2:1 gegen Österreich Der Sieg der Fußballphrasen

Fußballphrasen
Inhaltsärmer geht es immer

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Das Spiel der DFB-Elf war nicht gut, was also nach Abpfiff zu den wartenden Journalisten sagen? Die Interviews zeigten einmal wieder: Es gibt immer etwas zu sagen und sei es nur die tausendste Wiederholung der gängigen Phrasen. News.de hat genau hingehört.

Nach dem Spiel, wenn die Trikots getauscht und den Fans artig applaudiert wurde, stehen dort die Journalisten mit ihren Mikros und stellen diese gemeinen Fragen über den Verlauf des Spiels, das ungeschickte Abwehrverhalten oder zu einer offenbar lustigen Episode der vergangenen 90 Minuten.

So auch nach dem Spiel der DFB-Elf gegen die österreichische Nationalmannschaft. Das Spiel wurde 2:1 gewonnen, aber der Sieg war mehr als glücklich. Die Österreicher kämpften aggressiv und überrumpelten die deutsche Abwehr ein ums andere Mal. 

Statt auf die Frage des ARD-Moderators einzugehen, referiert Kapitän Philipp Lahm über den Verlauf des Spiels: «Mit dem Spiel, vor allem am Anfang und am Ende, können wir nicht zufrieden sein» und «Der Gegner hat früh Druck gemacht und wir sind überhaupt nicht damit klar gekommen».

Thomas Müller ergab sich im Interview in die Phrase «Es war das erwartet schwere Spiel» und Trainer Joachim Löw sagte «Jetzt müssen wir den nächsten Schritt machen». Manuel Neuer erkannte gar, warum der Gegner zu Chancen gekommen war: «Die Chancen der Österreicher entstanden durch unsere eigenen Fehler.»

Sätze, die alles, aber vor allem nichts sagen. Wir haben genau hingehört - was meinen die Spieler eigentlich?

Philipp Lahm: «Und dann kriegen wir wieder ein unnötiges Gegentor - und dann wird es natürlich eng.»

Ja. Und ja. Gegentore sind immer unnötig, und eng wird es dabei auch - es sei denn, die Mannschaft hat bereits fünf Tore Vorsprung.

Manuel Neuer: «Wir haben uns vorgenommen, ein gutes Spiel abzuliefern.»

Erschreckend wäre, wenn die Mannschaft sich vorgenommen hätte, ein schlechtes Spiel abzuliefern. Warum sollte man das tun? Um ausgepfiffen zu werden, um von Zuschauern, Moderatoren und Journalisten danach befragt zu werden?

Thomas Müller: «Wir haben ein paar individuelle Fehler gemacht.»

Wir, die individuelle Fehler machen - Individuelle Fehler sind auf eine Person konzentriert, machen «wir» Fehler, haben alle den Fehler gemacht.

Thomas Müller: «Ich gewinne lieber mit viel Arbeit 2:1, als dass ich mit zehn Übersteigern verliere.»

Wer verliert schon gern, vor allem dann, wenn es um etwas geht? Mit schönem Spiel, aber zu vielen Niederlagen wird man nur - Achtung, Phrase - Meister der Herzen.

Mats Hummels: «Es ist brandgefährlich, wenn man in einen Konter reinläuft.»

Noch so eine kluge Schlussfolgerung.

Marcel Koller, Nationaltrainer Österreichs: «Wenn man verliert, ist man nie zufrieden.»

Siehe Manuel Neuer und Thomas Müller. Was wäre Fußball, wenn man nicht gewinnen wollte? In der Folge: Wer verliert, hat nicht das erreicht, was er wollte. Außer er gehört einer Wettmafia an - womit dann doch irgendwie gewonnen hat.

Marko Arnautovic: «Die haben wieder nur mit Glück gewonnen.»

Das kann man sehen, wie man will. Generell ist es so, dass es bei einer Niederlage leichter ist, vom Glück der Anderen als von der eigenen Unfähigkeit zu sprechen.

Jogi Löw: «Jetzt müssen wir den nächsten Schritt machen, defensiv konsequent sein und früh stören.»

Der nächste Schritt ist klar, defensiv arbeiten auch - und das frühe Stören dann ohnehin. Welche Mannschaft, welcher Trainer, welcher Zuschauer möchte bis zum ersten Tor denn 90 Minuten warten?

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kls/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Klaus S
  • Kommentar 5
  • 12.09.2012 15:37

Traurig,Traurig und nochmals Traurig mehr kann man zum Spiel und den danach gegebenen schönreden nur Sagen.

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  • grauselix
  • Kommentar 4
  • 12.09.2012 13:08
Antwort auf Kommentar 2

soll natürlich "standen" heissen.

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  • hpklimbim
  • Kommentar 3
  • 12.09.2012 13:04

Die Verbreitung bekannten Elends in wohlbekömmlicher bzw. tatsachenverfälschender Form ist in doch schon lange mediales Tagesgeschäft. Die Kunst, altbekannte oder neue Sch...e als in Worte verpackte Schönfärberei wie Rosinen zu verkaufen. Kennen wir doch hinreichend auch aus der Poliitk, Shit as shit can.....

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