Fall Pezzoni Der 1. FC Köln handelt falsch

Von news.de-Redakteurin Ulrike Bertus
Gewaltbereite Fans, flüchtende Spieler und ein offensichtlich hilfloser Verein: Der 1. FC Köln zeigt im Umgang mit dem ehemaligen Profi Kevin Pezzoni eine bedenkliche Seite des Fußballs. Dabei könnten die Geißböcke eine Vorbildfunktion übernehmen - stattdessen senden sie falsche Zeichen an Spieler und Anhänger.

Voran die Fakten: Kevin Pezzoni, ehemaliger Abwehrspieler des 1. FC Köln (90 Spiele, 3 Tore), wurde von Fans bedroht. Der 23-Jährige wird von Anhängern des Vereins für den Abstieg aus der Bundesliga und den schlechten Saisonstart der Geißböcke verantwortlich gemacht. Im Februar wurde ihm auf einer Feier die Nase gebrochen, im August und September - nach den ersten Ligaspielen - wird eine Facebookgruppe gegründet, die dazu aufruft, «Kevin Pezzoni und Co.» aufzumischen. Gewaltbereite Fans postieren sich vor seiner Wohnung, bedrohen ihn, randalieren an seinem Auto. Der Vertrag des ehemaligen Jugendnationalspielers wird daraufhin aufgelöst - er sucht noch nach einem neuen Verein.

Dieser Fakt ist schon allein für sich bedenklich. Anstatt gegen die Anhänger des Vereins vorzugehen, schiebt man den Mann ab, der in den vergangenen Monaten für die Misere der Kölner verantwortlich gemacht wurde, der bedroht und geschlagen wurde. Das ist ungefähr so, als würde ein Mitarbeiter in einem Unternehmen gemobbt und nicht der Mobbende, sondern das Opfer entlassen.

Der Verein gibt ein erbärmliches Bild ab

Schlimmer wird der Fall dadurch, dass nun eine Schlammschlacht folgt - bei der es der Verein wieder nicht schafft, sich hinter Kevin Pezzoni zu stellen. Stattdessen vermeldet die Bild, man prüfe eine Klage gegen den 23-Jährigen, weil dieser seine Verschwiegenheitsverpflichtung gebrochen habe. Zudem kolportiert der 1. FC Köln in der Welt, der Abwehrspieler habe ohnehin Ärger gemacht, sich mit der Forderung nach ungerechtfertigten Prämien und vertragswidrigen Werbeeinnahmen hervorgehoben. Die Schlägerei im Februar habe keine spielerischen Gründe, sondern Ursachen im Privatleben des Spielers. Unwürdiges Nachtreten, das offenbar vergessen machen soll, dass der Verein in der Causa Pezzoni ein erbärmliches Bild abgibt.

1. FC Köln
Trainerchen, wechsel dich!
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Richtig wäre es, hart gegen die Initiatoren der Aktionen vorzugehen - ein Stadionverbot reicht da kaum aus. Der Gründer der Facebookgruppe zeigte selbst in einem Gespräch mit Radiomoderator Domian keine Reue, stellte sich beinahe als unschuldig hin - erst eine gezielte Frage des Moderators offenbarte, dass der Fan als gewaltbereit bekannt ist.

Kevin Pezzoni ist nicht der erste Spieler, der die Wut von Fans zu spüren bekommt - die Kölner Fans zeigen sich besonders amoralisch. So wurde 2011 auf dem Trainingsgelände der Spruch «Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot» entdeckt. Christian Eichner, ebenfalls Abwehrspieler, versteckte sich daraufhin nach einer Niederlage im Kofferraum seiner Eltern.

Kontraproduktives und falsches Zeichen

Weil die Funktionäre des Vereins aber nichts gegen diese mehr als bedenklichen Auswüchse der Fankultur getan haben, sind nun Tür und Tor geöffnet. Das Signal, das der Verein mit der Vertragsauflösung und dem Nachtreten in Richtung eines ihrer ehemaligen Leistungsträger, sendet, ist so falsch und so kontraproduktiv wie es nur sein. Sie sagen: «Ihr bedroht die Spieler und wir geben Eurem Willen nach. Ihr gewaltbereiten Fans seid die Starken, wir sind die Schwachen und im Unrecht.»

Mag Kevin Pezzoni auch ein Unruheherd in der Mannschaft gewesen sein (vor dieser Geschichte war davon zumindest nichts bekannt), verdient hat es kein Mensch, so behandelt zu werden. Der Fall des Abwehrspielers zeigt vielmehr, dass der 1. FC Köln nicht nur eine problematische Anhängerschaft hat - sondern dem Verein an sich moralische Maßstäbe fehlen. Eine «Arbeitsgruppe Fankultur» wird das Problem deshalb kaum lösen können.

ham/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • AP
  • Kommentar 3
  • 11.09.2012 15:53

Das Herr Pezzoni die Nase gbrochen wurde weil er einem anderen Spieler aus Köln die Freundin ausgespannt hat und wie der letzte Vollproll in Köln rumläuft, dazu sich zum Superfussballer kocketiert....das ist ein Armutszeugnis. Erstmal Leistung bringen und sich für den Verein den A...aufreissen und dann kann ich mich auch hinstellen und zu recht nach Aufmerksamkeit und Ruhm bitten. Der FC hat sich falsch verhalten...ganz klar. Aber manchmal ist das auch Taktik.

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  • Klaus
  • Kommentar 2
  • 10.09.2012 20:56
Antwort auf Kommentar 1

Den Blödsinn lässt eher der wohl betriebsblinde Kommentator "DS" raus. Frau Bertus ist in vollem Umfang Recht zu geben. Die Verantwortlichen des 1.FC Köln haben sich blamiert bis auf die Knochen. Was gibt es daran und an der jetzt auch noch draufgesetzten Schlammschlacht überhaupt noch zu verteidigen? Ein trauriges Spektakel für einen ehemals respektablen Verein.

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  • DS
  • Kommentar 1
  • 10.09.2012 12:33

Uninformierter, halbgarer, teilweise unwahrer und daher gefährlich populistischer Blödsinn, den sie hier schreiben sehr geehrte Frau Bertus. Bevor sie sich das nächste mal einen Kommentar wagen, sollten sie sich zunächst mal ein paar Stunden mit der Sachlage und der Problematik im allgemeinen auseinandersetzen. Ansonsten bewerben Sie sich doch bitte bei BILD.de.

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