Balitschs 300. Spiel Der «Zeitzeuge» der Bundesliga

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Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Hanno Balitsch ist seit elf Jahren in der Bundesliga dabei. Nur Claudio Pizarro und Gerald Asamoah haben mehr Partien erlebt. Mit news.de spricht der 31-Jährige über eine Dekade Profifußball, Segen und Fluch des Jugendwahns, mündige Spieler und hungrige Kollegen.

Hanno Balitsch, wissen Sie, was Sie mit Gerald Asamoah und Claudio Pizarro gemeinsam haben?

Hanno Balitsch: Ich bin im Zusammenhang mit meinem 300. Bundesligaspiel am Freitagabend darauf hingewiesen worden, dass Pizarro, Asamoah und ich die einzigen aktiven Bundesligaspieler sind, die 300 und mehr Spiele absolviert haben. Das ist 'ne tolle Marke, ein schöner Meilenstein in meiner Karriere. Ich habe dafür ein kleines Präsent bekommen vom Verein ...

Was denn?

Balitsch: Eine Collage mit allen Stationen von mir.

Haben Sie Ihr Jubiläum trotz der Niederlage gegen Frankfurt genießen können und den Kollegen einen ausgegeben?

Balitsch: Ich habe am Samstag zum Training einen Kuchen mitgebracht, aber der hat bei der Meute nicht lange gehalten. Die sind direkt darüber hergefallen. Natürlich freue ich mich über das Jubiläum, aber so wichtig ist es mir auch nicht – ich hätte das gern eingetauscht gegen drei Punkte.

Trotz Ihrer erst 31 Jahre sind Sie ein «Zeitzeuge» der vergangenen Bundesliga-Dekade. Als Sie 2001 gegen Stuttgart Ihr erstes Spiel für den 1. FC Köln im Oberhaus absolviert haben, war dort Ewald Lienen noch Trainer. Sie haben gegen Krassimir Balakov gespielt ... Wie hat sich die Bundesliga seit Ihrem Karrierebeginn verändert?

Balitsch: Es ist spannend, sich über diese Zeit hinweg in der Eliteliga zu bewegen. Als 19-, 20-Jähriger war es natürlich aufregend, in die 1. Liga reinzuriechen, die ersten Schritte zu machen und dann gleich bei einem großen Verein wie Köln. Mit den Jahren hat sich viel geändert in den Teams. Vor allem durch die Nachwuchsleistungszentren, wo die Spieler schon in jungen Jahren sehr viel professioneller arbeiten, als in meiner Generation.

Segen und Fluch zugleich?

Balitsch: Die Spieler, die mit 18, 19 Jahren in die 1. Liga kommen, sind deutlich weiter, als wir damals. Deswegen sind die Mannschaften ja auch so jung im Moment, weil viele Talente sehr früh in die Bundesliga geworfen werden. Bei einigen geschieht das auch zu früh. Diese Nachhaltigkeit, die wir bringen mussten, uns etliche Spiele auf gutem Niveau zu beweisen, die gibt es heute nicht mehr. Die jungen Spieler kommen sehr schnell hoch, werden extrem gehyped, aber auch schnell heftig kritisiert.

Wie nehmen Sie diese neue Spieler- und auch Trainergeneration im Vergleich zum Start Ihrer Laufbahn wahr?

Balitsch: Ich habe es als junger Spieler positiv empfunden, dass da Spieler waren, an denen man sich orientieren konnte, die einen aber auch mal zurechtgewiesen haben. Das habe ich damals über mich ergehen lassen müssen. Da war es noch normal, dass die jungen Spieler die Tore tragen und die Bälle putzen. Das ist heute nicht mehr in allen Vereinen so. Die Hierarchien werden flacher und flacher. Junge Spieler müssen mehr Verantwortung übernehmen, was gut sein kann, aber nicht gut sein muss. In gewissen Situationen ist es für die Jungs wichtig, sich an einem erfahreneren Spieler zu halten, der auch charakterlich eine Persönlichkeit ist.

Sie sind inzwischen selbst ein Leitwolf beim 1. FC Nürnberg. Wie füllen Sie diese Rolle aus?

Balitsch: Ich orientiere mich daran, welchen Umgang seitens der älteren Spieler ich früher als angenehm empfunden habe. Bei meiner ersten Profistation bei Waldhof Mannheim haben mich die gestandenen Profis spüren lassen, dass ich aus der A-Jugend komme. Die sind im Training reihenweise an Toren und Bällen vorbeigegangen, und in Trainingsspielen wurde ich häufiger mal heftig attackiert. Auf der anderen Seite haben sie mich als jungen Spieler auf und neben dem Platz gerade auch verbal unterstützt.

Klingt trotzdem nach einer harten Schule.

Balitsch: Das hat mich damals teilweise gestört, deswegen versuche ich es heute eher über eine kommunikative Ebene. Es gibt aber auch mal Situationen, wo man als älterer Spieler auf dem Platz auch im Training mal ein Zeichen setzen muss. Das ist die Sprache des Fußballs. Ich versuche, meine Werte und Verantwortung weiterzugeben, setzte dabei aber auch auf das Verantwortungsgefühl der Jungen.

Sie haben bei all Ihren Stationen Verantwortung übernommen, waren auch in der U21-Nationalmannschaft Kapitän, haben dann aber nur ein einziges Freundschaftsspiel in der A-Nationalmannschaft gemacht. Wurmt Sie das?

Balitsch: Ich wollte immer auf möglichst hohem Niveau spielen, aber vor allem wollte ich spielen. Ich bin damals bei Bayer Leverkusen einige Male für die Nationalmannschaft nominiert worden, habe dann aber nicht mehr regelmäßig gespielt und musste den Umweg über Mainz nehmen. Da war ich einfach nicht mehr im Fokus. Als Jürgen Klinsmann Bundestrainer wurde, bin ich durch das Sichtungsraster gefallen. Doch ich trauere dem nicht nach. Ich habe 300 Bundesligaspiele gemacht plus internationale Einsätze auf höchstem Niveau – ich bin völlig im Reinen mit mir.

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Bundesliga - 5. Spieltag: Nürnberg bei Hannover 96 - Bundesliga-«Zeitzeuge» Balitsch im Interview » Sport » Aktuelles

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