Stars aus Japan Kagawas Erben mischen die Liga auf

Rekordtransfers
Die teuerste Elf der Bundesliga-Geschichte

Ullrich KroemerVon news.de-Redakteur
Ein Trio aus dem Land der aufgehenden Sonne verzaubert die Fußball-Bundesliga: Nürnbergs Hiroshi Kiyotake ist einer der besten Scorer der Liga, Frankfurts Takashi Inui ist Teil des Höhenflugs der Eintracht und Takashi Usami hält in Hoffenheim die rote Sonne hoch.

Dieter Hecking ist bislang nicht als Spaßvogel aufgefallen. Meist gibt sich der Trainer des 1. FC Nürnberg, der auch eine Ausbildung als Polizist absolviert hat, vor laufenden Kameras sachlich und hoch professionell. Am Samstagabend jedoch überkam es auch Hecking. Nach der Klasse seines Neuzugangs Hiroshi Kiyotake gefragt, konnte Hecking nicht mehr an sich halten und sagte vor Stolz breit grinsend in die Kameras: «Man hat heute gesehen, wie gut der Junge ist.»

Nicht nur Hecking zaubert der Japaner ein Lächeln ins Gesicht, den Nürnberger Fans und allen Fußballbegeisterten hierzulande geht es ähnlich. Denn der 22-Jährige Edeltechniker aus Osaka wirbelt wie in den vergangenen Spielzeiten der Ex-Dortmunder Shinji Kagawa. «Er hat etwas, wo wir mit der Zunge schnalzen», sagt Hecking. Beim 3:2-Auswärtserfolg bereitete Kiyotake zwei Treffer per Freistoß vor und erzielte das Siegtor mit einem traumhaften Solo gegen drei Gladbacher selbst. Etwa 15 Japaner spielten in der Bundesliga-Historie bereits in der höchsten deutschen Spielklasse, Kiyotake ist nach Shootingstar Kagawa bislang der aufsehenerregendste.

Beeindruckende Integration: «Kiyotake ist kaum da und schon mittendrin»

Wie einst Kagawa kommt auch Kiyotake von Cerezo Osaka. Und wie nun in der Bundesliga war er auch bei dem japanischen Klub Kagawas Nachfolger, als der 2010 für einen lächerlichen Betrag in die Bundesliga wechselte. Nürnbergs Manager Martin Bader war dermaßen von Kiyotake überzeugt, dass er gleich mehrfach nach Japan flog, um das Juwel für die Franken zu gewinnen. Eine Million Euro überwies er für den Transfer an Osaka und stattete den Nationalspieler mit einem Vierjahresvertrag aus; Kiyotakes Marktwert hat sich bereits jetzt mehr als verdoppelt. Ähnlich wie bei Kagawa, der jüngst für 16 Millionen Euro nach Manchester wechselte, dürfte auch sein Wert weiter steigen.

Neben technischer Brillanz und physischer und gedanklicher Schnelligkeit überzeugen vor allem Kiyotakes Standards. Ruhende Bälle schlägt der 1,72-Meter-Mann mit beeindruckender Präzision auf die Köpfe seiner Teamkollegen. Drei Treffer bereitete Kiyotake, dessen Name auf Japanisch übrigens so aussieht: 清武 弘嗣, in dieser Saison schon vor.

«Kiyo ist kaum da und schon mittendrin», sagt sein Klubkollege Hanno Balitsch. «Er hat überhaupt keine Anlaufschwierigkeiten und tut unserem Spiel unheimlich gut.» Geh Deinen Weg stand auf den Trikots aller Bundesligaspieler am Wochenende, auf Kiyotake passte der Slogan der Integrationskampagne von Liga und Bundesregierung besonders gut. Weil einer wie Kiyotake den Unterschied macht, ist der «Club» zum Start der 50. Bundesligaspielzeit neben Eintracht Frankfurt die Überraschungsmannschaft der Stunde. «Die Gegner sollten sich was einfallen lassen», sagt Balitsch.

Auch Inui und Usami kommen aus der Talentschmiede Osaka

Neben Kiyotake überzeugen derzeit noch zwei weitere Japaner in der Bundesliga: Takashi Inui ist als Linksaußen der Eintracht ein wichtiger Bestandteil des Höhenflugs des Frankfurter Traditionsklubs. In allen drei Partien dieser Spielzeit agierte Inui überdurchschnittlich, bereitete zwei Treffer vor und traf am Sonntag gegen den HSV selbst. Der 24-Jährige kommt ebenfalls aus der Talentschmiede Osaka, war bereits in der vergangenen Saison beim VfL Bochum und wechselte nun für 1,2 Millionen Euro zum Aufsteiger.

Und auch Landsmann Takashi Usami, ebenfalls in Osaka ausgebildet, kommt so langsam in der Bundesliga an. Der FC Bayern lieh den 20-Jährigen in dieser Spielzeit an die TSG Hoffenheim aus. Im Team von Trainer Markus Babbel gehörte Usami beim 3:5 in Freiburg zu den wenigen Lichtblicken im Team, bereitete ein Tor vor und traf noch selbst. Doch allein kann der Mann aus dem Land der aufgehenden Sonne auch nicht dafür sorgen, dass sich die dunklen Wolken über dem Tabellenletzten aus dem Kraichgau verziehen.

Beim BVB übrigens haben sie nach Kagawas tränenreichem Abgang nun zwar keinen Japaner mehr, aber einen, der wie ein Japaner spielt: Mario Götze hat zurück zu alter Stärke gefunden und gibt im BVB-Ensemble das Kagawa-Double.

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iwi/news.de

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