Fußball Dänische Fußballzwerge wollen Champions League erobern

Kanonenfutter oder vielleicht doch das Zeug zu mehr? Die komplett unbekannten Fußball-Nobodys vom dänischen Meister Nordsjælland müssen in der Champions League zur ukrainischen Millionärself in Donezk. Danach warten Juventus Turin und der FC Chelsea auf den Vorstadtclub.

Dänische Fußballzwerge wollen Champions League erobern (Foto)
Dänische Fußballzwerge wollen Champions League erobern Bild: dpa

Kopenhagen (dpa) - Die Fans von den «Wild Tigers» sind wohl schon das Wildeste, was Dänemarks international komplett unerfahrener Fußballmeister FC Nordsjælland zur Champions-League-Premiere aufbieten kann. Wenn der kleine Vorstadtclub aus Farum bei Kopenhagen am Mittwoch in der Ukraine gegen die vor allem aus Brasilien zusammengekaufte Millionen-Truppe von Schachtjor Donezk aufläuft, erwartet daheim niemand ein Wunder.

Dass man plötzlich dabei ist in der Liga der allergrößten Namen, ist für die Dänen schon das Wunder. Niemand stört auch, dass man gegen die anderen noch übermächtiger scheinenden Gruppengegner Juventus Turin und den FC Chelsea möglicherweise ein blaues Wunder erleben muss. Oder auch zwei. Titelverteidiger Chelsea eröffnet seine Saison in Europas Eliteliga zu Hause gegen den italienischen Rekordmeister. Auch die Mitfavoriten FC Barcelona (gegen Spartak Moskau) und Manchester United (gegen Galatasaray Istanbul) greifen am Mittwoch ins Geschehen ein.

Für den FC Nordsjælland ist unterdessen Dabeisein schon alles. 40 «Wild Tigers» reisen nicht etwa mit nach Donezk, sondern versammeln sich brav in der «FCN Bar» im eigenen Stadion. Das hat gerade mal Platz für 9800 Zuschauer und eine buchstäblich kriminelle Geschichte: Groß geworden ist der FCN durch den fußballverrückten Farum-Bürgermeister Peter Brixtofte, der 2006 für Mafia-Methoden beim Stadionbau und beim Angeln von Clubsponsoren zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde.

Nach dieser unsauberen Starthilfe hat sich der FCN im dänischen Fußball langsam, aber sicher an die Spitze gearbeitet. In der letzten Saison gelang der große Coup gegen den sonst in Dänemark unangefochten dominierenden FC Kopenhagen. Der neue Trainer Kasper Hjulmand holte mit seiner Nobody-Truppe den ersten Meistertitel.

«Seit der Minute, als wir das geschafft haben, beschäftigt mich die Champions League», sagte Hjulmand der Zeitung «Politiken». Heimische Experten halten den 40-Jährigen für den Schlüssel zum FCN-Erfolg. Glück kam dazu, denn erstmals ist ein dänischer Meister automatisch für die europäische Königsklasse qualifiziert. Vom in der Qualifikation gescheiterten Rivalen FC Kopenhagen borgt sich der Vorstadtverein jetzt das viermal größere Stadion Parken und auch Fach-Personal für die Heimspiele. Selbst hat der FCN das nicht.

«Wir gehen die Spiele nicht in Sack und Asche an und wollen Europa zeigen, dass wir es weit bringen können», meinte Nationalspieler Kasper Lorentzen in «B.T.». Seinen Namen kennen außerhalb heimischer Expertenkreise nur wenige, im Gegensatz zu dem von Andreas Laudrup. Der Linksfuß ist nämlich der Sohn des als Spieler in Dänemark hoch verehrten Michael Laudrup, der derzeit als Trainer beim englischen Erstligisten Swansea arbeitet.

FCN im Internet, dänisch

news.de/dpa

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