Fluter-Interview Der unbekannte Schwule

Ein Interview sorgt für Aufregung: Der Journalist Adrian Bechthold sprach für das Magazin fluter mit einem schwulen Fußballer. Angela Merkel und Uli Hoeneß machen Betroffenen Mut, Wolfgang Niersbach fordert mehr Offenheit. Aber es kommen Zweifel auf: Ist das Interview überhaupt echt?

Homosexuelle Fußballer scheuen das Licht der Öffentlichkeit. (Foto)
Homosexuelle Fußballer scheuen das Licht der Öffentlichkeit. Bild: dapd

Interviews mit Fußballern gibt es viele. Meist sind sie sie inhaltsarm, schnell wieder vergessen und erzeugen keine besonders große Aufmerksamkeit. Anders das Gespräch, das am Dienstag im fluter, dem Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung, erschien.

Dort spricht der Journalist Adrian Bechtold mit einem Fußballstar. Welcher das ist - unbekannt. Der Sportler ist schwul, er möchte nicht erkannt werden, lieber anonym bleiben. Das Interview, das der 25-Jährige Journalist mehrere Monate intensiv vorbereitet hat, gibt keinerlei Hinweise auf den Gesprächspartner. Es geht um den Schutz der Person, sagt der Journalist.

Homosexuelle Stars: «Ich bin schwul, und das ist auch gut so»

Kurz nach Erscheinen des Artikels, noch am Dienstagabend, twittert der Spiegel-Redakteur Peter Ahrens: «Der schwule Fußballer - das ist die Spinne in der Yuccapalme des Sportjournalismus.»

Am Mittwoch spricht Adrian Bechthold mit der Süddeutschen Zeitung. Dort geht er näher auf die Entstehungsgeschichte des Interviews ein. Er berichtet, dass er sich rund ein Jahr immer wieder mit dem Fußballer getroffen habe - Ausgang ungewiss. Es ging darum, Vertrauen aufzubauen. Trotz aller Aktionen gegen Homophobie im Sport: Schwule Fußballer haben es nicht leicht - auch 14 Jahre nach dem Selbstmord des einzigen Profifußballers, der sich je outete: Justin Fashanu. Der ehemalige Spieler von West Ham United hatte sich 1998 aus Angst und unter dem Druck gesellschaftlicher Zwänge in seiner Garage erhängt. In seinem Abschiedsbrief schrieb er damals: «Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, ist hart.»

Am Donnerstag äußern sich dann sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bayern Präsident Uli Hoeneß und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zu dem Thema. Sie forderten mehr Toleranz von der Gesellschaft und machten Homosexuellen Mut: «Dass immer noch Ängste bestehen, was das eigene Umfeld anbelangt, müssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber wir können ein Signal geben: Ihr müsst keine Angst haben», sagte die Kanzlerin. Uli Hoeneß versprach Spielern, die sich outen wollten, den nötigen Schutz. Und Wolfgang Niersbach sagte allen die volle Unterstützung des DFB zu. So wolle man ein Zeichen setzen.

Echt? Oder nur ein Fake?

Der Freitagmorgen wartet mit einem Text von 11Freunde auf: «Der Scoop sieht aus wie ein Fake» heißt der Text, in dem Chefredakteur Philipp Köster seine Bedenken offen legt, das Interview könne nicht echt sein: Der Journalist Bechtholt sei bisher nicht wirklich als Redakteur in Erscheinung getreten, die Antworten würden sich widersprechen und offenbar wisse in dem Verein des Spielers jeder Bescheid - wie könne es da passieren, dass noch nichts nach außen gedrungen sei?

Daraufhin entspinnt sich bei Twitter eine erneute Diskussion zum Thema: Darf man überhaupt öffentlich machen, dass es sich bei solch einem Thema um ein Fake handelt? Der Nutzer Surfin_Bird wirft der 11Freunde vor, diese Art des Journalismus sei nicht weit von dem entfernt, was um Bettina Wulff gerade geschehe.

Autor Adrian Bechthold scheint diese Diskussion geahnt zu haben. In dem Interview mit der SZ sagte er, man habe ihm gedroht, das Gerücht zu streuen, das Gespräch mit dem Spieler sei nicht echt, sollte er nicht den Namen des Betreffenden nennen. Er bezieht sich aber auf einen Boulevardjournalisten - und als das lässt sich Philipp Köster eindeutig nicht bezeichnen.

Die Diskussion geht weiter.

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kls/news.de

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