Schwuler Fußballprofi «Das anonyme Interview ist echt»

Homosexuelle Sportler
Liebkosungen auf dem Platz

Stehen Sie in Kontakt zu anderen homosexuellen Profisportlern?

Urban: Das sind nicht nur irgendwelche Profis, es sind Helden meiner Jugend. Nationalspieler aus allen möglichen Ländern beispielsweise, die sich auch jetzt nach Karriereende noch verstecken. Es sind nicht nur Fußballer, auch schwule Boxer, Ruderer, Basketballer, Funktionäre, Kinder, Jugendliche, die mir ihre Geschichten erzählen. Es handelt sich hierbei um kein kleines Problemchen, das betrifft Tausende. Der anonyme Profi, der jetzt das Interview gegeben hat, ist nur einer von vielen.

Haben Sie Schätzungen?

Urban: Sie werden es mir nachsehen, dass ich bislang keine Befragung unter homosexuellen Bundesligaspielern realisieren konnte. Aber gehen Sie von einem Wert zwischen 5 und 15 Prozent aus. Ich vermute, dass es mehr homosexuelle Leistungssportler gibt als wir uns das vorstellen. Denn Leistungssport ist ja im Grunde wie gemacht für Schwule und Lesben.

Inwiefern?

Urban: Körperkult, körperliche Ertüchtigung, sich messen, keine Familie, ich kann mich konzentrieren auf die Aufgabe als Leistungssportler.

Bringt das Interview einen Stein ins Rollen oder ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Urban: Es bringt einen Stein ins Rollen. Ich spüre die Auswirkungen schon. Ich stehe mit dem DFB bezüglich Diskriminierungsthemen in Kontakt, da wird etwas passieren. Man hat dort erkannt, dass man neben den guten Worten wirklich handeln und den Vereinen und Verbänden Handwerkszeug geben muss, um sich auf den Tag X vorzubereiten, an dem die Outings kommen. Das Interview ist ein Zwischenschritt hin zu einer Normalisierung des Themas. Normal wäre, wenn Schwule und Lesben Hand in Hand durch Stadion gehen; wenn ein Spieler seinen Freund mit zur Weihnachtsfeier der Fußballmannschaft bringt. Das Interview trägt enorm zur Sensibilisierung bei und ist die Vorbereitung auf die Outings, die kommen werden.

In welchem Zeitraum, glauben Sie?

Urban: Das weiß keiner, es kann nächste Woche passieren. Deswegen sollten sich Vereine und Verbände schleunigst darauf vorbereiten, damit wir handeln können, wenn die großen Aufschreie in den Stadien kommen, wenn die Öffentlichkeit hyperventiliert.

Sie selbst wollen das Thema mit der Verfilmung Ihres Buches «Versteckspieler» auch ins Kino bringen.

Urban: Das Filmprojekt wurde leider bislang von den Institutionen, die die Fördergelder bewilligen, nicht als aktuelles, heißes Thema eingestuft. Dadurch ist der Film bislang nicht zustande gekommen. Aber wie man sieht, brennt diese Thematik total, das wäre für unglaublich viele Menschen ein Anlass, ins Kino zu gehen. Noch habe ich den Film nicht ganz aufgegeben. Vielleicht ist es eine Frage der Zeit, bis er doch noch entsteht. Ich hoffe darauf.

Marcus Urban, Jahrgang 1971, ist der erste deutsche Fußballprofi, der sich öffentlich geoutet hat. Der einstige Spieler von Rot-Weiß Erfurt und der DDR-Nachwuchsauswahl beendete seine Karriere jedoch, bevor sie richtig beginnen konnte. 2008 veröffentlichte er gemeinsam mit dem Journalisten Ronny Blaschke seine Biografie. Aktuell engagiert er sich für die Magnus-Hirschfeld Stiftung für das Projekt Homophobie im Fußball.

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iwi/news.de

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Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • derchecker
  • Kommentar 8
  • 18.02.2013 16:52

Jeder wie er will...mir is wurscht welche sexuelle Ausrichtung jemand hat ...wie grausam muß es sein täglich angst zu haben und sein leben nicht so leben zu können wie man möchte.jedem der sich outet zolle ich den größten Respekt aber ich glaube die zeit ist leider noch nicht reif

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  • bochum
  • Kommentar 7
  • 12.01.2013 00:21

was wir für euer Verein tuen , sonst nichts . Das Privatleben geht euch nix an und ihr habt nicht das recht uns in den Dreck zu ziehen . Sorry das musste sein ! Danke

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  • bochum
  • Kommentar 6
  • 12.01.2013 00:18

Solche Beiträge kann ich nicht verstehen ! Man sucht es sich nicht aus Hetero oder Homosexuell zu sein . Man kann kein Menschen verbiegen! Ich spiele selber Fussball und bin Homosexuell und paar leute wissen das aus meiner Mannschaft und stehen zu mir ! Wir leben nicht zu H..... zeiten !!! Jeder Mensch sollte so sein wie er ist und sich nicht für den Rest der Gesellschaft zu verstecken! fussballerische leistung und Homosexualität sind 2 verscheieden paar Schuhe , sowas darf man nicht in einer Schublade stecken.Für euch konservertive Fans sollte nur die Leistung interresseieren...

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