Maria Höfl-Riesch «Lindsey Vonn wird kaum zu schlagen sein»

Es geht wieder los: Traditionell starten die Alpinen auf dem Söldener Gletscher in die neue Saison. Doppel-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch will erneut vorne mitmischen. Im Interview spricht sie über ihre Ziele für die neue Saison und das Verhältnis zu ihrer einstigen besten Freundin Lindsey Vonn.

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An diesem Wochenende startet die neue WM-Saison im alpinen Ski-Weltcup. Doppel-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch will wieder vorne mit dabei sein.

Maria, Sölden steht wieder vor der Tür - wie blicken Sie der neuen Saison entgegen?

Maria Höfl-Riesch: Es ist eine tolle Veranstaltung, aber auch eine ziemlich heftige, denn Sölden ist das schwierigste Rennen der Saison: Die Höhe auf dem Gletscher, der Schwierigkeitsgrad der Piste - es ist eine erste Standortbestimmung. Man sollte den Ausgang des Rennens aber nicht überbewerten, denn es ist ein bisschen losgelöst von der restlichen Saison. Trotzdem ist es natürlich wie jedes Jahr mein Ziel, vorn dabei zu sein. Ich war schon mal Zweite nach dem ersten Durchgang. Es ist also nicht unmöglich.

Sie sind gesund durch den Sommer gekommen, aber eine Woche vor Sölden hatten Sie ein bisschen Probleme. Wie geht es Ihnen jetzt?

Höfl-Riesch: Mich hatte eine ziemlich böse Erkältung erwischt. Die ist zwar ausgestanden, aber mir fehlt natürlich eine Woche Training. Vor allem konnten die anderen auf der Rennpiste in Sölden trainieren - ich nicht. Ich habe am Dienstag und Mittwoch im Mölltal trainiert. Ideal lief es nicht, aber wichtig ist, dass ich beim Weltcup-Auftakt starten kann.

Sie starten in eine Saison, die ihren Höhepunkt mit der WM im Februar hat. Was ist wichtiger, Weltcup oder WM?

Höfl-Riesch: Die Weltmeisterschaft, doch man kann nicht alles auf die paar Rennen dort ausrichten, zumal ich im Weltcup möglichst in allen Disziplinen vorn mit dabei sein möchte. Aber das größte Ziel ist schon, bei der WM in Schladming erfolgreich zu sein. Im Gesamtweltcup wird es gegen Lindsey (Vonn) eh sehr schwer, wenn sie mit ihren Leistungen nur annähernd da anknüpft, wo sie letztes Jahr aufgehört hat.

Gibt es einen Zweikampf zwischen Ihnen und Lindsey Vonn um die Große Kristallkugel?

Höfl-Riesch: Wenn Lindsey in der Form der letzten Saison fährt - ob es da einen Zweikampf gibt, das wage ich zu bezweifeln. Sie ist schon außergewöhnlich gefahren. Konstant, in allen Disziplinen war sie vorn dabei, hatte kaum Ausfälle. Wenn sie so weitermacht, wird sie bis zum Ende ihrer Karriere kaum jemand schlagen können im Gesamtweltcup.

Und ihr Gedankenspiel, bei der Männer-Abfahrt in Lake Louise zu starten?

Höfl-Riesch: Lindsey meint, es sei ein Traum von ihr und dass ein Auftritt bei den Männern für mehr Anerkennung und Glaubwürdigkeit des Frauen-Skisports sorgen könnte. Vielleicht hat sie ja recht. Falls sie sich in Lake Louise tatsächlich ihren Traum erfüllen sollte, wünsche ich ihr viel Glück: Vielleicht zeigt sie es den Jungs mal so richtig.

Wie ist denn Ihr Verhältnis, nachdem es zwischenzeitlich ja doch ziemlich Ärger zwischen Ihnen gab?

Höfl-Riesch: Das hat sich Gott sei Dank wieder entspannt. Es ist sicher nicht so wie früher, das kann es wahrscheinlich auch nicht mehr werden, dazu ist zu viel passiert und wir beide haben uns verändert. Aber wir haben alles aus der Welt geschafft, was zwischen uns stand - und dabei war sicher nicht hinderlich, dass ihr Mann Thomas von der Bildfläche verschwunden ist.

Wäre es angesichts der von Ihnen angesprochenen Dominanz von Lindsey Vonn nicht eine Überlegung, nicht alle Disziplinen zu fahren und sich auf einen Disziplin-Weltcup zu konzentrieren?

Höfl-Riesch: In der neuen Saison werde ich auf keinen Fall eine Disziplin weglassen. Aber falls ich wirklich noch bis 2015 weitermache, könnte man überlegen, sich dann vielleicht auf zwei Disziplinen zu konzentrieren. Das Programm für Vielfahrerinnen wie mich ist schon heftig. Das geht mit der Zeit ganz schön auf die Knochen. Man merkt, wie es von Jahr zu Jahr mühsamer und schwieriger wird.

Sie haben deshalb auch wiederholt den Rennkalender angesprochen. Was sollte sich Ihrer Meinung nach ändern?

Höfl-Riesch: Erst kommt Sölden, dann ist Ruhe bis Levi. Danach wieder eine kleine Pause, bis es mit den Rennen in Nordamerika losgeht. Man kommt nicht richtig in den Rhythmus. Dafür ist es anschließend umso heftiger für die, die alle Disziplinen fahren. Das könnte man besser verteilen.

Was trauen Sie dem gesamten deutschen Team in diesem Winter zu?

Höfl-Riesch: Einiges. Vicky (Rebensburg) ist für mich im Riesenslalom die große Favoritin, für die Weltcup-Kugel und auch für Schladming. Es war beeindruckend, wie sie dort letzte Saison beim Finale gefahren ist. Auch Lena Dürr, die schon letztes Jahr sehr gute Durchgänge gefahren ist, könnte diesmal mit ganz vorn landen. Nicky Hronek hat Potenzial, vor allem im Super-G, Christina Geiger ist im Slalom stark. Bei Gina (Stechert) muss man schauen, wie sie die Verletzungspause wegsteckt.

Gespannt sind die Alpin-Fans, wie sich die Regeländerungen bei den Maßen der Ski auswirken. Was für einen Eindruck haben Sie?

Höfl-Riesch: Beim Riesenslalom ist es eine kleine Umstellung, nicht dramatisch. Bei Abfahrt und Super-G merkt man es schon stärker, wenn die Geschwindigkeit niedriger oder der Schnee weich ist, dass einem schnell der Außenski ein bisschen wegfährt. Aber ich bin im Training ganz gut mit dem neuen Material klargekommen. Langsamer wird es dadurch jedenfalls nicht, und ob es am Ende wirklich ungefährlicher wird, muss man auch erst mal sehen.

kru/jag/news.de/dpa

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