Nationalelf Löw hinterfragt seinen Kurs

Unglaubliche Comebacks
Totgeglaubte leben länger

Die Kritik an Bundestrainer Joachim Löw fiel nach dem 4:4 gegen Schweden beinahe so heftig aus wie nach dem Scheitern im EM-Halbfinale. Fünf Tage nach dem Spektakel-Debakel der Nationalmannschaft stellte sich Löw beinahe reumütig den Vorwürfen.

Als die deutsche Nationalmannschaft nach 60 Minuten Zauberfußball plötzlich umfiel wie eine Pappkulisse, wirkte auch der Bundestrainer hilflos. Apathisch sah er mit an, wie die Schweden Tor für Tor aufholten; sichtlich mitgenommen versuchte er, das unfassbare 4:4 nach der Partie in Worte zu fassen. Doch eine richtige Analyse gelang erst fünf Tage nach dem Chaos-Auftritt. Nachdem er einen Auftritt im ZDF-Sportstudio krankheitsbedingt absagte, stellte sich Löw einem Telefon-Interview, in dem er erstmals umfassend Fehler einräumte und Kurskorrekturen versprach.

Kritikpunkt I: Löw lässt zu offensiv spielen, die Defensive leidet

Joachim Löw: «Dieses unglaubliche Offensivpotenzial führt fast zwangsläufig zu Schwächen. Und diese Schwächen sind nicht erst jetzt, sondern schon im gesamten Jahr in Erscheinung getreten. Ich erwarte, da muss ich mir auch an die eigene Nase fassen, dass wir an Lösungen arbeiten, damit wir nicht mehr in solche Situationen kommen. Vielleicht müssen wir einen Automatismus entwickeln: Was ist zu tun, wenn wir ein Spiel dominieren und dann einen Anschlusstreffer kassieren? Da haben wir in den letzten Spielen in der Tat gewisse Schwächen gezeigt. Wir haben den Gegner das ein oder andere Mal völlig unnötig wieder ins Spiel gebracht.»

Kritikpunkt II: Löw hat keinen Plan B

«Ich konnte auch nicht glauben, dass das Spiel kippt. Vielleicht hätte ich mit einer Auswechslung ein Signal senden können, mit einem defensiven Mann, der in der Lage ist, die Mannschaft zu entlasten. So etwas habe ich in 20 Jahren auch noch nicht erlebt. Daraus lerne auch ich. Mein Plan war zuerst, als das Spiel etwas aus den Fugen geriet, ballsichere Spieler zu bringen, um wieder die richtige spielerische Qualität zu haben und die Schweden von unserem eigenen Tor wegzuhalten. Aber das ist nicht aufgegangen.»

Kritikpunkt III: Löws Mannschaftsführung ist zu lasch

«Unser Umgang mit den Spielern ist von Respekt geprägt. Ich halte nichts von einem Ton wie auf dem Kasernenhof. Das entspricht auch nicht meiner Persönlichkeit. Sondern ich will die Spieler natürlich mit einbeziehen. Wir setzen auf Kommunikation.»

Kritikpunkt IV: Löw duldet keine Leitwölfe

«Es gab verletzungsbedingte Ausfälle, die uns in so einem Spiel sicher gut getan hätten. Sami Khedira war verletzt, Mats Hummels, die beiden Benders. Wir haben genügend Spieler, die eine Dominanz ausstrahlen. Wenn man definiert, was einen Führungsspieler auszeichnet, dann wird man schon sehen, dass wir gute Führungsspieler haben. Da gehört ein großes Können und eine Akzeptanz bei den Mitspielern dazu. Das haben unsere Führungsspieler schon. Wenn man meint, dass uns derjenige fehlt, der dazwischen haut, auf Freund und Feind einschlägt, um etwas zu bewegen, den haben wir nicht. Darüber bin ich aber auch nicht böse, weil solche Spielertypen können auch mal viel kaputt machen. Da ist dann der Schaden größer.»

Kritikpunkt V: Löw ist stur und beratungsresistent

«In Workshops diskutieren wir manchmal kontrovers und unterschiedlich. Wir hinterfragen uns, was können wir besser machen. Mit manchen Dingen, die so dargestellt werden, bin ich nicht immer einverstanden. Dann heißt es, ist der Bundestrainer beratungsresistent oder kann er keine Fehler zugeben? Wer mich kennt, weiß, dass ich zu meinen Fehlern stehe oder zu einer nicht aufgegangen Strategie.»

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Wolf
  • Kommentar 5
  • 24.10.2012 14:00

Mit den Dolce-Vita-geilen, steinreichen Bayern wird das nie klappen. Und mit Löw auch nicht. Der Mannschaft fehlt jeder Biss! Wir zittern vor jedem Länderspiel, selbst wenn wir möglicherweise gegen Island oder Andorra spielen würden, geschweige denn, wenn wir gegen Elitemannschaften antreten. Spiele gegen Holland,Brasilien,Spanien etc sind reine Zitterpartien. Wenn der Gegner auch Fußball spielen kann - und das können heute alle - dann agieren für uns 11 kleine, schüchterne Mädchen auf dem Platz,die die Hände zwischen die Beine klemmen, weil sie sich schämen und der Andere ihnen was will!!

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  • Dieter Brungs
  • Kommentar 4
  • 23.10.2012 18:23

Mit Löw wird die Deutsche Nationalmannschaft nie einen Titel holen ! Wenn man überlegt, wie er an seinen Job gekommen ist, dann ist es eigentlch auch nicht verwunderlich. Der Herr sollte sich nicht so aufblasen. Herr Löv macht zu viele handwerkliche Fehler. Warum trennt man sich nicht endlich von ihm ?

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  • Busi
  • Kommentar 3
  • 23.10.2012 17:25

Löw ist der verlängerte Arm von Bayern München! Die fettgefressenen Millionäre vom FC Bayern, ein Lahm, ein Schweinsteiger und andere sind doch so satt, die bekommen ihr Geld auch ohne Nationalmannschaft. Für Ehre spielt heute von denen niemand, geschweige denn sie singen wenigstens andeutungsweise die Nationalhymne. Ich habe absolut nichts dagegen, wenn der DFB von der Spitze bis zum Trainer mal einer Rosskur unterzogen werden! Flotte Sprüche helfen nicht weiter!

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