Trainerdiskussion Labbadia rastet aus, Magath eiert herum

Der eine rastet aus, der andere rechtfertigt sich umständlich: Bruno Labbadia und Felix Magath sind derzeit die umstrittensten Trainer der Bundesliga - und gehen ganz unterschiedlich mit der schlechten Resonanz um.

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Felix Magath schreit nur an der Seitenlinie. Während der 90 Minuten redet der Trainer des VfL Wolfsburg in jedem Bundesligaspiel aufs Neue wütend auf seine Assistenten Bernd Hollerbach und Andries Jonker ein. Nach Ablauf der 90 Minuten dann referiert Magath distanziert, sachlich und meist recht umständlich über den Wolfsburger Katastrophenstart - dabei muss ihn dieses ewige Rechtfertigen doch zur Weißglut treiben. Doch provozieren lässt er sich nicht mehr; wie es hinter der Fassase des Felix Magath aussieht, weiß keiner.

Der Darmstädter Bruno Labbadia, der nur 40 Kilometer entfernt von dem in Aschaffenburg geborenen Felix Magath aufgewachsen ist, hat da ein anderes Temperament. Nach dem 2:2 gegen Bayer Leverkusen platzte es bei der Pressekonferenz aus dem Stuttgarter Coach heraus. «Es kann nicht sein, dass hier der Trainer immer wie ein Depp hingestellt wird. Die Trainer sind nicht die Mülleimer für andere Menschen», schimpfte er am Sonntagabend, «mich wundert es nicht, dass es hier alle paar Monate einen neuen Trainer gibt.»

Labbadia war wie viele Stuttgarter Trainer in der Vergangenheit von Fans und Medien infrage gestellt worden. Offenbar schaukelt sich die Stimmung in schwierigen Situationen beim VfB besonders schnell hoch. Im Dezember 2009 hatte Markus Babbel bei seiner Entlassung gesagt: «Das Ganze ist eine Heuchelei. Die Fans und die gesamte Fußballbranche haben nach dem Tod von Robert Enke gar nichts kapiert. So etwas habe ich noch nicht erlebt, diese Szenen haben mich nachdenklich gemacht.»

«Nie wieder Magath» und «Bruno raus»

Magath und Labbadia eint, dass sie derzeit die umstrittensten Trainer der Bundesliga sind. Die Ex-Profis stehen mit ihren Klubs nach desaströsen Starts im Tabellenkeller. Beiden eilt ein Ruf voraus, der in Zeiten ohne Erfolg schnell zur Gewissheit wird: Labbadia sei ein Motivationstrainer, heißt es, dessen Methoden sich nach anderthalb Jahren abnutzten; und Magath ein unzeitgemäßer und verantwortungsloser Schleifer mit einer Faible für unsinnige Shoppingtouren. Bei seinem Auftritt im NDR-Sportclub eierte Magath wie bei allen Interviews merkwürdig defensiv herum, redete von Spielern, die sich in sich kehren, statt als Mannschaft aufzutreten. Es ist nun an Magath und Labbadia, diese negativen Trends und Klischees zu widerlegen und ihre Teams wieder auf Spur zu bringen. Sonst müssen sich beide Kritik gefallen lassen - allerdings nicht unter der Gürtellinie.

Magath sprang seinem Kollegen nach dessen Ausraster solidarisch bei. Im NDRsagte der einstige Meistertrainer: «Es hat sich in diesem Geschäft eingebürgert, wenn was schief läuft, dann geben wir dem Trainer die Schuld. Es wird wirklich respektlos mit den Trainern umgegangen, leider auch in den Medien. Da braucht man sich nicht zu wundern, wenn das Publikum entsprechend reagiert.»

Magath war am Samstag bei seinem Ex-Klub Schalke mit «Nie-wieder-Magath»-Sprechchören bedacht worden. Labbadia bekam vom eigenen Anhang «Bruno-raus»-Rufe zu hören, als er den jungen Österreicher Raphael Holzhauser auswechselte. Nicht etwa wie von den Fans vermutet, weil er diesem nicht mehr vertraute, sondern weil Holzhauser sich eine Verletzung zugezogen hatte.

Wie fest sitzen Magath und Labbadia noch im Sattel?

Bleibt die Frage, wie fest Labbadia und Magath noch im Sattel sitzen. Magath kann durch das gute Verhältnis zu VfL-Aufsichtsratsboss Dr. Francisco Javier Garcia Sanz punkten, der den einstigen Meistermacher zurück nach Wolfsburg lotste. Dafür hat es sich Magath mit fast allen Spielern im Kader verdorben - schwer vorstellbar, dass sich dieses Verhältnis wieder kitten lässt. Labbadias Position in Stuttgart innerhalb des Teams ist zwar weitaus besser, dazu wird er von Manager Fredi Bobic gestärkt. Doch die Entscheidungsträger - Präsidium, Vorstand und Aufsichtsrat - sind in den vergangenen Jahren nicht gerade durch besonnene Entscheidungen aufgefallen.

kls/news.de/dpa

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • putinfanatiker
  • Kommentar 4
  • 09.10.2012 15:10
Antwort auf Kommentar 1

Raus mit den Magath bei Wolfsburg der schmeisst nur Geld SINNLOS auf die Strasse !!!!!!!!!!!!!!

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  • RAGNAROEKR
  • Kommentar 3
  • 08.10.2012 18:03

Im Fußball herrscht Wettbewerb, auch lebt der Fußball von guten Mannschaften. Daher geht es auch um Finanzen.Der Trainer ist das schwächste Glied in der Kette, denn wenn etwas nicht läuft, wird nicht die Mannschaft (Versagertruppe) o der Vorstand (Finanzversager) vor die Tür gesetzt, sondern er. Nur diese Reaktion beruhigt den Fußballfan, die bes. Spezies der Borniertheit u des Fanatismus. Leider merken diese Menschen gar nicht, was geht o was nicht geht. Daher ist der Trainer derjenige, der für alle den Kopf hinhalten muss. Es gilt aber: Auch wenn alle gleichwertig sind, zwei steigen auf/ab.

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  • Dennis
  • Kommentar 2
  • 08.10.2012 16:54

Ich habe mir am späten Abend die Sportclub Stars mit Markus Babbel. Da hörte man Sprechchöre wie "Wenn wir absteigen, seid ihr alle tot". Der sonst ruhige Babbel sprach in der Pressekonferenz deutliche Worte. Leider ohne Erfolg. Wenn ich Trainer wäre, würde ich dafür sorgen, dass solche Menschen Stadionverbot bekommen und ihre Fan-"Lizenz" abgeben, also nie wieder für irgendwelchen Verein zu jubeln zu dürfen.

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