Handball Kiels Gladiatoren starten neue Serie

Im Klammergriff der Leipziger: Kiels Kreisläufer Patrick Wiencek. (Foto)
Im Klammergriff der Leipziger: Kiels Kreisläufer Patrick Wiencek. Bild: dpa

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur , Leipzig
Sie hatten vergessen, wie sich Niederlagen anfühlen: Kiels Handballer hatten über ein Jahr lang kein Spiel verloren. Bis zum 30:31 in Ungarn gegen Vesprem. News.de hat die weltbesten Spieler vor dem Bundesliga-Topspiel in Hamburg gefragt, ob die unverhoffte Pleite Spuren hinterlassen hat.

Schon beim Warmmachen hat sich eine neugierige Traube an der Werbebande versammelt, um ja nichts zu verpassen. Kurz zuvor haben die Spieler des THW Kiel die Arena betreten und laufen sich jetzt in einstudierter Formation ein - große, muskelbepackte und gleichzeitig extrem bewegliche Kerle, moderne Gladiatoren. Es wirkt, als bereite sich eine Eliteeinheit auf den nächsten Einsatz vor.

Und so ähnlich kann man das auch sehen, denn der Turnverein Hassee-Winterbek Kiel ist in seinem Metier absolute Elite. In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt ist der seit Jahren beste und professionellste Handballclub der Welt beheimatet, Saisonetat: 9,5 Millionen Euro. Keine andere Mannschaft auf diesem Planeten kann dem Starensemble aus Norddeutschland das Wasser reichen. Zuletzt eroberte der deutsche Rekordmeister das Triple aus Champions-League-Sieg, Meisterschaft und Pokal. In der Bundesliga gab das Team des isländischen Trainers Alfred Gislason in der gesamten Saison keinen einzigen Punkt ab, wettbewerbsübergreifend hatte der THW Kiel über ein Jahr hinweg kein Punktspiel verloren. Eine makellose Bilanz, die einzigartig ist in der gesamten Sportwelt.

Seit vergangenem Donnerstag wissen Kiels Spieler wieder, wie man sich nach Niederlagen fühlt. Beim ungarischen Spitzenklub MKB Veszprem fingen sich die Dominatoren dieser Sportart eine 30:31-Niederlage ein. Trainer Gislason haderte zwar mit dem Schiedsrichtergespann, sagte aber: «Wir dürfen uns nicht beschweren, wir haben auch Fehler gemacht und zu wenig für den Angriff getan.»

Kiel-Star Zeitz: «Wir mussten ein bisschen Gas geben»

Sechs Tage später sind die Kieler in der 3. Runde des DHB-Pokals zu Gast beim SC DHfK Leipzig. Der ambitionierte Zweitligist tritt gegen Olympiasieger und Weltmeister an - ein ungleiches Duell. Für die Leipziger, bei denen nur Aufsichtsrat Stefan Kretzschmar und die ruhmreiche Handball-Vergangenheit der Messestadt nach Weltklasse schnuppern, ist es das Spiel des Jahres. 5700 Zuschauer sind in die ausverkaufte Arena gekommen, um sich das Duell zwischen David und Goliath anzuschauen.

Kiel ist gnädig mit den aufopferungsvoll kämpfenden Gastgebern, den Zuschauern wird ein Schützenfest mit 70 Toren geboten. 27:43 (15:23) lautet der Endstand. «Wenns knapper zugeht, spielen wir anders in der Deckung», sagt Nationalspieler Patrick Wiencek. Ex-Nationalspieler Christian Zeitz verteilt Komplimente: «Wir hätten uns das einfacher vorgestellt und waren überrascht von der aggressiven 4:2-Deckung der Leipziger. Wir mussten in der ersten Halbzeit schon ein bisschen Gas geben», sagt «Zeitzi». Immerhin sind die Kieler ins Schwitzen geraten.

Hamburg schon im Hinterkopf

Nach der Partie drängeln sich die Zuschauer aufs Feld und belagern die Kieler Stars wie Dominik Klein, Christian Zeitz oder Marcus Ahlm mit Autogramm- und Fotowünschen. So ist das eben, wenn Popstars auf Tour sind. In dem Trubel beantworten sie auch noch ein paar Fragen, zum Beispiel die nach den Auswirkungen dieser ersten Niederlage in Veszprem. Wie geht eine Mannschaft, die vergessen hat, wie sich Niederlagen anfühlen, mit einem Misserfolg um? «Wir haben schon darüber nachgedacht», sagt Linksaußen Dominik Klein, ebenfalls deutscher Nationalspieler. «Aber irgendwann reißt eben jede Serie. Es gibt ja auch noch ein Rückspiel gegen Veszprem und da werden wir aufstehen und wiederkommen.»

Christian Zeitz erzählt, dass sich der Dämpfer ein wenig angedeutet hat. Schon das Unentschieden gegen die Füchse Berlin in der Bundesliga Mitte September habe sich «angefühlt wie eine Niederlage». Zeitz sagt: «Es war klar, dass die Niederlage irgendwann kommen würde, dass es gegen Veszprem soweit sein würde, war nicht vorherzusehen.» Es habe gut getan, berichtet der 31-Jährige, danach direkt weiterspielen zu können. Drei Tage nach dem ungewohnten Misserfolg gewann Kiel in der Bundesliga gegen Tusem Essen mit 12 Toren Unterschied, wiederum drei Tage später in Leipzig sind es 16 Treffer.

Doch erst das Duell mit dem zuletzt schwächelnden Spitzenklub aus Hamburg am Samstag (15 Uhr/Sport1) wird zeigen, ob Kiel die Pleite komplett verdaut hat. Dass diese Partie bereits beim Auftritt in Leipzig ein Thema war, verriet Christian Zeitz: «Vielleicht hatten wir Hamburg schon im Hinterkopf. Das wird ein Kampf auf Biegen und Brechen.» Schließlich hat Kiel gerade begonnen, eine neue Siegesserie zu starten.

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jag/news.de

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