Nach Pleite gegen Borissow Tiefe Kratzer in der heilen Bayern-Welt

Matthias Sammer
Die Karriere des neuen Bayern-Strategen
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Überraschend war nach neun Siegen in Serie nicht nur die erste Bayern-Pleite. Auch Trainer Heynckes sorgte für Verwunderung, weil er mit der jüngsten Sammer-Kritik nicht «einverstanden» war. Doch die gibt dem Sportdirektor nach der blamablen Niederlage gegen Borissow Recht.

Als Matthias Sammer mit den Bayern-Bossen beim Bankett mit gedämpfter Piano-Musik am festlich gedeckten Tisch saß, hatte sich Jupp Heynckes mit der Mannschaft längst aus dem Saal verabschiedet. Das 1:3 beim FC BATE Borissow in der Champions League war einigen bitter aufgestoßen. Mini-Lachstartar, Rindersteak oder Geflügel-Terrine hätten sich Spieler und Sponsoren lieber nach einem Sieg auf die Teller geladen. Und auch die Aussagen von Heynckes vor dem Spiel in Minsk über die jüngste Sammer-Kritik schmeckte nicht allen.

Besänftigend sprach immerhin Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge im Restaurant Dolce Vita des Crown Plaza Hotels ins Mikrofon. «Wir haben neun Spiele in Folge gewonnen, sehr überzeugend gespielt. Und ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns durch diese eine Niederlage jetzt nicht aus der Bahn werfen lassen», sagte Rummenigge in seiner traditionellen Bankettrede. Im Hintergrund waren die Bässe aus der benachbarten Disco zu hören. Und auch beim vielgepriesenen Verhältnis Sammer/Heynckes gab es dumpfe Untertöne.

Nicht nur die Münchner Siegesserie war nach neun Erfolgen dahin, auch das viel gerühmte Verhältnis zwischen Trainer und Sportdirektor hatte einen ersten Kratzer bekommen. «Mit der Form, der Art und Weise war ich nicht einverstanden. Das habe ich ihm auch gesagt», hatte der Trainer die von den Bossen gelobten Worte Sammers nach dem Sieg in Bremen beim Sky-Interview moniert. «Ich finde, dass die Kritik überzogen war. Ich finde auch, wir sollen die Kritik intern machen und nicht extern.» Dabei hatte Sammer doch tags zuvor noch erklärt, dass der Auftritt mit Heynckes abgesprochen gewesen war.

Führung will Wogen glätten

Der Sportvorstand war bemüht, den «Vorgang» als «lange abgeschlossen» und «völlig harmlos» darzustellen. Auch die Reaktion von Heynckes könne er verstehen: «Der Trainer ist unmittelbar für die Mannschaft zuständig und muss ein starkes Bündnis bilden und die Spieler schützen.» In Spielerkreisen hielt man sich bei dem Thema vorsichtig zurück.

«Ich kenne die Aussagen nicht, deswegen kann ich dazu nichts sagen», meinte etwa Kapitän Philipp Lahm und fand die Sammer-Kritik vom Wochenende gar nicht schlimm. «Es ist sein gutes Recht sich zu äußern, auch zu warnen und so sehen wir Spieler das auch. Wir haben damit kein Problem.» Auch nach Ansicht von Toni Kroos ist es Sammers «gutes Recht, seine Meinung zu sagen.»

Mit ernster Miene sprach Präsident Uli Hoeneß während des Banketts gleich gegenüber des Stadions kurz mit Heynckes, der beim bis dato erfolgreichen Rotieren die erste Niederlage kassierte. So war Bastian Schweinsteiger überraschend draußen geblieben, in der Zentrale konnten Javi Martínez und Luiz Gustavo dem Spiel nicht wie der Chef den Rhythmus geben. Mit Blick auf die nächste Aufgabe am Samstag gegen Hoffenheim beendeten Schweinsteiger & Co. nach einer halben Stunde ihre Bankettteilnahme.

Aus der Niederlage lernen

«Ich denke, dass es vielleicht gar nicht so tragisch ist, wenn es die Mannschaft versteht, im nächsten Bundesligaspiel zu reagieren», sagte Heynckes. «Aus solch einem Spiel können wir lernen.»

Im Team klangen selbstkritische Töne an. Bei den Kontern «müssen wir zusammen kompakt alle zurück und das war heute nicht der Fall», meinte etwa Holger Badstuber. Thomas Müller riet, «die Lehren draus zu ziehen, aufmerksam zu werden und aufzuwachen». Gerade beim schnellen Umschalten des achtmaligen weißrussischen Meisters wurden überraschende Lücken in der FCB-Defensive deutlich. «Ich denke, von der Einstellung her kann man der Mannschaft nichts vorwerfen», betonte Manuel Neuer und forderte zwei Siege gegen Lille.

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Nur auf Rang drei ihrer von Borissow angeführten Gruppe rangieren die Münchner, dagegen feierten Alexander Hleb und seine Mitspieler im Mittelkreis tanzend den ersten Heimsieg in der Gruppenphase der Champions League - und das gegen den FC Bayern. «Eine der besten Mannschaften der Welt», wie der ehemalige Bundesliga-Profi Hleb betonte. Alexandr Pawlow (23. Minute), Witali Rodionow (78.) und Renan Bressan (90.+4) trafen für BATE. Franck Ribery (90.+1) schoss das Tor für die Münchner, die 62 Prozent Ballbesitz hatten.

«Diese Niederlage tut ohne Frage weh, weil sie uns in der Tabelle ein Stück zurückwirft. Aber man darf auch nicht vergessen: Wir haben noch vier Spiele vor uns, in denen wir die Dinge korrigieren können», erklärte Rummenigge. «Es ist wichtig, dass wir sofort Flagge zeigen und am Samstag das Spiel, das vor der Länderspielpause ganz wichtig ist, gewinnen.»

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sca/news.de/dpa

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