Newcomer Andreas Wellinger schoss wie Phönix aus der Asche auf Rang fünf. Der 17-Jährige kam erst im vergangenen Jahr zum Skispringen und hatte sich acht Jahre in einer anderen Sportart gequält.

Andreas - wer? Ungläubig staunten Skisprung-Experten aus Österreich, Norwegen und Japan, als am 24. November Andreas Wellinger nach dem ersten Durchgang des Skisprung-Weltcups in Lillehammer in Führung lag. Eiligst wurden deutsche Mannschaftsbücher gewälzt - vergeblich. Das Internet konnte auch nur wenig Informationen über den 17-Jährigen ausspucken. Der 1,83 Meter große Schlaks war und ist auch vor dem Weltcup am Wochenende in Sochi (genaue Startzeiten aktuell unter: www.fisskijumping.com) ein großer Unbekannter.

Nur einer grinste genüsslich in sich hinein und freute sich diebisch über seinen Coup: Bundestrainer Werner Schuster. Dem österreichischen Coach, der einst Gregor Schlierenzauer entdeckte und zu einem Weltklasse-Springer formte, war Wellinger im Sommer bei einem gemeinsamen Trainingslehrgang der Nationalmannschaft mit den deutschen B- sowie den talentiertesten C-Kader-Athleten aufgefallen.

Acht Jahre lang quälte sich Wellinger in der Langlaufloipe

«Andi ist ein hochinteressanter Mann. Er hat mich mit seinen Qualitäten überzeugt. Seine Stärke ist das Unverbrauchte. Zudem hat er sehr gute Hebel», beschreibt Schuster sein neues Juwel, das bei drei Einzelstarts in diesem Winter zweimal Fünfter wurde und einen 17. Platz holte. Für das Springen auf den Olympia-Schanzen in Sotschi an diesem Wochenende gehört er deshalb zum Kreis der zehn Vorqualifizierten. Beim Sieg im Mannschaftsspringen in Kuusamo war Wellinger sogar bester Deutscher.

Mit sieben Jahren begann Wellinger in Ruhpolding mit der Nordischen Kombination. Acht Jahre quälte sich der begeisterte Springer in der Langlauf-Loipe, dann hatte er genug von der Rennerei. «Ich war einfach nicht motiviert für das Laufen, das machte mir keinen Spaß. Aber das Springen war toll», erzählt der Schüler des Skigymnasiums Berchtesgaden. Also wechselte er im Februar 2011 ins Lager der Spezialspringer und war sofort erfolgreich.

Podestplätze und Siege im Deutschland- und Alpencup verhalfen dem jungen Mann aus Weißbach ins deutsche Aufgebot für die Olympischen Jugendspiele in diesem Jahr in Innsbruck. Dem vierten Platz im Einzel ließ er den Sieg im Mannschaftsspringen folgen. Dann kam der Sommer und mit ihm der steile Aufstieg ins deutsche A-Team.

Vergleiche mit den Olympiasiegern Schlierenzauer und Morgenstern

«Das ist was völlig anderes als in den Nachwuchsklassen. Zwar schaut jeder auf sich, aber doch herrscht ein tolles Klima. Ich bin jedenfalls nicht derjenige, der für die Etablierten die Skisäcke tragen muss», erzählt «Wellei», wie er von Kumpels gerufen wird. Sein großes Vorbild ist übrigens Severin Freund, also einer aus dem eigenen Team.

Wellinger ist zu bescheiden, um sich schon jetzt als Star zu fühlen. Er nimmt mit, was sich ihm bietet. «Es wäre schön, wenn ich noch eine Weile im Weltcup mitspringen könnte», sagt der Wassersportfan. Ein weiteres Ziel ist die Junioren-WM. Doch mit seinen starken Auftritten hat er sogar schon das Ticket für die WM im Februar in Val di Fiemme in der Tasche. «Das ist alles nur Wahnsinn», sagt Wellinger. Schon jetzt wird er von internationalen Experten mit den Österreichern Schlierenzauer und Thomas Morgenstern verglichen. Und die sind Weltmeister und Olympiasieger.

kru/news.de/dpa

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